02.08.2024 – Mit einem 4:2 (3:0)-Sieg über China machten die deutschen Damen unter den Augen der Außenministerin am Freitagvormittag auch rechnerisch den Sprung ins Viertelfinale klar.

Applaus für die deutschen Damen von DHB-Präsident Henning Fastrich, IOC-Mitglied Michael Mronz, Außenministerin Annalena Baerbock und DHB-Vizepräsidentin Katrin Kauschke (von links). Foto: Kaste.
Im Beisein von Bundesministerin Annalena Baerbock, die auf der Tribüne neben den DHB-Präsidiumsmitgliedern Henning Fastrich und Katrin Kauschke sowie dem deutschen IOC-Mitglied Michael Mronz das komplette Spiel verfolgte, hatten die deutschen Damen eigentlich gar keinen guten Start. Schon in der ersten Minute handelte man sich eine Strafecke ein. Der Schlenzer von Gu war für Kubalski aber kein Problem. Spielerisch wollte in den ersten zehn Minuten noch wenig gehen, weil sich immer wieder kleine technische Probleme im deutschen Kombinationsspiel einstellten. Das 3D-Dribbling von Cécile Pieper, die heute für die immer noch angeschlagene Weidemann ins Team rotierte, war nach fünf Minuten die erste zarte Annäherung Richtung chinesisches Tor. Die Chinesinnen waren im andauernden Vorwärtsgang, ohne eine permanente Bedrohung für den deutschen Kreis darzustellen.
Fast aus dem Nichts fiel dann nach 12 Minuten das 1:0. Über rechts war Horn in den Kreis vorgedrungen. Ihren Querpass konnten die Chinesinnen nicht abfangen, und das nutzte Nike Lorenz, die in der Mittelstürmerposition nicht lange fackelte und das Spielgerät volley ins Netz schmetterte. Ein Treffer mit Wirkung, denn von da an dominierte Deutschland das Spiel komplett, China wackelte vor allem in der Defensive bedenklich. Und das machten sich die Danas ein ums andere Mal zunutze. Beim Stapenhorst-Rückhandschuss ins Netz sah die südafrikanische Schiedsrichterin Rostron noch eine runde Seite (17.), wenige Sekunden später war dann aber nichts mehr zu mäkeln. Auf Vorarbeit der ihre Schnelligkeit stark ausspielenden Fleschütz drückte Charlotte Stapenhorst den Ball zum 2:0 in den Kasten. Und weitere 60 Sekunden später stand es schon 3:0, als Stapenhorst die optimal funktionierende Stechervariante bei der zweiten deutschen Ecke vollendete (18.). Pieper mit Nolte und danach nochmal Stapenhorst hatten das vierte Tor auf dem Schläger, doch es ging mit einem 3:0 in die Pause.

Jubel bei Charlotte Stapenhorst nach der erfolgreichen Eckenstechervariante zum 3:0 gegen China. Foto: Kaste
Wie zu Beginn des Spiels gehörten auch in der zweiten Halbzeit die ersten Minuten dem Gegner. Kubalski musste nicht nur einen freien Schuss von Wen parieren (32.), sondern auch eine Serie an Strafecken. Bei der fünften in Folge und der achten insgesamt war es dann passiert. Per Stechervariante verkürzte Wen Dan zum 1:3 (36.). Das Gegentor beflügelte wieder den zwischenzeitlich eingeschlafenen deutschen Angriffselan. Bis zur letzten Viertelpause ergaben sich einige aussichtsreiche Situationen. Bei Stapenhorsts Rückhand (45.) lag ein 4:1 noch am ehesten in der Luft.
Dieser vierte deutsche Treffer fiel dann nach 49 Minuten. Über rechts war Stapenhorst in den Kreis eingedrungen. Beim Querpass und anschließenden Abschlussversuch klapperten die Schläger – Schiedsrichterin Wilson zeigte auf den Siebenmeterpunkt. Die Entscheidung ließ China per Videobeweis überprüfen, wo jedoch kein Widerspruch kam. Nike Lorenz verwandelte den Strafstoß sicher auf der Schlägerseite. Angesichts des zweiten Drei-Tore-Vorsprungs ließ Deutschland in den Schlussminuten die Zügel noch einmal ein wenig schleifen. China konterte und schoss durch Meirong Zou mit einem Knaller in den oberen Torwinkel das schönste Tor des Tages (55.). Der deutsche Sieg kam allerdings nicht mehr in Gefahr, auch wenn die Statistiken am Ende mit 9:2 Ecken und 21:11 Torschüssen viele Vorteile für die Asiatinnen brachten. Lediglich bei Kreiseintritten (24:22) lag Deutschland vorne.

