Tag der Gruppenentscheidungen bei den Herren. Die Holländer, die als einzige schon fix im Halbfinale waren, lassen es gegen Österreich gemächlicher laufen (5:0), Deutschland drückt gegen Polen schon mehr auf die Tube (10:0). Dafür wird es in den anderen beiden Spielen richtig dramatisch. Letztlich werfen Frankreich und Spanien die Engländer und Belgier aus dem Titelrennen.
Was für ein Drama: In der wirklich letzten Spielsekunde lenkt Timothée Clément eine Flanke nach Freischlag am Kreis in den englischen Kasten. Es ist das Tor, das Frankreich zum 3:2-Sieg über England und erstmals nach 55 Jahren wieder in das Halbfinale einer Europameisterschaft bringt. Schon die 60 Minuten davor sind nichts für schwache Nerven. England würde ein Unentschieden reichen, um die Franzosen in der Tabelle hinter sich zu lassen. Die Situation für die Briten verbessert sich noch weiter, als Stuart Rushmere eine schöne Direktweiterleitung von Roper zum 1:0 (10.) im französischen Kasten unterbringt. Doch Frankreich gibt sich nicht vorschnell geschlagen. Nach 34 Minuten schafft Amaury Bellenger, auch dank eines klugen Vorteils der belgischen Schiedsrichterin Delforge, per Eckennachschuss den Ausgleich. Und es kommt noch besser für die Truppe von John-John Dohmen. Kurz vor Ablauf des dritten Viertels gelingt ihnen durch Matteo Desgouillons (45.) ein ähnlicher Treffer wie das spätere 3:2. England ist in der virtuellen Tabelle bei Stand von 1:2 raus aus dem Medaillenrennen. Frankreich verlässt sich dann aber zu früh in die ausschließliche Verteidigung des Resultats. Sechs Minuten vor Ende wird das bestraft, als Rushmere im Nachschuss seinen zweiten Treffer zum 2:2 (54.) macht. Ab diesem Moment schiebt Frankreich wieder alles nach vorn – und belohnt sich im letztmöglichen Moment mit dem kaum mehr für möglich gehaltenen Siegtreffer.
Erstmals seit 1970 bei der damaligen EM-Premiere stehen die Franzosen bei ihrer insgesamt 17. EM-Teilnahme wieder im Halbfinale. Damals gab es dort ein 0:1 nach Verlängerung gegen den späteren Europameister Deutschland. Für England hat die allererste EM-Niederlage gegen Frankreich (im neunten Duell) bittere Folgen: Zum fünften Mal in 20 EM-Auflagen verpasst der Vizeeuropameister von 2023 die Vorschlussrunde, zuletzt 2019.
Die französischen Herren bejubeln enthusiastisch den gerade gefallenen 3:2-Siegtreffer über England, der sie nach 55 Jahren wieder in ein EM-Halbfinale bringt. Foto: Worldsportpics
Im nächsten „Endspiel“ um die Halbfinalteilnahme erwischt es den nächsten Medaillengewinner der EM 2023. Belgien würde im Duell mit Spanien bei Punktgleichheit dank der mehr geschossenen Tore ein Unentschieden zum zweiten Gruppenplatz reichen. Doch Spanien kann den Nachteil sportlich umbiegen. Alejandro Alonso bringt die Iberer in Führung (15.). Und nach Nicolas de Kerpels Ausgleich (18.) sorgt José Basterra nach einem herben belgischen Stoppfehler im eigenen Kreis für das 2:1 (28.). Seine Führung verteidigt Spanien über die komplette zweite Halbzeit hinweg mehr oder weniger souverän, auch wenn es ein paar Glanzparaden von Torwart Calzado benötigt. Belgien, Bronzemedaillengewinner vor zwei Jahren an gleicher Stätte, verpasst erstmals seit zehn Jahren wieder ein EM-Halbfinale. Spanien dagegen darf erstmals seit 2019 wieder um die Medaillen kämpfen, ist im Halbfinale (Donnerstag, 20 Uhr) der deutsche Gegner.
Spanien (rechts) enteilt Belgien. Der 2:1-Sieg bringt die Südeuropäer erstmals nach 2019 wieder ins EM-Halbfinale.
Vor dem Spiel zwischen Niederlande und Österreich wird Oranje-Kapitän Thierry Brinkman für sein heutiges 200. Länderspiel geehrt – und bekommt direkt nach 30 Sekunden einen Ball zum 1:0 aufgelegt. Dass das ungleiche Duell, bei dem die Rollen klar verteilt sind, am Ende nur 5:0 ausgehet, feiern die Österreicher nach ihren beiden zweistelligen Niederlagen gegen Belgien und Spanien wie einen Sieg. Tatsächlich wird ÖHV-Cheftrainer Robin Rösch bis zum Schlusspfiff nicht müde, seine Schützlinge für jeden gewonnenen Zweikampf oder sonstige positive Aktionen lautstark zu unterstützen. Und davon gab es aus Sicht des krassen Außenseiters sogar erstaunlich viele. Freilich sparen die Holländer von Anfang an ihre Körner. Mehr oder weniger im Schongang reicht es durch weitere Treffer von Koen Bijen (20./36./53.) und Tjep Hoedemakers (42.) zum standesgemäßen Erfolg, der dem Titelverteidiger mit den maximalen neun Punkten den Platz eins in der Gruppe A endgültig sichert.
Deutschland und Polen machen nicht nur den Tagesabschluss, sondern runden insgesamt die Gruppenphase der Herren ab. Die DHB-Auswahl braucht mindestens einen Punkt zur Qualifikation und einen Dreier für den Gruppensieg. Das 10:0 lässt keine Interpretationsspielräume (siehe Extraspielbericht).
Bei den EuroHockey ID Championships beendet das deutsche Specialhockeyteam die Gruppenphase ohne Punktverlust. Nach zwei Erfolgen am Montag fährt die Mannschaft von Headcoach Daniel Vogt auch am Dienstag zwei Siege ein. Gegen Tschechien gibt es nach Toren von Andre Bobnic (2), Simone Ohlig (2), Mahmut Gerdan (2), Jonny Nguyen und Mohamed Al Ali ein 8:2. Beim 7:1 über Frankreich steuern Ohlig (2), Al Ali (2), Nguyen sowie Josefine Bäricke und Marcus Steffen die Treffer bei. Deutschland steht damit im Endspiel, wo es am Mittwoch (15.10 Uhr) im großen Stadion und live im Fernsehen (Magenta Sport) um den Turniersieg in der zweiten Leistungsklasse geht. Italien gegen Niederlande bestreiten das Finale der Klasse ein (15.55).







