02.08.2024 – Deutschlands Herren ließen sich am letzten Gruppenspieltag nicht mehr von der Pole-Position der Gruppe A verdrängen und ziehen nach dem 2:1-Erfolg über Großbritannien als Gruppensieger ins Viertelfinale ein. Dort wartet am Sonntagabend (20 Uhr) Argentinien.
Erneut ohne den Kapitän Mats Grambusch gingen die deutschen Herren in ihr fünftes und letztes Gruppenspiel. Gegen Großbritannien musste geklärt werden, wer Erster und wer Dritter in der Gruppe A wird, mit den entsprechenden Gegner-Aussichten im Viertelfinale.
Die Briten waren in diesem Gruppenfinale sozusagen in der Herausfordererrolle. Sie mussten auf Sieg spielen, wollten sie das Vorrundenranking noch auf Position eins abschließen. Ein verschärfter Angriffsmodus war anfangs aber noch nicht bei ihnen zu erkennen, der gegenseitige Respekt diktierte weite Strecken des ersten Viertels. Nach einem harmlosen ersten deutschen Torschuss (Wellen/10.) lag der Ball kurz danach auf der anderen Seite plötzlich im deutschen Kasten, und der neuseeländische Schiri Greenfield zeigte tatsächlich Tor an. Doch der Videobeweis ergab sehr schnell und eindeutig, dass Calnan die Flanke in bester Fußballermanier mit seinen Beinen in den Kasten abgefälscht hatte. Bei Abschlüssen von Ward und Albery war Danneberg sicher zur Stelle, deshalb ging es torlos in die erste Viertelpause.
Nach 19 Minuten fiel das erste Tor. Deutschland hatte einen britischen Angriff abgefangen. Im Konter spielte Hannes Müller aus vollem Tempo von rechts einen Sensationsdiagonalpass, den Christopher Rühr frei am Kreisrand annehmen konnte. Eine Körperdrehung, ein Rückhandschuss - und der Ball zappelte für den chancenlosen Keeper Payne halbhoch im linken Eck.
Sechs Minuten später hatte Deutschland die erste Ecke herausgeholt. Die ausgeguckte Ablegervariante klappte bestens, Tom Grambusch kam aus zehn Metern sehr frei zum Schlenzball. Payne war wieder machtlos. Dahinter konnte der Liniensteher nur mit dem Körper abwehren – Siebenmeter. Wie gegen Südafrika eine sichere Sache für Christopher Rühr, der den Torwart verlud und zum 2:0 einschlenzte (25.). Da es im zweiten Viertel keine einzige wirklich gefährliche Torannäherung der Briten gab, ging es mit dem Vorsprung in die Halbzeitpause.

Christopher Rühr verlädt GB-Torhüter Oliver Payne beim Siebenmeter und erzielt so das zwischenzeitliche 2:0. Foto: Kaste
Nach einer sechsminütigen Anfangsphase des dritten Viertels, in der gefühlt Deutschland zu 99 Prozent den Ball besaß, kämpfte sich Großbritannien zurück ins Spiel. Die Briten holten eine Eckenserie heraus, doch die deutsche Abwehr lief alle drei Versuche ganz stark ab. Bei einem Konter bediente dann Weigand den in die Gasse startenden Prinz mustergültig. Im Fallen drückte der Angreifer ab. Mit der Schulter lenkte Payne den Ball gerade noch übers Tor und vereitelte diese Riesenchance zum 3:0 (41.).
Statt der Vorentscheidung wurde es im letzten Viertel nochmal richtig eng. Mit ihrer fünften Ecke schafften die Briten durch Gareth Furlong den Anschlusstreffer (49.). Da noch in der gleichen Minute Peillat mit Deutschlands zweiter Ecke an Payne scheiterte, bot sich den Briten im Gegenzug mit ihrer sechsten Ecke die Ausgleichsmöglichkeit. Nach eigentlich misslungener Ausführung kam Morton zum Abschluss und setzte den Ball tatsächlich ins lange Toreck. Der britische Jubel verstummte sogleich, als Schiedsrichter van Bunge seinen eigenen Videobeweis zog. Und tatsächlich lag der niederländische Unparteiische mit seiner Vermutung, dass der Ball nie den Kreis verlassen hatte, goldrichtig. Also kein 2:2.
