13.08.2024
Oranje regiert die Hockeywelt. Erstmals in der Geschichte olympischer Hockeyturniere ist es einer Nation gelungen, beim gleichen Event sowohl die Goldmedaille bei den Damen als auch bei den Herren zu gewinnen. Dieser historische „Double Dutch“ der Niederlande ist sportlich schon beeindruckend genug. Hinzu kommt eine Art Machtdemonstration auch außerhalb des Spielfeldes. Wer gesehen hat, wie es die Holländer in Paris geschafft haben, gerade in der entscheidenden Turnierphase für ihre beiden Mannschaften eine Heimspielatmosphäre zu schaffen, der muss einfach feststellen: Es war der pure Wahnsinn. Auf den 10.000 Zuschauerplätzen herrschte die Farbe Orange. Gefühlt war es am Ende nicht mehr das Yves-du-Manoir-Stadion in der Pariser Vorstadt Colombes, sondern das Wagener-Stadion in Amsterdam.
Der Rest der Hockeywelt muss nun vor lauter Ehrfurcht ob der holländischen Übermacht nicht den Kampf aufgeben, die Dinge doch mal wieder ändern zu können. Alleine die beiden Endspielergebnisse zeigen, wie knapp es war. Erst das Shoot-out brachte die Entscheidung über Gold und Silber. Dass besonders die chinesischen Damen drauf und dran waren, im Finale gegen den hochfavorisierten Titelverteidiger für eine Sensation zu sorgen, war die insgesamt betrachtet wohl größte Überraschung der 14 Hockeytage von Paris. Und Alyson Annan, die Trainerin der Asiatinnen, hat schon in Paris ohne zu zögern gesagt, was sie mit ihren China-Damen will: Gold in Los Angeles 2028.

Eine Machtdemonstration in orange war die Schlussphase des olympischen Hockeyturniers in Paris. Die gewohnte Farbe der niederländischen Teams und Anhänger dominierte. Mit zwei Mal Gold hatten sie auch einiges zu feiern. Foto: Kaste
Dass Deutschlands Damen den Finalisten China in der Gruppenphase verdient mit 4:2 bezwang und als einzige Mannschaft im Turnier den späteren Olympiasieger im Vorrundenduell phasenweise regelrecht herspielte, zeigt das grundsätzliche Potenzial der Danas. Paris zeigte aber auch, dass die Formkurve der deutschen Damen mal wieder nicht zu Erfordernissen eines olympischen Turniers passt. In allen Bereichen die beste Leistung im wichtigsten Spiel, dem Viertelfinale, zu bringen, hat wie schon in Tokio nicht geklappt. Dass man gegen den gleichen Gegner wie vor drei Jahren diesmal deutlich näher an einem Erfolg dran war, ist eine richtige Feststellung. Sich damit zufriedenzugeben und aufs nächste Mal zu hoffen, wäre indes grundverkehrt. Wenn die Mannschaft ihre enorme Diskrepanz zwischen Weltklasse und gefühlter Kreisklasse, teils auch innerhalb einzelner Spiele, nicht in den Griff bekommt, wird es schwer, bei einem der ganz großen Turniere wieder in die Medaillenränge zu gelangen.
Verglichen zur weiblichen Abteilung lieferten die DHB-Herren in Paris geradezu verlässlich Leistung ab. Wenn’s mal spielerisch nicht ganz rund lief, packte man halt die kämpferische Keule aus. Und Druck scheint für die Honamas geradezu Ansporn für einen noch besseren Auftritt zu sein. Da gab es wirklich kaum was zu beanstanden. Zu Gold hat nicht viel gefehlt, aber die Holländer hatten am Ende auch nicht ganz unverdient die Nase vorn.
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