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Deutsche Herren lassen keine Zweifel – 10:0-Rekordsieg über Polen

Nach dem Frankreich-Sieg über England war klar, dass die deutschen Herren gegen Polen für einen Gruppensieg nicht auf Torejagd gehen mussten, sondern schon ein 1:0 Platz eins gesichert hätte. Und mindestens ein Punkt musste es sein, um in der virtuellen Tabelle die Briten noch vom Halbfinalplatz zu verdrängen. Am Ende stand ein überdeutliches 10:0, der höchste deutsche Sieg über Polen im 44. Länderduell.

Wenn es irgendwelche Zweifel und Befürchtungen gegeben hatte, dass die deutsche Mannschaft nicht das richtige Maß an Konzentration und Seriosität in ihrem dritten Gruppenspiel an den Tag legen würde oder sogar das Undenkbare eintreten würde (Ausscheiden durch Niederlage), so konnte man diese Geschichte rasch abhaken. Die im Querschnitt junge polnische Mannschaft hatte sich gegen England (nur 0:1 bis kurz vor Ende des dritten Viertels; am Ende 0:5) und vor allem gegen Frankreich (1:0 und 2:1 vorne, später noch 3:3; erst am Ende 3:5) sehr anständig verkauft. Doch gegen die von Beginn an schnell und sauber den Ball laufenlassenden Deutschen musste der Aufsteiger schnell seine Grenzen eingestehen. Es entwickelte sich ein ziemlicher Einbahnstraßenverkehr.

Paul Kaufmann links im polnischen Schusskreis. Torwart Macej Pacanowski und in der zweiten Hälfte Mateusz Popiolkowski mussten zusammen zehn Bälle aus dem eigenen Kasten holen. Foto: Worldsportpics

 

Zwar nicht ganz so schnell wie zuvor die Holländer, aber trotzdem sehr früh kam auch Deutschland zum Führungstreffer. Nach zwei Minuten beförderte Mats Grambusch einen von rechts in den polnischen Kreis kommenden Ball volley in den Kasten. Der Kapitän war auch am 2:0 (6.) beteiligt, als sein Schlenzball im Kreis von Kaufmann artistisch auf Thies Prinz als erfolgreiche Abschlussstation weitergeleitet wurde. Nochmal Prinz, diesmal nach Grundlinienlauf von Moritz Ludwig, schoss das 3:0 (13.). Das erste Viertel wurde mit dem ersten von insgesamt drei Eckentoren (aus acht Versuchen) abgeschlossen. Raphael Hartkopf lenkte im Nachschuss Ecke Nummer drei zum 4:0 (15.) in den Kasten.

Auch der nächste Treffer ging aufs Konto von EM-Debütant Hartkopf, der aus zentraler Position ein Anspiel aus dem Mittelfeld gekonnt vollendete (29.). Geburtstagskind Gonzalo Peillat (nach Spielende mit einem „Stadion-Ständchen“ für sein 33. Wiegenfest hochleben gelassen) schweißte Ecke Nummer fünf zum 6:0-Pausenstand ein (30.).

Die für Dienstagabend schöne Kulisse von rund 5000 Besuchern spornte die deutsche Mannschaft auch im zweiten Durchgang dazu an, bei aller Kräftedosierung den Zuschauern Lehrbeispiele von modernem, schönen und auch effizienten Hockey zu zeigen. Bildschön war der Diver, mit dem Raphael Hartkopf nach Prinz-Vorlage seinen Dreierpack schnürte (42.). Mit Malte Hellwig (8:0/54.; nach Struthoff-Vorlage) und Justus Weigand (9:0/57; nach Eckenrebound) trugen sich weitere Stürmer in die Torschützenliste ein. Den Schlusspunkt zum zweistelligen Endstand durfte Geburtskind Peillat per Siebenmeter (59; Foul an Helwig) setzen.

Freuen konnte sich auch Alexander Stadler. Der Keeper blieb bei seinem ersten EM-Einsatz nahezu beschäftigungslos, parierte aber den einzigen Ball, der durch den HTHC-Angreifer Gracjan Jarzynski auf das deutsche Tor kam (28.), mit einer spektakulären Parade.

 

Mit einem Dreierpack trug Stürmer Raphael Hartkopf ganz wesentlich zum 10:0-Sieg der deutschen Herren über Polen bei. Foto: Worldsportpics

 

Stimmen:

 

Raphael Hartkopf (Dreifachtorschütze): Wir wollten uns mussten heute weiterkommen. Das haben wir heute von Beginn an gezeigt. Für den weiteren Verlauf des Turniers bringen solche Tore auf jeden Fall Selbstbewusstsein. Schön, wenn der Knoten heute geplatzt ist. Gegen Frankreich hatte ich zwei Halbchancen, die ich nicht gemacht habe. Gegen Spanien haben wir uns zuletzt bei der Pro League schwergetan, was die Spielfreude angeht. Die sind einfach eklig zu spielen mit ihrer unorthodoxen Art und ihrer individuellen Klasse. Aber ein Angstgegner für uns sind sie nicht, nur weil wir zuletzt mehrere Spiele gegen sie verloren haben.

 

Mats Grambusch (Kapitän): Ich denke, dass wir heute genau mit der richtigen Einstellung an die Sache rangegangen sind. Vor allem für die Stürmer ist es natürlich ein schönes Gefühl, wenn sie mal eine Bude gemacht haben. Da tanken sie Selbstvertrauen und nehmen was mit. Doch das Polen-Spiel als solches hilft uns fürs Halbfinale gar nichts, so naiv brauchen wir nicht zu sein. Spanien verteidigt vor allem in der Box unfassbar stark und ist dazu unheimlich gefährlich bei Kontern. Da werden wir eine gut Sicherung brauchen.

 

André Henning (Bundestrainer): Ich habe für meine Verhältnisse heute viel auf der Bank gesessen und mich unterhalten. Die Jungs haben es einfach gut weiter gemacht heute. Denn das war ja die große Herausforderung: wenn man schon so früh führt, weiterzumachen. Ich habe es dann ein bisschen von der Seite mit genossen, so schön, wie wir heute gespielt haben. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben heute sehr gute Eckenabläufe gehabt, tolle Offensivaktionen gezeigt und herrliche Tore geschossen. Unsere Defensive stand auch sehr gut. Die Chance, die wir uns von diesem Spiel auch ein wenig erhofft haben, haben wir genutzt: Alle unsere nominellen Stürmer haben jetzt getroffen, und insgesamt konnten viele Leute heute Erfolgserlebnisse einsammeln.

Mein Zwischenfazit nach der Gruppenphase fällt positiv aus. Wir stehen im Halbfinale und zwei Topfavoriten sind ausgeschieden. Daran sieht man ja, wie schwer es ist, hier unter die letzten Vier zu kommen.  Wir hatten aber auch schon Krisenmomente in den drei Spielen. Aber: Wir sind nicht gefallen. Das sind auch gute Erfahrungswerte. Ich sehe uns gut vorbereitet für das Halbfinale.

Jetzt kommt Spanien. Dass sie ins Halbfinale einziehen, hat mich nicht überrascht. Viele junge Spieler sind dort in verantwortungsvolle Rollen hineingewachsen. Deren Qualität war bekannt. Als Mannschaft ist Spanien in der Verteidigung und im Konterspiel herausragend stark. Da brauchen wir am Donnerstag eine gute Steuerung, viel Geduld und auch Qualität.