Drei weitere GB-Ecken führten in den letzten Minuten nicht zum Erfolg. Am knappsten war es noch bei Furlongs hohem Schlenzer, der die Außenkante des Lattenkreuzes touchierte. Deutschland brachte den knappen Vorsprung trotz statistischer Vorteile des Gegners bei Torschüssen (11:9) und Strafecken (9:2), allerdings bei 15:10 Kreiseintritten der DHB-Auswahl, erfolgreich über die Zeit. Für Großbritannien war es nach zwei Unentschieden und zwei Siegen das erste verlorene Spiel im Turnier. Es geht als Gruppendritter weiter.
Das einzige Mal, dass die britischen Schützen den deutschen Keeper Jean Danneberg samt Abwehr überwinden konnten. Doch mehr als das 1:2 brachte GB nicht zustande. Foto: Kaste
Stimmen
André Henning: Wir war es wichtig, dass wir den Modus, den wir aufgebaut haben, auch durchziehen. Das haben die Jungs auch gut gemacht. Wir hatten wahnsinnig viel Spielkontrolle. Das ist uns gegen GB in den letzten Spielen lange nicht so geglückt wie heute. GB spielt vom System her wie die Holländer. Die Probleme, die wir gegen Holland in der zweiten Hälfte im Aufbau hatten, haben wir analysiert. Wir hatten deshalb heute auch ein Entwicklungsziel. Es war letztlich ein Mix im Drinbleiben und doch ein paar Sachen auszuprobieren. Das ist alles gut gelaufen.
Das 1:0 war ein absolutes Traumtor. Die Verbindung zwischen Hannes als Passgeber und Chrissi als Torschütze gab es ja schon mal bei der WM. Ein bisschen viel Ecken haben wir zugelassen, aber die Abwehr hat sehr gut funktioniert. Und vorne machen wir aus zwei Ecken immerhin einen Siebenmeter. Die Standards werden natürlich jetzt ein Faktor Richtung K.O.-Spiele.
Argentinien wird ein tougher Gegner. Nur 30 Sekunden hat denen gefehlt für einen besseren Platz in der Gruppe. Sie haben eine starke Gruppenphase mit ganz wenigen Gegentoren gespielt. Das wird am Sonntag eine hohe Hürde. Meine These, dass ein Viertelfinale ein Spiel auf Augenhöhe wird, sehe ich durch die Gruppenphase bestätigt.
Christopher Rühr: Wir können mit dem Spiel heute und dem Gruppensieg zufrieden sein. Aber jetzt fängt das Turnier erst so richtig an, das muss man ganz klar sagen. Im Endeffekt ist es egal, ob du Erster, Zweiter, Dritter oder Vierter wist, du musst ins Viertelfinale kommen, und ab da musst du richtig da sein. Argentinien wird ein schweres Spiel, weil es ein sehr schwer zu spielender Gegner ist, ganz anders als all die europäischen Teams. Da freuen wir uns jetzt drauf, wir haben viel Selbstvertrauen in der Gruppenphase tanken können, und da werden wir unser bestes Hockey zeigen.
Hannes Müller: Mein Pass zum 1:0 war erstmal nicht direkt so geplant. Ich habe Chrissi aus dem Augenwinkel gesehen und ihn dann auch rufen hören. Letztlich war es eine Alles-oder-nichts-Aktion. Dass der Ball dann tatsächlich so durchkommt, macht mich umso glücklicher.
Ich hatte ein bisschen Probleme, ins Turnier reinzufinden. Die Jungs und speziell Martin, der ja eine ähnliche Position spielt, haben mich da gut aufgefangen. Gut, dass der „alte Mann“ mich da ein bisschen an die Hand nimmt. Heute war mal so ein Spiel, mit dem ich auch persönlich richtig happy bin. Es ist schon ein anderes Turnier. Alles viel größer, auch das Leben im Dorf, das kann man alles mit EM oder WM in Hockey nicht vergleichen. Da muss man schon einen guten Mix finden zwischen Fokus und Entspannung. Den habe ich jetzt hoffentlich gefunden.







