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Oranje-Teams vor dem nächsten EM-Doppelgewinn?

Am Freitag fällt (endlich) der Startschuss des sportlichen Jahreshöhepunktes 2025, der Heim-Europameisterschaft für die Damen und Herren in Mönchengladbach. Deutschland ist zum sechsten Mal nach Hannover 1978 (Herren), Köln 1999 (Damen), Leipzig 2005 (Herren), Mönchengladbach 2011 (Damen/Herren) und Mönchengladbach 2023 (Damen/Herren) Gastgeber für die Kontinentalmeisterschaften im Feldhockey.

Ausgespielt wird der 17. EM-Titel bei den Damen und die 20. Europameisterschaft der Herren. Titelverteidiger sind in beiden Konkurrenzen die Vertretungen der Niederlande. Sollten sich die Oranje-Teams als amtierende Olympiasieger und Weltranglistenerste auch diesmal wieder im Gladbacher Sparkassen-Park durchsetzen, hätten sowohl holländische Damen als auch Herren sogar einen Titel-Hattrick geschafft, denn nicht nur 2023, sondern schon 2021 waren beide gemeinsam Europas Beste.

Im ewigen EM-Medaillen-Ranking halten die deutschen Herren mit acht gewonnenen Titeln im Moment noch die Führung. Doch Nachbar Niederlande hat in den letzten Jahren kräftig aufgeholt. Durch den Gewinn von vier der zurückliegenden fünf Championate sind die Holländer mit nun sieben ersten Plätzen gefährlich nahe herangerückt. Bei einem weiteren EM-Triumph würden die Niederländer die Spitze übernehmen, denn sie haben mit sieben Silbermedaillen einen klaren Vorteil gegenüber Deutschland (4). Neben den beiden Großmächten konnten sich bei den Herren bislang nur Spanien (2), Belgien (1) und England (1) in die Liste der EM-Sieger einreihen. Bei den Damen sind die Kräfteverhältnisse noch klarer verteilt: Einsam an der Spitze stehen die Niederländerinnen mit zwölf EM-Titeln, die restlichen vier Meisterehren verteilen sich auf Deutschland (2 – 2007, 2013) und England (2). Die Britinnen waren 2015 die letzten, die sich gegen die holländische Übermacht durchsetzen konnten. 

Bei der „EuroHockey Championship 2025“ in Mönchengladbach geht es nicht, wie zwei Jahre zuvor an gleicher Stätte, um einen Startplatz bei Olympischen Spielen, den der Europameister sich verdient hat. Trotzdem stehen auch bei der aktuellen EM neben dem Titel als solches noch zwei wichtige andere Preise zur Vergabe aus. Die Kontinentalwettbewerbe rund um den Globus sind vom Welthockeyverband FIH in das Qualifikationssystem für die Weltmeisterschaften eingebunden. So wird über die EM 2025 eine Damen- und eine Herrenmannschaft die vorzeitige Qualifikation für die WM 2026 erlangen. Weil Niederlande und Belgien als Co-Ausrichter der kommenden Doppel-WM (Damen/Herren) automatisches Startrecht genießen und Deutschland (Damen) und Spanien (Herren) sich über die FIH Pro League bereits ein WM-Ticket sichern konnten, gilt dieser „Nebenwettbewerb“ nur für die anderen Teilnehmer der diesjährigen EM.

Aus deutscher Sicht spielt das also nur für die männliche Seite eine Rolle. Die Hauptkonkurrenten für die Honamas dürften vor allem England und Frankreich sein. Auch Österreich und Polen könnten ein WM-Ticket bekommen. Doch dann müsste einer dieser beiden krassen Außenseiter im Endklassement vor Deutschland, England und Frankreich liegen, was sehr unwahrscheinlich ist. Sollten die DHB-Herren das Ziel nicht erreichen, müssten sie in einem Qualifikationsturnier im Februar 2026 die dann letzte Chance auf die WM-Teilnahme wahrnehmen.

Für die deutschen Damen endeten bei der EM 2023 im Halbfinale gegen Belgien (0:1) die Träume vom Endspiel. Im Bild sieht sich Nike Lorenz (in schwarz) einer Übermacht an belgischen Spielerinnen gegenüber. Foto: Sternberger 

 

In die EM 2023 sind die beiden Auswahlteams des Deutschen Hockey-Bundes von DHB-Sportdirektor Martin Schultze mit der Zielvorgabe „zwei Finals, ein Titel“ geschickt worden. Die sehr hoch gelegte Latte wurde bekanntlich von beiden Mannschaften gerissen. Die deutschen Damen spielten zwar eine makellose Gruppenphase und zogen mit drei Siegen über Schottland, England und Irland mit 14:0 Toren souverän ins Halbfinale ein. Der Sprung ins Endspiel wollte dann aber nicht gelingen. Der Traum vom Finale gegen die Niederlande platzte durch ein 0:1 gegen Belgien. Als Trost blieb nach gewonnenem „kleinen Finale“ gegen England die Bronzemedaille.

