04.05.2023
Zu gerne hätte Niklas Wellen mit seinem Crefelder HTC schon vor dem letzten Rückrundenspieltag der 1. Bundesliga das Viertelfinal-Ticket gebucht. Aber Aufsteiger CHTC verlor seine beiden Wochenendspiele bei Rot-Weiss Köln (2:5) und Uhlenhorst Mülheim (1:2). Trotzdem kann Krefeld weiterhin aus eigener Kraft die Play-off-Runde erreichen. DHZ-Redaktionsleiter Uli Meyer hat sich mit CHTC-Kapitän Niklas Wellen (28) über die Ausgangslage unterhalten. Der Weltmeister, beim großen Triumph in Indien zum besten Turnierspieler ausgezeichnet, erläutert auch, warum die WM nun wirklich „vorbei“ sei und der Blick ausschließlich nach vorne gerichtet ist.
Herr Wellen, Ihre Mannschaft musste am Wochenende zwei Niederlagen einstecken, hat dadurch die vorzeitige Viertelfinal-Qualifikation verpasst. War für den CHTC mehr drin in Köln und Mülheim?
NIKLAS WELLEN: Vom Spielverlauf her war in Köln sicher mehr drin. Wir hatten reichlich gute Torchancen, ungefähr zehn Strafecken und vergeben noch einen Siebenmeter. Letztlich ist es die Stärke des Gegners, aus ähnlich vielen Möglichkeiten seine fünf Tore zu machen. Da sind wir noch nicht so gut wie andere Teams, gerade Köln. Wenn man dann vorne die Dinger nicht macht und dazu noch in manchen Szenen schlecht verteidigt, dann hat man es auch nicht verdient, etwas mitzunehmen. In Mülheim war es ein offener Schlagabtausch. Das erste Viertel gehört klar uns, danach schießt Mülheim ein bisschen aus dem Nichts das 1:0. Wir stellen uns etwas unclever an. Insgesamt wäre ein Punkt drin gewesen. Das ist umso bitterer, weil dieser eine Punkt aufgrund der Mülheimer Vortagsniederlage dann schon gereicht hätte und wir dann sicher im Viertelfinale gewesen wären.
Somit kommt es tatsächlich auf den letzten Spieltag an, der CHTC hat es dennoch in eigener Hand.
Von dem, wo wir zuletzt herkamen, ist es gerade ein bisschen enttäuschend. Aber ich glaube, wenn uns jemand vor der Saison das Szenario aufgemalt hätte, dass wir als Aufsteiger am letzten Rückrundenspieltag mit einem Unentschieden ins Viertelfinale einziehen können, dann hätten wohl alle gesagt: klar, das nehmen wir! Wir befinden uns in einem Reifeprozess als Mannschaft und haben definitiv noch viel Luft nach oben. Von daher ist es okay so, wie es ist. Jetzt brauchen wir halt noch einen Punkt gegen den HTHC, ich habe da ein gutes Gefühl, dass uns das gelingen wird. Dann ist auch alles gut, und dann schauen wir mal, was im Viertelfinale noch alles möglich ist.
Die Play-off-Teilnahme wäre ja gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt. Wäre für den CHTC da schon das Saisonziel erreicht?
Ein Zwischenziel wäre dann auf jeden Fall schon mal erreicht. Wenn man unsere Staffel anguckt, dann war die Konstellation so, dass wir Köln als klare Nummer eins und Düsseldorf als klare Nummer sechs hatten. Dazwischen gab es vier Teams mit UHC, HTHC, Mülheim und uns, die ähnlich stark sind. Unter diesem Quartett ging es darum, welche drei ins Play-off kommen und wer als Fünfter ins Play-down muss. Sich da als Aufsteiger gegen etablierte Konkurrenten durchzusetzen, wäre ein super Zwischenziel. Aber wenn man mal im Viertelfinale ist, will man dann auch mehr. Der Hamburger Polo Club und Mannheimer HC als mögliche Gegner sind starke Teams, trotzdem schlagbar. Aber damit beschäftige ich mich noch gar nicht. Wir müssen erstmal unsere Hausaufgabe nächsten Sonntag gegen HTHC machen.
