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Reform der Europameisterschaft: Ab 2027 ausschließlich K.o.-Spiele

Gruppenspiele gibt es ab 2027 keine mehr, künftig wird der neue Feldhockey-Europameister der Damen und Herren ausschließlich über K.o.-Spiele ermittelt. Dafür werden dann zwölf statt wie zuletzt acht Mannschaften bei der EuroHockey Championship am Start sein. Diese einschneidende Reform der EM-Durchführung beschloss der Vorstand des europäischen Hockeyverbandes EuroHockey vergangene Woche.

Seit der Einführung von Feldhockey-Europameisterschaften 1970 (Herren) und 1984 (Damen) variierte die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften zwar immer wieder. Aber egal ob 19 Starter (Herren 1970) oder lediglich acht beteiligte Teams (ab 2005 bei Damen und Herren), eines hatte der Wettbewerb um die Kontinentalmeisterschaft immer: Gruppenspiele, aus denen dann die bestplatzierten Mannschaften spätestens ab dem Halbfinale in K.O.-Duellen den Titelgewinner ausspielten.

Dieses Punktesammeln in der ersten Turnierphase wird es ab 2027 nicht mehr geben. Gleich in der ersten Runde können Titelträume platzen. Vorgesehen ist, dass die zwölf qualifizierten Mannschaften von Anfang an ausschließlich K.o.-Spiele bestreiten. Gemäß ihres europäischen Rankings (abhängig von der Platzierung in der Weltrangliste) treffen in einer ersten Runde Mannschaften aufeinander, die auf den Rängen fünf bis zwölf liegen. Der Sieger eines solchen Duells qualifiziert sich für das Viertelfinale. Die vier Verlierer bekommen noch eine Chance, indem sie gegen jeweils eine der vier Topnationen um den Einzug in die Runde der letzten Acht kämpfen dürfen. Von dort aus gelangen die Sieger des Viertelfinales ins Halbfinale und anschließend entweder ins Finale oder ins Spiel um die Bronzemedaille. Die Viertelfinalverlierer spielen noch um die Ranglistenplätze 5 bis 8. Für die verbleibenden Mannschaften geht es um die Plätze 9 bis 12.

 

Damen-Europameister (2023) Niederlande. Ob Gruppenphase oder nur K.o.-Spiele - dem aktuellen Dominator des europäischen und weltweiten Damenhockeys dürfte der Weg zum Titel zumindest derzeit herzlich egal sein. Foto: EuroHockey 

„Wir bringen unser „Every Match Matters“-Mantra auf die Spitze, indem alle Spiele im K.o.-System ausgetragen werden!“, betont EuroHockey-Präsident Marcos Hofmann. Und zur Erweiterung des Teilnehmerfeldes sagt der Spanier: „Das ist eine Chance für mehr Teams, um den Titel zu kämpfen, bringt aber auch die Verantwortung mit sich, auf diesem Niveau Leistung zu erbringen.“

Das Teilnehmerfeld für die erste „neue“ EM im Sommer 2027 setzt sich nach Beschluss von EuroHockey wie folgt zusammen: allen acht Mannschaften der Europameisterschaft 2025 in Mönchengladbach sowie den besten zwei Teams der EuroHockey Championship II 2025 und dem Gewinner und Zweitplatzierten eines Qualifikationsturniers 2026. Für die EM 2025 stehen bis jetzt je sechs Mannschaften (die ersten Sechs der EM 2023) fest. Dazu kommen die Gewinner von Qualifikationsturnieren, die vom 22. bis 25. August 2024 in Wien/Österreich und Dublin/Irland bei den Herren sowie in Glasgow/Schottland und Douai/Frankreich stattfinden werden.

Das neue EM-Format stößt in Deutschland bei wichtigen Leistungssportvertretern auf keine gute Resonanz. „Es ist mir völlig unverständlich, wie Eurohockey eine solche Entscheidung treffen kann, ohne die "Top5"-Nationen einzubeziehen. Ich habe heute meinen Unmut dazu Eurohockey mitgeteilt. Es geht in eine völlig falsche Richtung, und ich habe wenig bis kein Verständnis für diese Entscheidung“, teilte DHB-Sportdirektor Martin Schultze auf DHZ-Anfrage mit. Auch die Bundestrainer sind skeptisch. „Es wird dazu kommen, dass viele Nationen nur noch ein einziges wichtiges Spiel im gesamten Turnier haben werden. Damit droht die Europameisterschaft sportlich an Wert und Wahrnehmung zu verlieren. Es zeigt sich einmal mehr: Wichtige Entscheidungsprozesse ohne Partizipation der Beteiligten zu gestalten, ist unklug. Ich verstehe und unterstütze, dass wir als Sportart mehr Aufmerksamkeit erzeugen wollen. Auf den ersten Blick fühlt sich diese Änderung wie eine aktionistische Eventisierung an“, sagt Herren-Chefcoach André Henning. Und sein Kollege auf der Damen-Seite, Valentin Altenburg, macht es ganz kurz: „Der neue ,Modus‘ ist Schrott.“   

lim