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Nina Holtgrewe: „Wir sind gut im Rennen“

In einer Woche geht’s los. Am 8. August werden im Mönchengladbacher Sparkassen-Park die Feldhockey-Europameisterschaften 2025 eröffnet. Dann geht es neben den sportlichen Entscheidungen um den 17. EM-Titel der Damen und den 20. EM-Titel der Herren für den Ausrichter Deutscher Hockey-Bund auch um eine möglichst reibungslose Organisation und vor allem darum, die nach Besucherkapazität größte Hockeyarena in Europa an den zehn EM-Spieltagen so gut es geht mit Fans auf den Tribünen zu füllen. DHZ-Redaktionsleiter Uli Meyer hat sich mit Nina Holtgrewe, der DHB-Eventdirektorin und Cheforganisatorin der EM, über den Stand der Vorbereitungen, ihre Sorgen und Hoffnungen unterhalten.

Frau Holtgrewe, was kann man generell zum Stand der Vorbereitungen sagen?

NINA HOLTGREWE: Wir sind ganz gut dabei. Natürlich hat uns die lange Pro-League-Stage Ende Juni in Berlin gefordert und die entsprechenden Kapazitäten gebunden, so dass wir beim Thema EM ein bisschen nach hinten geworfen wurden, aber grundsätzlich sind wir gut im Rennen und sind sehr zufrieden mit den Vorbereitungen.

 

Es ist ja wahrscheinlich wieder eine vielfältige Zusammenarbeit mit vielen externen Stellen wie Stadt, Land, Bund, EuroHockey. Helfen Ihnen da auch entsprechende Erfahrungswerte von der EM-Organisation vor zwei Jahren?

Natürlich können wir tatsächlich auf viele Dinge, die wir 2023 erarbeitet haben, jetzt zurückgreifen. Wir stehen auch wieder in enger Kooperation mit dem Team vom SparkassenPark um Michael Hilgers. Sehr positiv erwähnenswert finde ich, dass die Stadt Mönchengladbach ihre Mitarbeit am EM-Projekt diesmal deutlich ausgeweitet hat. 2025 sind 15 Personen der Stadtverwaltung dauerhaft involviert und in den verschiedensten Bereichen aktiv. Man hat frühzeitig mit Maßnahmen begonnen. Als einen großen Gewinn betrachte ich den Umstand, dass in 15 Kitas und 17 Grundschulen in Mönchengladbach seit einem Jahr Hockey gespielt wird. Und es gab jetzt im Vorfeld einen großen Schulwettbewerb zum Thema Hockey-EM. Viele der tollen, kreativen Einsendungen wird es im Stadion zu sehen geben. Diese Aktion war eingebettet in unsere EM-Kampagne „Hockey meets Arts“. Ich muss zugeben, dass ich selbst anfangs noch nicht viel mit dem Motto anfangen konnte. Aber das Thema hat sich spannend entwickelt, beispielsweise durch die außergewöhnlichen Foto-Shootings an besonderen Locations der Stadt durch Eva Berten, und pusht unser Event hier in der Region ungemein.

 

Wahrscheinlich ist es ja so, dass die Planung der EM 2025 auf der Analyse und Auswertung der EM 2023 aufgebaut ist. Welche Dinge kann man quasi eins zu eins übernehmen, und wo wird man bewusst irgendwelche Änderungen vornehmen? Können Sie da vielleicht ein paar Beispiele nennen?

Sicherlich sind wir im sportlichen Bereich, glaube ich, sehr gut aufgestellt gewesen, somit wird hier wieder alles eins zu eins laufen wie 2023. Wo wir so ein bisschen Änderungsbedarf haben, ist im Volunteers-Bereich. Da haben wir einfach wahnsinnig viele freiwillige Helfer, die sich angemeldet haben. Insgesamt sind es rund 650 bis 700, die in der Zeit für uns im Einsatz sein werden, und da bedarf es einiger Anpassungen in der Logistik. Die Einsätze werden diesmal über eine App gesteuert und nicht mehr mit Excel-Tabellen, da sind wir jetzt moderner unterwegs. Erfreulich ist, dass wir in 2025 ein FanVillage 2 öffnen können, das heißt, dass unser Fan-Dorf noch erweitert wird und wir eine zusätzliche Fläche bekommen. Und dass wir diesmal einen eigenen EM-Song haben werden und die Höhner dieses Lied dann live am Finalsonntag im Stadion präsentieren werden, ist natürlich auch eine Neuheit.

 

Vor zwei Jahren war es Ihr erstes Hockey-Event. Was haben Sie für sich als Lehren der EM 2023 für die heutige Arbeit gezogen?