Niklas Wellen bei der Hereingabe einer Strafecke am vorigen Samstag im Auswärtsspiel bei Rot-Weiss Köln. Trotz zweier Tore des CHTC-Kapitäns verlor das Krefelder Team mit 2:5 und muss nach dem anschließenden 1:2 in Mülheim um die Viertelfinalteilnahme bangen. Foto: Fehrmann
Im Endeffekt könnte es selbst bei einer knappen CHTC-Niederlage sogar noch reichen, wenn es dann aufs Torverhältnis ankäme.
Also für mich ist die Rechnung ziemlich klar: Wenn wir unser Spiel am Sonntag verlieren sollten, werden wir auch raus sein. Dafür ist Mülheim zu stark, als dass sie in Düsseldorf nicht die nötigen vier, fünf Tore schießen, um uns im Torverhältnis zu überholen. Da brauchen wir gar nicht groß rumzurechnen: Wenn wir verlieren, sind wir raus, bei einem Unentschieden Vierter und bei einem Sieg sogar Staffeldritter. Eigentlich ganz einfach.
Sie sind von der Bundesliga in die niederländische Hoofdklasse zu Pinoké gewechselt und nach zwei Jahren wie geplant wieder nach Krefeld zurückgekommen. Welche Umstellung war für Sie schwerer? Oder waren sie beide gleich schwer?
Man kann schon sagen, dass es ein bisschen einfacher ist, wenn man weiß, was einen erwartet. Hier beim CHTC war mir vor meiner Rückkehr schon klar, was ich leisten muss und was meine Rolle ist. Das war vor meinem Wechsel in die Hoofdklasse und in ein neues Team nicht so klar. Da lernt man schon eine andere Hockey-Philosophie und -Kultur kennen, von der man zwar vorher wusste, aber sie doch noch nicht so richtig kannte, weil man sie noch nie zuvor von innen erlebt hat. Das ist sicher alles ein bisschen aufregender als beim Wechsel zurück, wo alles erwartbarer und planbarer abläuft.
Vergangene Woche traf sich die Nationalmannschaft unter der Woche in Krefeld. War das ein reiner Arbeitslehrgang ohne externe Gegner?
Richtig. Das war ein Kurzlehrgang von Montagmittag bis Mittwochnachmittag. Ich glaube, dass dieses Treffen trotz seiner Kürze sehr sinnvoll und hilfreich war. Mit einem großen Kader konnten wir ein paar Dinge abschließen und Neues anstoßen, den Fokus neu richten. Die Weltmeisterschaft ist vorbei – das war alles schön, wir haben es genossen, aber jetzt geht der Blick nach vorne. Wir bereiten uns mit der EM auf ein neues großes Turnier vor, haben eine neue Mannschaft mit vielleicht ein paar anderen Jungs im Kader. Es ist ein neuer Prozess. Die Krefelder Tage waren so ein bisschen der Startschuss dafür.
Stört der Zeitpunkt in der Endphase der Bundesligasaison nicht ein wenig?
Nein. Besser jetzt als zum Beispiel während der heißen Play-off-Phase. Wir sind alle Mittwochnachmittags abgereist, abends war ich schon wieder im Club bei der Videobesprechung dabei. Man hat im Grunde nur ein einziges Clubtraining verpasst. Wenn das jetzt jede Woche so wäre, wie es die Holländer und Belgier mit ihren Kaderspielern machen, wäre das was anderes. Die haben da ein ganz anderes System als wir. Aber mal so einen Lehrgang einzustreuen, ist absolut vertretbar.
Sie nehmen seit vorigem Jahr im DHB auch die Position des Aktivensprechers für die männliche Seite ein. Bedeutet das viel zusätzliche Arbeit für Sie?
Es liegt nicht so viel an. Man bekommt viele Einladungen, und wenn’s zeitlich passt, bin ich tatsächlich auch mal bei einer DHB-Präsidiumssitzung dabei. Und wenn es um Themen der Herren-Nationalmannschaft geht, werden die an Mats Grambusch als Kapitän der Mannschaft und mich als Aktivensprecher gerichtet. Dann werden Rollen und Aufgaben auf verschiedene Schultern verteilt. Die Kommunikation mit der Sporthilfe läuft beispielsweise auch über andere in unserem Kader.
Vielen Dank für das Gespräch!
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