Die Messlatte könnte kaum höher liegen. Nicht weniger als zwei Siegerpokale will und soll die deutsche Delegation von der 7. Hallenhockey-Weltmeisterschaft aus der kroatischen Küstenstadt Porec mitbringen. „Wir wollen das Jahr 2025 möglichst mit zwei Titeln starten“, sagt DHB-Sportdirektor Martin Schultze wenige Tage vor dem Startschuss des Doppelturniers für Damen und Herren. Zwischen 3. und 9. Februar stehen in der modernen Zatika Arena, in der 2009 Spiele der Handball-WM stattfanden, 68 Spiele mit 24 Mannschaften auf dem Programm.
Deutschland ist sozusagen Wiedereinsteiger. Bei der sechsten Auflage der Hallen-WM fehlte man, weil das ursprünglich für Februar 2022 in Belgien geplante Turnier wegen der Coronakrise erst abgesagt und dann für Februar 2023 in Südafrika neu angesetzt wurde. Aus Kostengründen zog der DHB damals seine beiden Teams zurück. Als Hallen-Europameister 2024 bei Damen und Herren sorgte Deutschland für seine sportliche Rückkehr ins WM-Feld 2025. Froh ist man beim DHB zunächst einmal, dass das WM-Turnier wieder nach Europa zurückkehrt. Im Gespräch war zeitweise wohl auch eine Ausrichtung in Thailand, was den deutschen Verband vor die nächsten finanziellen Herausforderungen gestellt hätte, schließlich wird das internationale Hallenhockey als nicht-olympische Disziplin nicht mit Geldern des für Sport zuständigen Bundesinnenministerium unterstützt. Und so ist die Finanzierung einer Hallen-WM voll und ganz aus dem normalen DHB-Haushalt zu stemmen.
Mit aus diesem Grund ist auch die sportliche WM-Vorbereitung der beiden deutschen Mannschaften auf ein Minimum kleingehalten. Während andere Nationen offenbar mehrwöchige Trainingscamps abgehalten haben, traf sich das deutsche Herrenteam erst am Donnerstag zum gemeinsamen Abflug in Frankfurt. Dann ging es mit dem Flugzeug nach Venedig und von dort mit dem Bus weiter nach Porec. Vorort sind Trainingseinheiten und zwei Testspiele gegen Polen und Belgien geplant. „Wir müssen ganz schnell ein Team werden“, weiß Trainer Matthias Witthaus, der die „Hallen-Honamas“ zusammen mit Jan Philipp Rabente anführen wird, um die Herausforderung. Bei den Damen um das Trainerduo Dominic Giskes/Markus Weise gelang es, noch ein kleines Trainingscamp in Frankfurt von Dienstag an auf die Beine zu stellen, ehe zusammen mit der Herren-Gruppe die Reise losging. Vorort sind dann noch Testspiele gegen Belgien, Tschechien und Thailand für die „Hallen-Danas“ anberaumt, ehe am Montag für beide deutschen Teams die ersten Gruppenspielen beginnen.

Philin Bolle (am Ball) gehört wie schon bei der Hallen-EM im Januar 2024 in Berlin auch dem Kader der Hallen-WM an, wie im übrigen sieben weitere Spielerinnen des deutschen EM-Siegerteams. Foto: Kaste
Auf die DHB-Vertretungen warten in der ersten Turnierphase ausschließlich außereuropäische Aufgaben. Die Herren spielen gegen Malaysia (Montag; 9.40 Uhr), Iran (Dienstag; 10.50) und Argentinien (Mittwoch; 21.00), die Damen haben es mit Neuseeland (Montag; 16.40), Australien (Mittwoch, 13.30) und Namibia (Donnerstag; 13.30) zu tun. „Wir werden keinen unterschätzen“, sagt Dominic Giskes. Die Gruppenersten und -zweiten sowie die zwei punktbesten Dritten der drei Vierergruppen qualifizieren sich für das Viertelfinale. Wer am Ende Weltmeister werden will, muss dann drei K.O.-Spiele in Folge gewinnen. Die Endspiele sind für Sonntag, 18.20 Uhr (Damen) und 19.30 Uhr (Herren), angesetzt „Auch wenn der Titel unser klares Ziel ist, wird das wird alles andere als ein Selbstläufer“, ist sich Witthaus bewusst, „dass das inzwischen eine andere Nummer geworden ist als früher“. Als Spieler trug er 2003 und 2011 zu zwei der bislang drei (noch 2007) deutschen Hallen-WM-Triumphen bei. Auch die deutschen Damen haben schon drei Mal die Hallen-WM gewonnen (2003, 2011, 2018). Eine Titelverteidigung ist in Porec nur für die österreichischen Herren möglich, Damen-2023-Gewinner Niederlande hat sich komplett aus dem internationalen Hallenhockey zurückgezogen.
In Porec stehen Femke Jovy und Maja Weber bei den Damen sowie Jasper Ditzer, Alec von Schwerin und Nicolas Proske bei den Herren vor ihren ersten Einsätzen im A-Nationalteam. Für insgesamt zehn DHB-Akteure werden es die ersten Hallen-Länderspiele sein.
Interessant übrigens, dass die Zusammenstellung der beiden deutschen WM-Kader ein außergewöhnlich demokratischer Prozess war. Tatsächlich hatten die Hallen-Trainerteams Giskes/Weise (Damen) und Witthaus/Rabente (Herren) den Bundesligacoaches vor Saisonbeginn die Möglichkeit eingeräumt, zwei Spielerinnen oder Spieler aus ihren Reihen zu nennen, die sie als potenzielle WM-Kandidaten einstufen würden. Aus der daraus entstandenen Longlist mit je über 30 Namen sind dann – natürlich auch mit eigenen Einschätzungen und Beobachtungen der DHB-Coaches - am Ende die 12er-Kader für Porec entstanden. Alles natürlich ohne Akteure der aktuellen Feld-A-Kader, die sich in der Vorbereitung auf die Februar-Aufgaben in der Pro League (Indien-Reise) befinden.
lim

Die beiden deutschen WM-Aufgebote für Porec.