Naja, also mit einem Augenzwinkern erstmal: dass eine Nicht-Hockey-Frau auch Hockey-Events organisieren kann, daran haben ja viele lange gezweifelt. Am Ende des Tages habe ich aus der EM 2023 die Lehre gezogen, dass es schon eine sehr komplexe Angelegenheit ist. Ich hatte es ja schon vor zwei Jahren mal erzählt, dass wir ungefähr 45 Teilbereiche haben, die zu bearbeiten sind. Und das ist schon sehr aufwändig, alles zu bedenken, überall den Überblick zu behalten und vor allem dann auch in der Tiefe an alle Details zu denken. Aber es hat 2023 viel Spaß gemacht, und das macht es jetzt auch wieder. Zu ergänzen wäre noch, dass ich vor zwei Jahren grundsätzlich erstmal alleine unterwegs war und dann zum Schluss hin personelle Unterstützung erhalten habe. Die größte Lehre der damaligen EM ist sicherlich, dass wir auch weiterhin Events beim DHB im Inhouse-Modus durchführen möchten und deshalb unser Event-Team aufgestockt haben, das inzwischen auch schon reichlich Erfahrungen gesammelt hat.

 

Nina Holgrewe und Stadion-Betreiber Michael Hilgers (hier in einer Aufnahme von der EM 2023) sind optimistisch, dass auch bei der Neuauflage der Europameisterschaft in Mönchengladbach eine oprdentliche Zuschauerzahl zusammenkommt. Foto: Kaste

Wie steht es um den Kartenvorverkauf? Sind die Zahlen der verkauften Tickets ähnlich wie zum gleichen Zeitpunkt vor zwei Jahren oder besser oder schwächer?

Ich wünschte, dass wir ähnlich unterwegs wären. Ich würde sagen, dass wir ungefähr 10 Prozent dahinter liegen. Aber das hat sicherlich auch mit dem Zeitpunkt zu tun. In Deutschland sind Sommerferien und auch in Holland. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass wir in der Summe die Zahlen von 2023 erreichen werden. Das Einzige, was mich wirklich nachdenklich stimmt, ist, dass der Spieltag, der vor zwei Jahren als erstes ausverkauft war, nämlich der Montag mit dem Herren-Duell Holland gegen Deutschland, diesmal der schwächste Tag im Vorverkauf ist - obwohl wieder Holland gegen Deutschland auf dem Programm steht, allerdings bei den Damen. Wir haben unsere Anstrengungen verstärkt, dass dieser Montag nochmal einen richtigen Push bekommt. Das war 2023 für mich der emotionalste, fröhlichste Tag der EM, der die große Hockey-Familie über alle Grenzen hinweg vereint hat.

 

Welche Tage werden vermutlich am besten frequentiert werden? Kann man da schon eine Tendenz ablesen?

Die Wochenendtage sind gut verkauft, der Final-Samstag ist praktisch ausverkauft. Ich glaube, für diesen Tag gibt es gar nichts mehr zu holen. Erfreulicherweise werden aber auch die Halbfinal-Spieltage (Donnerstag/Freitag) schon sehr gut angenommen.

 

In der Bilanz 2023 wurde von 70.000 EM-Zuschauern gesprochen. Wären Sie zufrieden, wenn man diese Marke insgesamt wieder erreichen würde? Oder legt der DHB oder Sie persönlich die Latte diesmal ein Stück höher?

Als wir mit der Arbeit für die EM 2025 gestartet sind, hatte ich schon die Idee, dass wir mindestens auf den gleichen Wert kommen sollten. Innerlich war bei mir die Hoffnung, dass es vielleicht auch nochmal 10.000 Zuschauende mehr werden. Aufgrund der Sommerferien und der jetzigen Kartenverkäufe glaube ich inzwischen, dass wir zufrieden sein können, wenn wir die 70.000 wieder erreichen. Ich gehe fest davon aus, dass wir dieses Ziel auch locker hinbekommen.

 

Beim Nachlesen unseres Interviews im Vorfeld der EM 2023 ist mir eine Formulierung ins Auge gefallen. Sie sprachen davon, dass es eine Vereinbarung gäbe, wenn eine deutsche Mannschaft ins Endspiel kommt, dass dieses dann bei ARD oder ZDF live im Fernsehen übertragen wird. Sportlich hat sich der Fall dann ja leider nicht eingestellt. Aber gibt es wieder eine solche grundsätzliche Vereinbarung?

Grundsätzlich sind wir super happy, dass wir Magenta-Sport als meines Erachtens sehr starken TV-Partner nicht nur für die EM, sondern auch langfristig für Hockey gewinnen konnten. Ich glaube, da ist eher das Problem, dass der ein oder andere noch immer nicht verstanden hat, dass es live und kostenlos überall läuft und dass man sich wirklich nicht über irgendeine App anmelden muss. Magenta hat für die EM einen Übertragungsrahmen geplant, wie es ihn noch nie bei einer Hockey-Veranstaltung in Deutschland gegeben hat. Vor jedem Deutschland-Spiel, also zehn Tage während der EM, wird es eine halbstündige Vorberichterstattung geben – so etwas hat es in der Form niemals zuvor gegeben, und daher bin ich wirklich sehr glücklich darüber, wie das im Moment läuft und wie das auch von Magenta und der Telekom angegangen wird. Ich glaube, da haben wir einen sehr starken Partner, der das Ganze auch bei Social Media intensiv begleitet. Beim Thema Zweitverwertung Richtung Finalspiele ist, soweit ich das sagen kann, Magenta grundsätzlich offen. Aber es gibt da noch nichts Spruchreifes.

