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Indien 2025 – eine coole und unvergessliche Erfahrung

Mit den Siegen der Shrachi Rarh Bengal Tigers bei den Herren und den Odisha Warriors bei den Damen endete vor ein paar Tagen die Hockey India League 2024/25. Bei diesem einmonatigen Spektakel mit acht Herren- und vier Damenmannschaften mischten neben vielen indischen Spielerinnen und Spielern auch an die hundert überwiegend sehr bekannte Gastakteure aus über einem Dutzend Länder weltweit mit. Auch fünf Deutsche hatten sich mittels einer Auktion auf das bezahlte Abenteuer eingelassen. Das waren die Weltmeister Gonzalo Peillat, Martin Zwicker und Moritz Ludwig sowie die Nationalspielerinnen Charlotte Stapenhorst und Lilly Stoffelsma. Die DHZ hatte sich mit Lilly Stoffelsma und Moritz Ludwig während deren Indien-Aufenthalt in Verbindung gesetzt und sie nach ihren Eindrücken gefragt.

„Als jemand, der sehr lange schon mit den gleichen Leuten in einem Verein in Mülheim spielt, war das sehr interessant, mal mit anderen Leuten aus anderen Kulturen und anderen Spielstilen zusammenzuspielen. Das hat Bock gemacht“, erzählt der lange Defensivspezialist vom HTC Uhlenhorst, wenngleich seine Laune am Ende rein sportlich ganz leicht gedrückt war. „Das Halbfinale haben wir aufgrund sehr fraglicher Schiedsrichterentscheidungen im Shoot-out verloren“, umschreibt Ludwig die knappe Vorschlussrundenniederlage seiner Tamil Nadu Dragons gegen den späteren Gesamtsieger Bengal Tigers. Danach ging für „Molu“ auch noch die Partie um Platz drei gegen das Team Soorma HC mit 2:3 verloren. „Trotzdem war es eine coole Erfahrung“, zieht der 23-Jährige eine positive sportliche Bilanz. Seine Dragons, bei denen er und Martin Zwicker zusammen mit Jip Janssen (Niederlande), David Harte (Irland), Thomas Sorsby (Großbritannien), Blake Govers, Tom Craig und Nathan Ephraums (alle Australien) den auf acht Spieler beschränkten Ausländer-Block bildete, hatten in der Ligaphase nach zehn Spielen als Vierter die Play-offs erreicht. Mit Rein van Eijk coachte der langjährige U21-Bundestrainer die Dragons. Die vom ehemalige Bundestrainer Valentin Altenburg geführten Kalinga Lancers verpassten als Sechster die finale K.o.-Runde.

Ein weiterer aus der DHB-Trainerriege gelangte mit seiner Mannschaft dagegen sogar ins Finale. Pasha Gademan (Co-Trainer der Honamas) griff mit den Hyderabad Toofans und dem Mannheimer Gonzalo Peillat in den Reihen nach dem Siegerpokal. Nach dem 3:1-Halbfinalsieg über Soorma HC war dieser Triumph nahe, doch in einem spannenden Finale zogen Gademan & Co. trotz zweier Peillat-Eckentore knapp mit 3:4 den Kürzeren.

Auch wenn Moritz Ludwig nach eigenen Angaben „gar nicht so viel außerhalb des Hockeys erlebt“ haben will, so kann er über den Ablauf der sechs Wochen, die sich meist am Hauptspielordt Rourkela mit dem weltgrößten Hockeystadion abspielten, Folgendes berichten: „Wir haben uns in unserem Team mit den Ausländern sehr gut verstanden. Wir sind alle miteinander gut klar gekommen und haben in unsere Freizeit oft Karten am Pool gespielt. Für mich war es aber sicherlich gerade am Anfang angenehm, dass ich mit Zwicki ein bekanntes Gesicht dabei hatte. Da wir uns schon von Urlauben und Lehrgängen kennen, waren wir ein eingespieltes Team auf dem Zimmer.“ Auch der Kontakt zu den anderen Mannschaften sei eng gewesen. „Da wir in einem Hotel mit einem Großteil der Teams waren, ist man sich täglich über den Weg gelaufen und hat Zeit zusammen verbracht. Die Atmosphäre war locker und entspannt zwischen den Spielern, auch das hat es zu einer coolen Erfahrung gemacht“, berichtet Moritz Ludwig.

Gefragt nach seinem Gesamtfazit, gibt der Mülheimer zu Protokoll: „Meine Erwartungen sind grundsätzlich übertroffen worden. Da man vorher nicht wusste, wie es wird, da die letzte Edition der HIL vor sieben Jahren stattfand und sich im Vergleich dazu ein paar Dinge geändert haben, hatte man keinen Bezug, was zu erwarten ist. Dementsprechend habe ich mich einfach auf die Sache eingelassen. Am Ende waren sich alle, mit denen ich gesprochen habe, einig, dass es besser als erwartet war. Dafür war auch Rein verantwortlich, da er - wie ich es schon von ihm kenne - eine familiäre Atmosphäre im Team geschaffen hat. Das hatte auf jeden Fall einen großen positiven Einfluss.“

 

Moritz Ludwig, vorne rechts zusammen mit dem auch aus der Bundesliga bekannten Australier Blake Govers, belegte mit den Tamil Nadu Dragons am Ende Rang vier. Foto: HIL

Noch ein ganzes Stück euphorischer fällt das Fazit von Lilly Stoffelsma aus. „Die Hockey India League war für mich ein unglaubliches Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde! Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, und es wird immer etwas Besonderes bleiben, Teil des allerersten Turniers der Hero Hockey India League der Damen gewesen zu sein – und dann auch noch als erstes Team den Titel zu holen! Ein wirklich historischer Moment“, so die 22-jährige Mönchengladbacherin.