Souverän verwandelte Nike Lorenz den Siebenmeter gegen die chinesische Torhüterin Jiao Ye zum 4:1. Foto: Kaste
Stimmen:
Valentin Altenburg: Wir waren heute sehr gut auf China vorbereitet, auf ihre Art des Spiels eingestellt. Dadurch haben ein anderes Hockey spielt, als wir das sonst tun. Hier und da hat es noch gehapert im Spielfluss, hat aber gleichzeitig China die Stärken über weite Strecken genommen. Unsere gnadenlos gute Chancenverwertung in der ersten Halbzeit hat die Basis für den Sieg gelegt. In der zweiten Halbzeit haben wir es versäumt, schneller wieder auf die Anzeigentafel zu kommen. Wir haben leider dazu beigetragen, das Momentum wieder aus der Hand zu geben. Das war nach dem 3:0 und nach dem 4:1 so, wo wir richtig darum betteln, den Gegner wieder ins Spiel kommen zu lassen. Wir können und werden Spiele auch besser zu Ende spielen. Heute mit der deutlichen Führung war es kein Thema, aber wenn es knapper gewesen wäre, hätten wir viel zu stark gewackelt. Das können wir besser und das brauchen wir auch besser. Gut, dass wir mit China und Belgien nach hinten raus in der Gruppenphase zwei starke, aber auch unterschiedlich spielende Gegner haben. Solche Spiele helfen extrem Richtung Viertelfinale, wo wir unser bestes Hockey spielen wollen. Linnea geht es wieder deutlich besser, ich gehe auch davon aus, dass wir sie morgen wieder auf dem Spielfeld sehen werden.
Benedetta Wenzel: Gegen China ist es nie so einfach, weil die so unorthodox spielen und man die so schlecht einschätzen kann. Von daher ist es normal, dass die auch mal eine Dominanzphase haben, wie auch wir. Wir haben heute unsere Chancen gut genutzt und vom Ergebnis her gut vorgelegt, so dass wir es zu keinem Zeitpunkt richtig spannend haben werden lassen. Wir sind glücklich, dass wir letztlich souverän gewonnen haben und im Viertelfinale sind.
Wir wussten, dass die Außenministerin da ist. Es war unklar, ob sie auf den Platz kommen durfte. Wunderbar, dass es dann doch geklappt hat. Ich fand es cool, dass sie gleich das T-Shirt angezogen hat, das wir für sie vorbereitet und unterschrieben haben. Schön, dass wir das Foto dazu gemeinsam auf dem Spielfeld machen durften. Sie wirkte sehr nah und auf dem Boden geblieben, wirklich sehr nett. Beim gestrigen Besuch im Olympischen Dorf hat sie uns erzählt, dass ihre Tochter mit Hockey angefangen, aber auch wieder aufgehört hat. Das haben wir jetzt wieder versucht zu drehen. Sie hat uns viel Glück fürs Viertelfinale gewünscht, das kann sie leider nicht mehr sehen, will es aber verfolgen. Es hat ihr sehr viel Spaß gemacht zu sehen, welch tolle Tore wir geschossen haben und wie souverän wir das runtergespielt hätten.
Charlotte Stapenhorst: Ich finde, dass wir heute vorne wahnsinnig effizient gewesen sind. Klar haben wir auch unfassbar viel zugelassen und Ecken kassiert, haben diese aber auch gut rausverteidigt. Mit dem Wissen, dass wir auf jedes Gegentor heute auch selber wieder einen drauflegen können, haben wir das Spiel gewonnen. Ein guter Schritt. Gegen Belgien gibt es ja vom EM-Halbfinale noch bisschen was nachzuholen. Wir dürfen mit einer gewissen Gelassenheit und Spielfreude ins Spiel gehen. Und dann können wir jedes Team hier schlagen.
Nike Lorenz: Wir hätten am Anfang wirklich ohne weiteres in Rückstand gehen können, hatten aber eine Top-Ecken-Defense heute. Und vorne haben wir gleich eine unserer ersten Chancen genutzt, damit zieht man einem Gegner manchmal den Stecker. Ich habe das Gefühl, dass wir jetzt schon in einem ganz gutem Abliefer- und Chrunchtime-Modus sind. Wenn wir den jetzt noch ein bisschen verschärfen Richtung Viertelfinale, dann liegen wir gut auf Kurs.







