27.07.2024 - Besser geht’s kaum. Mit einem imposanten 8:2 (5:1)-Auftaksieg über Gastgeber Frankreich sind die deutschen Herren am Samstag ins olympische Turnier gestartet. Schon nach 22 Minuten hatte der amtierende Weltmeister fünf Tore geschossen.
Von der recht kurzfristig etwas anwenderfreundlicher modifizierten Regelung bezüglich des Einsatzes der P-Akkreditierten machte die deutsche Mannschaft sogleich Gebrauch. Für die leicht angeschlagenen Lukas Windfeder (Oberschenkel) und Teo Hinrichs (Rücken) kamen Paul Kaufmann und Malte Hellwig zum Einsatz und fügten sich über 60 Minuten glänzend ein.
Mit stimmgewaltigen „Allez les Bleues“ schickten die französischen Fans, die unter den knapp 10 000 Besuchern auf den vollen Rängen natürlich in der Mehrzahl waren, ihr Team ins Spiel. Für den ersten Stimmungsdämpfer brauchte Deutschland keine halbe Minute. Nach einem langen Schlenzanspiel konnte Rühr rechts am gegnerischen Kreis den Ball nach innen bringen. Über Wellen und Prinz kam dann links vor dem Pfosten Justus Weigand an den Ball und versenkte trocken – 1:0 nach 23 Sekunden!
Auch wenn die Gastgeber den Blitzrückstand wegsteckten und nach fünf Minuten zur ersten Ecke kamen (Wellen lief den Charlet-Schlenzer stark ab), wurde es für Frankreich nicht besser. Nach sieben Minuten schickte Tom Grambusch einen mächtigen Schrubber in den französischen Kreis. Einmal abgefälscht landete der Ball vor den Füßen von Rühr, der gedankenschnell den Schläger ausfuhr und den Ball unhaltbar zum 2:0 unter die Latte ablenkte.

Fast schon in Sitzposition erzielt Mats Grambusch den Treffer zum 5:1 gegen Frankreich. Foto: Kaste
Hoffnung kam für die Blauen auf, als sie mit Ablauf des ersten Viertels durch Charles Masson per feiner Stechervariante bei der zweiten Ecke zum 1:2 verkürzen konnten. Zu einer Verunsicherung der deutschen Mannschaft führte dieser kleine Rückschlag in keinster Weise. Im zweiten Viertel baute sie den Vorsprung mit einer Effizienz aus, die auf diesem Niveau fast unwirklich erschien. Nach 19 Minuten hatte Miltkau zuerst noch knapp verpasst, als Sekunden später Thies Prinz nach Flanke von Rühr auf halbrechts im Kreis an den Ball kam und schnörkellos zum 3:1 einschoss. Zwei Minuten später setzte Tom Grambusch die zweite deutsche Ecke im Nachschuss halbhoch in die Maschen, und nur 60 Sekunden danach nutzte Deutschland eine kleine Überzahl nach Grün für Frankreich sogleich zum 5:1, als Kapitän Mats Grambusch mit der Rückhand fast im Sitzen den Ball in die Maschen setzte. Drei Tore in vier Minuten. Die Frage nach dem Sieger hatte sich eigentlich schon nach 22 Minuten beantwortet.
Bei fast 40 Minuten Restspielzeit lag natürlich noch etwas Risiko in solch einer Feststellung. Doch man musste tatsächlich keinerlei Sorgen haben, dass beim deutschen Team der Konzentrationslevel dramatisch sinken würde. Im Gegenteil. Man spielte weiter so zielstrebig nach vorne, als ob es gar keinen Vorsprung gäbe. Im gesamten dritten Viertel kam Frankreich nicht ein einziges Mal mehr in den deutschen Kreis, während auf der anderen Seite zahlreiche gefährliche Kreissituationen entstanden. Und weil die Effektivität weiter hoch blieb, schnellte auch das Resultat in noch größere Höhen. Die dritte deutsche Ecke versenkte Niklas Wellen mit einem Schlag zum 6:1, beim 7:1 lenkte Justus Weigand einen scharfen Pass vom Clubkollegen Peillat über den Innenpfosten hinter die Linie. Und Wellens 8:1 war mehr ein französisches Eigentor als ein gewollter Abschluss des deutschen Stürmers, dessen Flanke von einem Verteidiger unhaltbar abgefälscht wurde.
Ein versöhnliches Ende der unerwartet deutlich unter die Räder gekommenen Franzosen war der Ehrentreffer zum 2:8 von Victor Charlet mit der sechsten Ecke gut 60 Sekunden vor Schluss.
Stimmen:
Mats Grambusch: Gerade in der ersten Halbzeit haben wir praktisch aus jeder Chance ein Tor gemacht. Diese Effektiviät ist sonst nicht gerade unsere Stärke. Das würde ich gerne so nehmen, wenn wir das in den nächsten Spielen beibehalten könnten. Luki Windfeder und Teo Hinrichs sind beide nicht raus, die werden sicherlich bald wieder reinkommen. Aber wenn man so einen Kader hat wie wir, ist es ganz angenehm, die Möglichkeit der Wechsel in Anspruch nehmen zu können. Das war bärenstark, was unsere P-akkreditierten Paul und Malte da heute geboten haben. Es war eine unglaubliche Atmosphäre, in der wir heute hier spielen durften. Am Ende das Stadion leise zu bekommen, ist natürlich das Größte, was man als Auswärtsmannschaft erreichen kann. Das Spiel heute war trotzdem nur drei Punkte wert. Wir spielen morgen gegen Spanien, die heute gegen GB eigentlich ein gutes Spiel gemacht haben und trotzdem mit 0:4 auf den Deckel bekommen haben. Die werden sicher Schaum vor dem Mund haben, konnten sich unser Spiel anschauen und haben ein bisschen mehr Pause als wir. Jetzt heißt es für uns erstmal regenerieren.
Niklas Wellen: Meine beiden Treffer heute waren kurios. Bei der Ecke war mein Schläger total nass. Ich hab den Ball zum Glück nicht ganz sauber getroffen, das ist manchmal besser als ein ganz sauberer Schlag. Und mein Feldtor war sicherlich noch glücklicher. Wir waren total heiß auf das Spiel. Nach unglaublich langer Vorbereitung und auch schon einer Woche vorort freut man sich, dass es einfach losgeht. Und bei solch einer Kulisse ist man einfach brutal motiviert, wir waren total heiß auf das Spiel und haben es gut hinbekommen. So früh ein Tor zu schießen, ist natürlich genial, es gibt einem ein gutes Gefühl für das ganze Spiel. So ein Auftaktsieg ist immer wichtig. Wenn man das erste Spiel vergeigt, hätte man gleich am Abend die erste Krisensitzung. Es muss jetzt weitergehen, wir haben die Messlatte von selber hoch gesetzt und müssen gucken, dass wir das so halten. Wir können jetzt überhaupt keine Spannung abfallen lassen, denn es ist ja imgrunde nichts passiert. Wir haben Spiel Nr.1 von hoffentlich 8 gerade gespielt und dabei ein Team geschlagen, welches wir dem Papier nach auch schlagen müssen. Von daher bereiten das kurz nach, gucken uns die Spanier an und dann brennen wir morgen hoffentlich das nächste Feuerwerk ab.

Imposante Kulisse: Vor rund 10 000 Zuschauern ging die deutsche Auftaktbegegnung über die Bühne. Foto: DHZ







