31.07.2024 - Der 1:0-Sieg im Prestigeduell mit den Niederländern bringt die deutschen Herren trotz der vorangegangenen Niederlage gegen Spanien plötzlich in die Position, wieder aus eigener Kraft den Gruppensieg einfahren zu können.
Ohne die angeschlagenen Mats Grambusch und Marco Miltkau, deren Plätze von Paul Kaufmann und Malte Hellwig eingenommen wurden, ging die deutsche Mannschaft in ihr vorletztes Gruppenspiel.
Gegen die Niederlande lediglich Tribünengäste: Mats Grambusch und Marco Miltkau (im weißen Shirt, flankiert von DHB-Sportdirektor Martin Schultze, links, und Ersatztorhüter Alexander Stadler).
Schon nach 22 Sekunden hatten sich die Holländer im kleinen Stadion (mit weitgehender Dominanz von oranje-gekleideten Fans) die erste Ecke erarbeitet. Die ausgeguckte Stechervariante über Hoedemakers funktionierte vom Ablauf her sauber, aber den Erfolg verhinderte der gut abtauchende deutsche Keeper Danneberg. Auch der Nachschuss von Balk verfehlte sein Ziel. Dafür saß gleich der erste deutsche Vorstoß auf anderer Seite. Peillat hatte von links in den Kreis geflankt, wo Niklas Wellen eine fantastische Ballan- und -mitnahme gelang. Den daraus entstehenden kleinen Vorteil nutzte der heutige Kapitän und legte den Ball raffiniert unter dem herausstürzender Torwart Blaak in den Kasten – 1:0 nach drei Minuten.
Die schnelle deutsche Führung zog dem holländischen Angriffselan gleich mal richtig den Zahn. Bis kurz vor der ersten Viertelpause gelangte das Oranje-Team überhaupt nicht mehr in die Nähe des Kreises der auch saubere Ballzirkulation dominierenden DHB-Auswahl. Daran änderte sich auch im zweiten Viertel nichts. Den Ball hatten meistens die Deutschen, auch wenn sie offensiv gesehen nicht sonderlich viel daraus machten. Eine doppelte Halbchance von Hellwig und Kaufmann (20.) sowie Verstöße von Wellen und Weigand in den Kreis, aber ohne Eckenfolge, waren die wenigen Highlights. Beim Gegner: Fehlanzeige! Und so ging es mit dem knappen Vorsprung in die Halbzeitpause.
Dass sich etwas ändern musste, war zumindest aus holländischer Sicht klar. Und wenig verwunderlich startet das Oranje-Team aggressiver in die zweite Hälfte. Es erzwang förmlich vermehrte Ballverluste auf deutscher Seite. Daraus ergaben sich dann sofort ein paar brenzlige Situationen am und im deutschen Kreis. Van Dam hatte gleich zwei Einschussgelegenheiten, nach 36 Minuten kamen die Holländer auch zu ihrer zweiten Ecke, die „Verursacher“ Hinrichs aber stark ablief. Ab Mitte des dritten Viertels ließ der Druck des Europameisters dann wieder nach. Deutschland konnte den Ball und das Geschehen wieder stärker kontrollieren. Chancen auf ein zweites Tor gab es ansatzweise nach einem Kaufmann-Vordringen in den Kreis sowie bei einer aussichtsreichen Drei-gegen-Zwei-Überzahl, die Rühr aber verzockte (42.).
Die Schlussoffensive die Niederländer war nicht so vehement, wie man das angesichts des Rückstands vielleicht erwarten konnte. Zwar versuchten sie es immer wieder, doch richtig aushebeln ließ sich die deutsche Abwehr zu keinem einzigen Zeitpunkt. Aber zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass die DHB-Auswahl auch das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite hatte. So rauschte Telgenkamps Knaller aus spitzem Winkel nur haarscharf ebenso am Pfosten wie am Schläger des zum Stecher abtauchenden Bijen vorbei (48.). Deutschland näherte sich im Schlussviertel noch zweimal dem gegnerischen Kasten, aber weder der Weigand-Abschluss (53.) noch Wellens Ball ans Außennetz (58.) brachten wirkliche Torgefahr. Einen zweiten Treffer brauchte es aber tatsächlich nicht mehr, um den 1:0-Erfolg über die Zeit zu bringen. Statistisch lag das Delmee-Team mit 10:6 Schüssen, 16:15 Kreiseintritten und 2:0 Ecken vorne. Kein Problem für André Henning und seine Schützlinge.