 

Mit der Aktion "Hockey Meets Arts" wurde in den vergangenen Monaten versucht, lokale Hotspots in Mönchengladbach mit dem sportlichen Event in Verbindung zu bringen. Künstlergruppen stellten sich der Fotografin Eva Berten zu interessanten Motiven.  Foto: DHB

Sind die Anforderungen seitens EuroHockey ähnlich wie vor zwei Jahren, oder gibt es da noch andere Dinge diesmal zu beachten?

Die meisten Sachen sind sehr ähnlich. Eine Konsequenz aus 2023 ist, dass mehr Klimaanlagen im Stadion gefordert werden. Und das Specialhockey-Turnier, das ja auch eine Europameisterschaft ist, gewinnt weiter an Stellenwert und wird durch eine noch aufwändigere Organisation noch einmal aufgewertet.

 

... was auch die TV-Berichterstattung angeht. Magenta-Sport hat verkündet, am 13. August das Finale der Specialhockey-EM live zu übertragen.

Richtig. Erstmalig wird solch ein Sportevent für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung – außerhalb der Special Olympics - live im TV übertragen, und mit Johannes B.-Kerner ist hier eine sehr prominente Person in der Vorberichterstattung und Kommentierung mit eingebunden. Ich finde, das ist ein sehr starkes Commitment von Magenta-Sport bzw. der Telekom, die hier als Partner federführend ist, und für mich ein weiteres Zeichen, dass wir einen starken Partner an unserer Seite haben.

 

Sind denn von der EM 2023 alle Sponsoren und Partner wieder dabei? Oder hängt es ohnehin von deren Vertragslaufzeit ab, wie sie an den DHB gebunden sind?

Wir haben für Turniere immer eigene Partnerverträge. Die meisten sind auf jeden Fall wieder dabei. Sicherlich hat die wirtschaftliche Lage beim ein oder anderen jetzt dazu geführt, dass man ein bisschen kleinere Pakete gebucht hat. Und der Umstand, dass die EM diesmal kein Olympic-Qualifier ist, hat dazu geführt, dass wir einige Partner nicht gewinnen konnten. Aber insgesamt sind wir mit der Partner Akquisition zufrieden und sind bei einem ähnlichen Level wie 2023.

 

Dass die EM schon direkt nach zwei Jahren wieder nach Mönchengladbach kommt, war ja nicht unbedingt langfristig geplant. Hat das ausschließlich Vorteile? Oder befürchten Sie, dass das Interesse an der EM-Neuauflage nicht so groß sein wird, weil bei Zuschauer oder Sponsoren der „Hunger“ auf das Event vielleicht noch nicht wieder so groß ist, wie er 2023 war?

Aus meiner Perspektive höre ich fast immer nur: 2023 hab ich es nicht geschafft vorbeizukommen, diesmal werde ich auf jeden Fall dabei sein, weil ich gehört habe, dass es so schön war. Also ich sehe da wenig Probleme, dass der Hockey-Hunger in Deutschland nicht vorhanden ist und wir die Fans nicht erreichen. Ich glaube, das ist seitens EuroHockey ein sehr großer Vertrauensbeweis, uns die EM gleich noch einmal anzuvertrauen. Vor zwei Jahren sagte EuroHockey-Präsident Marcos Hofmann, dass es viele Stadien in der Welt gibt, die man mit großem Hockey-Events verbindet, und da war Mönchengladbach in seiner Auflistung bisher nicht dabei. Dies habe sich durch die EM 2023 definitiv geändert. Für mich persönlich eines der größten Komplimente, die ich zur EM 2023 gehört habe. Ich denke schon, dass wir durch eine überzeugende Ausrichtung überhaupt erst die Möglichkeit eröffnet haben, 2025 nochmal so ein Turnier auszutragen.

 

Was wünschen Sie sich für die bevorstehenden Hockey-EM-Tage?

Beständiges Wetter (da sind wir gerade in diesem Sommer mit vielen Extremwetter-Situationen konfrontiert – auch mit Orkan-Böen während der Pro League in Berlin), Gänsehautmomente, glückliche Fans, endlich einen EM-Pokal für unsere Teams und am Ende auch ein paar Minuten zum Innehalten und Genießen. Vor allem die Hymnen sind doch immer wieder ein sehr emotionaler Moment.

 

Vielen Dank für das Gespräch!