Noch unglücklicher lief es für die deutschen Herren. Der 3:3-Auftakt gegen Außenseiter Wales war für einen amtierenden Weltmeister mehr als holprig. Ein anderes Gesicht zeigten die Honamas beim überzeugenden 3:0-Erfolg über den späteren EM-Sieger Niederlande. Mit einem 4:1 über Frankreich wurde schließlich der Einzug ins Halbfinale klargemacht. Nach zehn Toren in drei Gruppenspielen hatte die deutsche Mannschaft ihre offensive Durchschlagskraft dann aber offensichtlich aufgebraucht, denn in den folgenden beiden K.o.-Spielen gelang kein einziges Tor mehr. Nach 0:0 (und 4:5 im Shoot-out) im Halbfinale gegen England und 0:2 im Spiel um Platz 3 gegen Belgien stand am Ende ein frustrierender vierter Platz.

Mats Grambusch und Justus Weigand konnten im EM-Halbfinale 2023 gegen England nur für ein paar Sekunden ein vermeintliches 1:0 bejubeln. Der Weigend-Treffer wurde nach Videobeweis wieder einkassiert. Am Ende stand es 0:0, im anschließenden Shoot-out setzte sich England mit 5:4 durch und schaltete Weltmeister Deutschland damit im Titelrennen aus. Foto: Worldsportpics 

 

Ist diesmal mehr zu erwarten? Von Verbandsseite aus wurde die Erwartungshaltung zumindest öffentlich deutlich heruntergeschraubt „Das Erreichen des Halbfinals ist erst mal das Ziel“ - höchstens solch einen Satz ließ sich Sportdirektor Schultze in den letzten Wochen entlocken. Bei den Damen trifft Deutschland diesmal schon in der Gruppenphase auf die Niederlande (Montag, 20.30 Uhr). Sollte es für die verjüngte deutsche Mannschaft in diesem Duell mit dem Topfavoriten wie zu befürchten nichts zu holen geben, sind die anderen beiden Vorrundenspiele in Gruppe A umso wichtiger, um zumindest als Tabellenzweiter den Sprung ins Halbfinale zu schaffen. Das Team von Bundestrainerin Janneke Schopman startet gegen Aufsteiger Frankreich (Samstag, 18 Uhr) und beendet die Gruppenphase am Mittwoch (20 Uhr) gegen Irland.

Sollte alles halbwegs normal laufen, könnte es am Freitag zu einer Neuauflage des EM-Halbfinales von 2023 zwischen Deutschland und Belgien kommen. Doch anders als vor zwei Jahren dürfte die Favoritenrolle in solch einem K.o.-Spiel diesmal bei den Belgierinnen liegen. Die weiter gereifte Mannschaft des ehemaligen Junioren-Bundestrainers Rein van Eijk geht in der Gruppe B gegenüber England, Spanien und Schottland als erster Anwärter auf Platz eins an den Start. 

Eine Neuauflage der 2023-Finalbegegnung zwischen Niederlande und Belgien (damals 3:1) käme wenig überraschend, wobei Mannschaften wie Deutschland, England oder Spanien natürlich liebend gerne dazwischengrätschen würden. „Gold zu holen ist aktuell vielleicht nicht das realistischste Ziel, vor allem wegen der Dominanz der Niederländerinnen, aber an einem guten Tag können wir jedes Team schlagen“, hatte Janneke Schopman dazu formuliert.

Wie die Damen, so starten auch die deutschen Herren gegen Frankreich ins EM-Turnier. Das Spiel am Freitag (19.30 Uhr) ist der Abschluss des Eröffnungstages. Weiter geht es für die Mannschaft von Bundestrainer André Henning am Sonntag (15 Uhr) gegen England. Spätestens mit der die Gruppe B abschließenden Partie gegen Aufsteiger Polen (Dienstag, 19.30 Uhr) soll das „absolute Minimalziel Halbfinale“ (Henning) erreicht werden.

Wer dann in einem Vorschlussrundenspiel am Donnerstag auf Weltmeister Deutschland treffen würde, ist natürlich erst einmal offen. Klar ist dagegen schon, dass dies ein absoluter Kracher wäre. In Gruppe A werden sich mit Titelverteidiger Niederlande, Belgien und Spanien drei Topteams um die beiden Halbfinalplätze streiten, Aufsteiger Österreich dürfte keine Rolle in diesem Kampf spielen. Anders als vor zwei Jahren das Halbfinale zu überstehen und dann am Samstag (18 Uhr) nach einem Finalsieg vor dem Heimpublikum auch den EM-Pokal in die Höhe strecken zu dürfen, steht ganz auf dem Wunschzettel der deutschen Mannschaft. 

Im EM-Endspiel dabei war 2023 Ben Göntgen. Der deutsche Topschiedsrichter pfiff zusammen mit der Schottin Sarah Wilson das Herren-Finale Niederlande gegen England (2:1). Göntgen ist auch diesmal wieder vertreten sein, es wird bereits seine siebte Feld-EM-Teilnahme. Vor ihrem EM-Debüt stehen dagegen die beiden weiteren für Gladbach 2025 nominierten deutschen Unparteiischen Sophie Bockelmann und Tim Meissner. Als Judge bei den Turnieroffiziellen werden Vanessa Tramp und Nils Vossebein bei der EM beteiligt sein.