Es ist geschafft. Während die Holländer Jip Janssen (Nr. 2) und Jorrit Croon (Nr. 10) konsterniert schauen, kann sich die deutsche Mannschaft über einen hart erkämpften 1:0-Sieg freuen. Foto: Kaste
Stimmen
André Henning: Wir haben heute aus jeder Schublade, die es für einen Sieg gegen Holland braucht, ein bisschen was rausgeholt an Qualität. In der ersten Halbzteit vor allem spielerisch gegen das aggressive, starke Mannpresssing der Holländer. Da sind wir viel vorne reingekommen. In der zweiten Hälfte, als wir mehr einfache Ballverluste hatten, musste wir mehr die kämpferische Komponente bedienen. Beide Teams mussten gestern in der Sonne ganz schön durch die Hölle gehen. Heute hat dann die Luftfeuchtigkeit beide Teams stark gefordert. Deswegen war es sehr wichtig, unter diesen Bedingungen die Kontrolle zu halten. Auf den freien Tag freuen wir uns sehr. Wir hatten jetzt vier Spiele an fünf Tagen. Das gibt es so bei keinem anderen Turnier. Es ist wichtig, dass wir aus dem Sieg heute etwas machen. Jetzt wollen wir natürlich den Gruppensieg, dafür brauchen wir den nächsten Dreier gegen GB. Auf einen bestimmten Gegner im Viertelfinale zu gucken ist müßig. Wir sehen ja, wie eng die andere Gruppe ist, und ein Viertelfinale wird sowieso ein Spiel auf Augenhöhe – egal gegen wen. Wir haben es ja die vergangenen Monate gesehen, wie schwer alle Gegner sind, die da infrage kommen.
Mats hat sich gestern gegen Südafrika ein bisschen am Knie verletzt. Wir haben ein MRT machen lassen, es ist zum Glück nichts Schlimmes. Ich denke, wir werden ihn bald wieder auf dem Platz sehen. Bei Marco ist es genauso. Er hat eine kleine Blessur. Da war das Aussetzen heute eher eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der der Intensität von hoffentlich acht Spielen in zwölf Tagen.
Niklas Wellen: Mein Tor heute war sicherlich schöner und gelungener als die beiden gegen Frankreich. Aber letztlich ist es ja völlig egal, Hauptsache der Ball geht rein. In den wenigsten Spielen reicht ein einziges Tor zum Sieg, vor allem nicht gegen ein so offensiv starkes Team wie Holland. Aber wir haben heute gesehen, dass beide Teams sehr müde waren. Der Spielplan ist brutal, wir spielen viermal an fünf Tagen. Das gibt es nirgends anders. Man hätte es wohl vorhersagen können, dass das heute kein schönes Offensivhockey wird. Wir haben unglaublich gut verteidigt, alles reingeworfen. Ein Tick Glück war dabei, dass ein paar Bälle der Holländer knapp am Tor vorbeifliegen.
Paul Kaufmann: Ich stelle mich gerne in den Dienst der Mannschaft, egal auf welcher Position. Hauptsache, ich kann den Jungs helfen. Wir haben das Spiel heute lange gut kontrolliert. Dass die Holländer auch mal in einen Flow kommen und wir auch mal ein bisschen schwimmen, wussten wir. Wir konnten diesen Flow dann relativ schnell wieder brechen, so dass es am Ende dann nur noch eine Schlacht wurde, die wir dann zum Glück zu unseren Gunsten entscheiden konnten. Wir haben jetzt den Gruppensieg in eigener Hand, den wir uns unbedingt sichern wollen.







