Einen Tag nach den englischen Herren verpassen auch die Damen von der Insel das EM-Halbfinale. Am Mittwoch ziehen sie im entscheidenden Duell mit Spanien trotz der besseren Ausgangsposition den Kürzeren. Belgien und Niederlande machen ihre Gruppensiege mit klaren Erfolgen sicher. Als letztes Team ziehen dann die Danas eher holprig ins Halbfinale ein. Emotionaler Höhepunkt des Tages im Hockeypark sind freilich die Finalspiele die ID-Championships, wo einer von zwei Siegerpokalen an das deutsche Specialhockeyteam geht.
Im abschließenden Gruppenspiel gegen Spanien hätte England schon ein Unentschieden genügt. Aber auch das ist eine zu hohe Hürde. Das Team von David Ralph wird vor allem der 18. Spielminute nachtrauern, denn da hätte England gut mit 2:1 in Führung gehen können, aber Darby Bourne scheitert mit einem Siebenmeter an Spaniens Torfrau Clara Perez, die den Ball reaktionsschnell aus dem Winkel fischt. Zu diesen Zeitpunkt hatten Luciana Molina (10.) für Spanien und Tessa Howard (12.) für England getroffen. In der zweiten Hälfte bügelt Lucia Jimenez ihr Foulspiel, das zum Siebenmeter geführt hatte, mit dem 2:1-Siegtreffer (36.) mehr als aus. Nach zuletzt 2021 und zum insgesamt neunten Mal in ihrer 17. EM-Teilnahme schaffen die Spanierinnen den Einzug ins Halbfinale. Wenige Stunden nach dem eigenen Spiel kommt für sie noch ein wunderbarer Nebeneffekt dazu: Weil die anderen drei Halbfinalisten alle schon ein WM-Ticket haben (Niederlande und Belgien als Co-Ausrichter der WM 2026 und Deutschland über die Pro League 2023/24), bekommt Spanien den bei der EM 2025 zu vergebenden Platz bei der nächsten Weltmeisterschaft.

Englands Fiona Crackles (links) prallt an Spaniens Clara Perez ab. Die Torhüterin trug mit einem gehaltenen Siebenmeter maßgeblich zum Halbfinaleinzug bei. Foto: Worldsportpics
Anschließend macht Belgien gegen Schottland Platz eins in der Gruppe B klar. Ambre Ballenghien bringt den Favoriten gleich in der ersten Minute mit dem 1:0 auf Kurs, die Mittelstürmerin erzielt auch das 2:0 (E, 18.), ehe Justine Rasir (27.), Stephanie Vanden Borre (7m, 31.) und Astrid Bonami (E, 37.) zum 5:0-Endstand nachlegen. Bei brütender Hitze in der Mönchengladbacher Mittagssonne mit über 33 Grad ist es eine ziemliche Strapaze. Angesichts der klaren Führung können die Belgierinnen jedoch schon früh die Drehzahl herunterschrauben.
Dann übernehmen die ID-Mannschaften für zwei Stunden die Regie im Sparkassen-Park. Auch wenn es der (wahrscheinlich) heißeste Tag der Woche ist, so zeigen die Specialhockey-Spielerinnen und -Spieler vollen Einsatz in den Platzierungs- und Endspielen (über je 25 Minuten). Die deutsche Mannschaft und England haben sich in der „ID Championship II“ für das Finale durchgesetzt. Vier Treffer des stärksten deutschen Spielers, Mohamed Al Ali, sowie ein Tor von Johnny Nguyen führen Deutschland zum 5:1-Sieg, weil den Briten gegen den viel und gut haltenden Torhüter Enrico Zimmer nur durch Robert Crosse ein Gegentreffer zum 1:3 gelingt. Sehr viel enger geht es im Endspiel der ersten Leistungsklasse zu. Zwischen Italien und Niederlande wechselt die Führung, ehe den Italienern Sekunden vor Ende noch ein Penaltytor zum 3:2-Sieg gelingt. Damit stehen mit Deutschland und Italien dieselben Pokalgewinner wie vor zwei Jahren an gleicher Stelle fest. Die Freude ist riesig, und die Unterstützer auf den Tribünen sorgen für eine Stimmung, als ob das Stadion gut gefüllt wäre. „Wir haben zwar nur zwei Pokale zu vergeben, aber alle Teilnehmer sind Gewinner“, beglückwünscht EuroHockey-Präsident Marcos Hofmann sämtliche elf Mannschaften, die sich in diesem Jahr mit Rekordpräsenz bei den Hockey-EM-Wettkämpfen der Menschen mit geistiger Beeinträchtigung beteiligt haben. Beide Finalspiele werden live vom EM-Sender Magenta-Sport übertragen.
Das deutsche Specialhockey-Team nach dem gewonnenen Endspiel im Sparkassen-Park. Foto: DHZ
Die Abtrennung nach Halbfeld-Größen, innerhalb derer die ID-Spiele im großen EM-Stadion stattgefunden haben, hätte man im Prinzip für die nächste Partie beibehalten können. Denn tatsächlich spielen sich weite Teile des Duells zwischen den Damen der Niederlande und Frankreich in einer einzigen Spielhälfte ab, wenig überraschend in jener der Französinnen. Diese ziehen sich zumindest in der ersten Halbzeit konsequent mit allen elf Spielerinnen bis teilweise hinter die eigene Viertellinie zurück. Egal ob mutig-offensiver (Deutschland) oder passiv-defensiver (Frankreich) Ansatz – der Weltranglistenerste hat auf alle Gegnerkonzepte eine passende Antwort.
Das aufgrund der Tabellenkonstellation theoretisch sogar noch mögliche Ausscheiden des Titelverteidigers ist schnell kein Thema mehr. Marijn Veen (11.), Yibbi Jansen (E, 16) und zweimal Frederique Matla mit Siebenmetern (20./25.) sorgen für die 4:0-Halbzeitführung der Holländerinnen, die in der zweiten Hälfte nur noch das Nötigste tun. Jansen (34.) und Luna Fokke (44.) schießen noch zwei Ecken zum 6:0-Endstand rein. Die Niederlande sind somit Gruppensieger – wer hat was anderes erwartet?
Frankreich besitzt trotz seines Sieges über Irland keine Chancen mehr auf das Halbfinale. Diesen zweiten Platz in Gruppe A spielen zum Abschluss des Tages Deutschland und Irland aus. Das Heimteam zittert sich mehr recht als schlecht mit einem 0:0 in die Vorschlussrunde (siehe Extrabericht).







