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Starke erste Halbzeit bringt deutschen Damen den Auftaktsieg

Gelungener EM-Auftakt für die deutschen Damen. Dank einer furiosen ersten Halbzeit wurde Frankreich mit 4:1 (4:0) geschlagen. Der Erfolg am Samstagabend brachte neben den ersten drei Punkten ein gesunde Portion Selbstvertrauen, die man vor dem Duell gegen die Niederlande am Montag sicherlich gut gebrauchen kann. Allerdings trüben ein paar angeschlagene Spielerinnen die rosarote Momentaufnahme.

Viel Zeit für eine verständliche Anfangsnervosität leistete sich die neuformierte DHB-Auswahl nicht. Denn sie brauchte kaum zwei Minuten für die erste Abschlussaktion. Auch wenn Fleschütz mit ihrer Rückhand nur die Schulter ihrer Mitspielerin Micheel traf, so war schnell klar, dass Deutschland mit aggressivem Pressing den Gegner früh unter Druck setzen wollte. Das gelang sehr gut. Eine Balleroberung folgte der nächsten, und so entsprangen bereits in den ersten zehn Minuten fünf Ecken für Deutschland. Anfangs wurde vor allem auf die Schlagvariante über Nolte und Micheel sowie entsprechende Nachschusssituationen gesetzt – alles noch ohne Erfolg, wenngleich nach dem vierten Versuch nach Wanner-Schlenzer bei einer Körperabwehr von Le Nindre am langen Pfosten auch ein Siebenmeterpfiff möglich gewesen wäre. Der von Schiedsrichterin Adell selber angerufene Videoumpire konnte aufgrund des vorliegenden Bildmaterials keine zweifelsfreie Entscheidung treffen.

Doch es brauchte keine Standardsituation, um zur hochverdienten Führung zu gelangen. Kaum hatten sich die Französinnen hinten mal ein bisschen rausgewagt, wurden sie eiskalt bestraft. Deutschland schaltete nach Ballgewinn hinter der Mittellinie blitzschnell. Hachenberg schickte Schwabe steil, die im richtigen Moment auf Sara Strauss weiterleitete, die frei vor Torhüterin Lucie Ehrmann die Nerven behielt und mit einem Schlenzball über die Schulter das 1:0 (13.) erzielte. Und exakt zwei Sekunden vor der ersten Viertelpause erhöhte Schwabe dann auf 2:0, als sie nach einem durchhoppelnden Freischlag mit der Rückhand vollstreckte (15.).

Torschützin Sara Strauss und Vorlagengeberin Sophia Schwabe bejubeln das 1:0 gegen Frankreich. Am Ende hatten sich die deutschen Damen verdient mit 4:1 durchgesetzt. Doppeltorschützin Schwabe wurde zum MVP der Partie auserkoren. Foto: Worldsportpics

 

Komplett dominant blieb Deutschland auch im zweiten Viertel, auch wenn zunächst nicht mehr so viele Chancen im Einbahnstraßenhockey zu notieren waren. Mit einem Doppelschlag wurde das Resultat schließlich auf 4:0 gestellt. Erst legte Stoffelsma nach guter Weidemann-Schlenzballverlagerung rechts im Kreis für Schwabe auf, die von der Grundlinie schnell Richtung Tormitte weiterleitete, wo Lena Micheel direkt zum 3:0 (22.) abschloss. Kurz danach setzte Sofia Schwabe den Nachschuss der siebten (und letzten) deutschen Strafecke per Schlenzer zum 4:0 (24.) unter die Latte. An allen deutschen Treffern war Doppeltorschützin Schwabe beteiligt, die bei ihrem EM-Debüt später auch zurecht den „Player of the Match“-Preis entgegennehmen konnte.

Nach der Halbzeitpause verschoben sich die Kräfteverhältnisse spürbar, zumindest im dritten Viertel. Da wagte sich Frankreich viel weiter nach vorne, traute sich mit Ball und beim Pressing viel mehr zu als im ersten Durchgang. Lohn war nach 43 Minuten auch der Anschlusstreffer, als das Team von Gael Foulard bei seiner zweiten Ecke die deutsche Abwehr um die sonst kaum beschäftigte Julia Sonntag mit einer schön ausgeguckten und perfekt ausgeführten Stechervariante überlisten konnte. Eve Verzure erzielte das 1:4.