Nach der doppelten Hauptrunde, bei der die vier Teams alle zweimal gegeneinander spielten, lagen die Odisha Warriors mit Lilly Stoffelsma noch hinter dem Team von JWS Soorma HC, dem Charlotte Stapenhorst angehörte. Der Modus sah ein Finale der beiden Punktbesten in Ranchi vor, wo der gesamte Damenwettbewerb gespielt wurde. Und hier drehten die Warriors unter Führung der niederländischen Damen-Bundestrainerin Janneke Schopman den Spieß um und holten sich mit einem 2:1 den Siegerpokal.

„Neben dem Hockeyspielen und dem Entdecken des Landes hat mich vor allem die riesige Begeisterung der Menschen für diesen Sport fasziniert. Indien ist einfach total hockeyverrückt, und man hat sich wie ein kleiner Star gefühlt, der sein Team bei diesem einzigartigen Turnier vertreten darf. Besonders beeindruckend war die Atmosphäre bei den Spielen – vor allem beim Eröffnungsspiel und beim Finale. Es wurde eine riesige Show mit Feuerwerk und allem Drum und Dran auf die Beine gestellt, und die Stimmung war einfach überwältigend, weil so viele Menschen dabei waren und mitgefiebert haben“, erzählt Stoffelsma, die familiäre Unterstützung vorort hatte. „Zwei Zuschauer haben mir persönlich am meisten bedeutet – meine Eltern. Es war etwas ganz Besonderes, dass sie mich bei diesem Turnier unterstützt haben und ein Teil dieser Reise waren.“

Über den Kontakt zur bunt bestückten Mannschaft erzählt die Offensivspielerin vom Düsseldorfer HC Folgendes: „Ich habe mich mit allen Spielerinnen in unserem Team wirklich gut verstanden – sowohl mit den indischen als auch mit den internationalen Spielerinnen. Es war toll, so viele unterschiedliche Charaktere und Spielstile kennenzulernen und als Team zusammenzuwachsen. Besonders eng war der Kontakt zu meiner Zimmerpartnerin Michelle Fillet. Über den gesamten Zeitraum hinweg haben wir viel Zeit miteinander verbracht, uns super verstanden und uns auch neben dem Platz bestens ergänzt. Es hat einfach gepasst, und ich bin sehr froh, dass wir diese Erfahrung gemeinsam teilen konnten!“

Der Kontakt zu den anderen Teams sei „insgesamt eher begrenzt“ gewesen, „was vor allem daran lag, dass die Mannschaften in unterschiedlichen Unterkünften untergebracht waren. Mit einem Team, Soorma Hockey, hatten wir allerdings engeren Kontakt, da sie im selben Hotel wie wir untergebracht waren. Dadurch haben wir uns regelmäßig beim Essen oder beim Entspannen am Pool getroffen und ausgetauscht. Ansonsten haben wir innerhalb unserer eigenen Mannschaft natürlich viel zusammen unternommen, sei es beim Training, bei Teamaktivitäten oder einfach in unserer Freizeit.“

 

Die schönsten sportlichen Momente in Indien konnte Lilly Stoffelsma zusammen mit ihren Eltern genießen. Foto: privat

Lilly Stoffelsma spielte während ihrer Indien-Zeit unter anderem auch mit der aktuellen Welthockeyspielerin Yibbi Jansen zusammen. „Yibbi ist nicht nur wegen ihrer Strafecken eine Weltklassespielerin, sondern vor allem wegen ihrer unglaublichen Spielintelligenz, Ruhe am Ball und Führungsstärke. Sie sieht Situationen voraus, trifft fast immer die richtige Entscheidung und hat eine beeindruckende Präsenz auf dem Platz. Was mich besonders beeindruckt hat, ist ihr Fokus und ihre Arbeitsmoral – trotz all ihres Erfolgs bleibt sie bodenständig und teamorientiert. Mit ihr auf dem Feld zu stehen, war eine echte Inspiration!“, schwärmt die 23-fache Nationalspielerin von der niederländischen Teamkollegin. Mit Freeke Moes stand ja auch noch eine zweite Olympiasiegerin des Oranje-Teams von Paris bei den Warriors im Kader.

Die Schlussworte von Lilly Stoffelsma zum Indien-Abenteuer: „Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen! Ich bin mit der Hoffnung nach Indien gereist, eine tolle Zeit zu haben, auf höchstem Niveau zu spielen und neue Erfahrungen zu sammeln. Aber was ich letztendlich erlebt habe, war noch intensiver, emotionaler und inspirierender, als ich es mir hätte vorstellen können. Die Atmosphäre, die Begeisterung für den Sport und die Menschen, die ich kennengelernt habe, haben dieses Abenteuer unvergesslich gemacht.“    lim