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Vom drastischen Kurswechsel kalt erwischt?

30.04.2024

Da hat die Führung des europäischen Hockeyverbandes, EuroHockey, aber was rausgehauen! Ab 2027 wird es bei den Feld-Europameisterschaften der Damen und Herren, also beim bedeutendsten Wettbewerb des Kontinents, keinerlei Gruppenspiele mehr geben. Von der ersten Partie weg wird im K.O.-Modus gespielt, es geht für alle Beteiligten sofort um alles oder nichts. Wie es genau laufen soll, haben wir in der aktuellen E-Paper-Ausgabe der Deutschen Hockey Zeitung (DHZ 16) beschrieben.

 

Es gibt in wahrscheinlich jedem Meisterschaftsturnier tatsächlich das ein oder andere Spiel, das einen nicht vom Hocker reißt. Entweder schon alleine von der Paarung her oder letztlich vom Spielverlauf. Oder weil durch die Umstände, beispielsweise eine bestimmte Konstellation des Punktestandes, die sportliche Bedeutung schon vor dem Anspiel verwässert wurde. Doch eine Gruppenphase komplett einfach abzuschaffen, nur um sofort den maximalen Kitzel zu erzeugen, das erscheint über das Ziel hinausgeschossen. Oder geht es dabei gar nicht mehr vorrangig um sportliche Gesichtspunkte? Haben die Eventstrategen die sportlichen Vordenker einfach in die Knie gezwungen?

EuroHockey-Präsident Marcos Hofmann (hier bei der EM 2023 in Mönchengladbach mit dem Siegerpokal für die niederländischen Damen) sagt zum neuen, aber 2027 gültigen Modus für Feld-Europameisterschaften: "Wir bringen unser ,Every Match Matters'-Mantra auf die Spitze, indem alle Spiele im K.O.-System ausgetragen werden!"    Foto: Kaste

 

Von diesem drastischen Kurswechsel offenbar kalt erwischt wurden die Verbände, selbst die großen und sportlich bedeutenden, zu denen sich der Deutsche Hockey-Bund zählen darf. Nicht anders zu deuten sind die Reaktionen führender DHB-Vertreter. Da ist von „wenig bis kein Verständnis“, „aktionistischer Eventisierung“ oder gar „Schrott“ die Rede. Es wirft in der Tat kein gutes Bild auf EuroHockey ab, sollte ein Beschluss von solch einer Dimension tatsächlich ganz im stillen Kämmerlein getroffen worden sein.

 

Womöglich nur die Älteren oder schon länger im Hockey-Geschäft Tätigen werden noch wissen, dass es im Deutschen Hockey-Bund über viele Jahrzehnte gelebte Struktur war, dass der Chef des DHB-Schiedsrichter- und Regelausschusses (SRA) automatisch auch Mitglied im DHB-Präsidium war. Es kam dann eine Phase, in der dieses Ressort seine Eigenständigkeit ein Stück weit einbüßte und im Zuge einer größeren Strukturreform dem Feld „Sport“ zugordnet wurde. Manche sagten auch: untergeordnet. Diese Zeit ist nach vielen Jahren nun wieder vorbei. Am vorigen Wochenende wurde auf der Bundesratssitzung (der Zusammenkunft von Präsidium und Ländervorsitzenden) in Hannover beschlossen, mit Christian Blasch einen SRA-Vertreter ins höchste Verbandsgremium zu berufen und ihm auch den Titel Vizepräsident zu geben. Mit der Maßnahme (auf Vorschlag des Präsidiums) soll nicht nur der Stellenwert des Schiedsrichterwesens innerhalb des Verbandes angehoben, sondern gleichermaßen auch die Wertschätzung den Schiedsrichtern gegenüber erhöht werden.

 

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