Auch wenn die deutsche Mannschaft im Schlussviertel wieder mehr Spielkontrolle zurückeroberte, war vom Schwung der ersten Halbzeit nicht mehr viel übriggeblieben. Angesichts des klaren Vorsprungs musste man hier auch nicht übermäßig Körner opfern. Einem möglichen fünften Tor am nächsten kam Hachenberg, aber ihr Abschluss links fast von der Grundlinie stellte Ehrmann vor kein großes Problem.

Sorgen im Hinblick auf die kommenden Aufgaben bereiteten drei Verletzungen. Sonja Zimmermann, die während des Spiels den Oberschenkel bandagiert bekam, lief irgendwann gar nicht mehr rund und musste raus. Kurz vor Ende des dritten Viertels rutschte Felicia Wiedermann ohne Gegnereinwirkung weg und verdrehte sich dabei den Fuß. Und schließlich bekam Selin Oruz noch einen verunglückten Rückhandflankenschlag von Verrier an den Kopf, was glücklicherweise ohne Platzwunde ablief. Ob und wie fit das Trio gegen die Niederlande am Montag auflaufen kann, wird sich zeigen.

Emilia Landshut (links) und Lilly Stoffelsma (Mitte) gehörten zu den sieben deutschen Spielerinnen, für die der Auftritt gegen Frankreich das erste Feld-EM-Spiel ihrer Laufbahn war. Nicht nur wegen der Kulisse von rund 5000 Besuchern war das ein besonderes Erlebnis für die Spielerinnen. Foto: Worldsportpics 

 

Stimmen

 

Linnea Weidemann (Co-Kapitänin): Der Gegentreffer war ärgerlich, aber wir haben das Beste daraus gemacht, im vierten Viertel auch wieder ordentlich gespielt, Chancen kreiert. Jetzt hoffen wir, dass alle wieder fit werden, die heute was abbekommen haben, und dann schauen wir gespannt auf Holland. Das ist ein ganz anderer Gegner als heute Frankreich mit ganz anderen Stärken, da werden wir uns neu vorbereiten. Bisher galt die ganze Konzentration dem Auftaktspiel, ab jetzt werden wir uns mit Holland beschäftigen.  

 

Julia Sonntag (Torhüterin): Es ist immer wichtig, zum Auftakt auch Tore zu schießen, dass man weiß, es funktioniert. Vor allem auch gegen so tief stehende Mannschaft wie Frankreich heute. Es ist manchmal gar nicht so einfach, diese Geduldsprobe anzunehmen und dann aber trotzdem auch viele Tore zu schießen. Zwischenzeitlich ist es uns auch schwerer gefallen, aber genau daraus müssen wir jetzt lernen. Wir wissen auch, dass das am Montag gegen die Niederlande ein anderes Spiel wird, der Turnierfavorit auch noch mal ein anderes Tempo fahren kann. Natürlich stellen wir uns auf den Gegner ein, müssen aber trotzdem voll auf uns gucken.

 

Sophia Schwabe (EM-Debütantin, Doppeltorschützin, MVP): Ich glaube, erst wenn ich im Hotel bin, dann begreife ich das vielleicht erst alles, was heute grad passiert ist. Es gab sehr viel Input, sehr viel drum herum. Ich versuche das irgendwie bewusst wahrzunehmen und krass zu genießen. Ich bin einfach super gespannt, was jetzt die nächsten Tage kommen wird. Wir als Mannschaft haben heute den ersten Step gemacht. Ich hoffe, dass wir den nächsten Schritt machen werden. Es kommt jetzt ein großer Gegner mit den Niederlanden. Da bin ich sehr gespannt, wie das wird.

 

Janneke Schopman (Bundestrainerin): Wir sind ein bisschen nervös gestartet, haben aber von Beginn an sehr gut verteidigt, dadurch sehr viele Bälle gewonnen und haben dann die Möglichkeit, um mit unserer Schnelligkeit gute Chancen zu kreieren. Die Spielerinnen mit größerer Erfahrung bringen die Ruhe, und dann sieht man, dass die jungen Spielerinnen Gas geben können und die Energie bringen. Und dann ist es ein perfekter Mix, und dann spielen wir gutes Hockey. Als wir den richtigen Rhythmus hatten, hat es sehr gut geklappt, den Ball schnell laufen zu lassen. Auch wenn wir mit den Ecken noch ein paar Probleme hatten, denke ich, dass wir eine sehr gute erste Halbzeit gespielt haben.