Die Ausgangslage war klar: Nach der erwarteten Niederlage von Frankreich gegen die Niederlande wurde das die Damen-Vorrunde abschließende Spiel zwischen Deutschland und Irland zum direkten Duell um den letzten Halbfinalplatz. Die DHB-Auswahl ging mit dem klaren Vorteil ins Rennen, dass nicht nur ein Unentschieden, sondern sogar eine Niederlage mit nur einem Tor Differenz reichen würde. Am Ende wurde es enger, als man das angesichts der Ausgangslage befürchten musste. Ein wackeliges 0:0 brachte die Danas schließlich unter die letzten Vier.
Dabei schien sich gar keine Zitterpartie anzubahnen. In den ersten drei Minuten holte Jette Fleschütz durch beherztes Hineinstoßen die ersten zwei Ecken für Deutschland heraus. Bei der ersten schlug Nolte den Ball deutlich über Bretthöhe ins Netz – irregulär. Und bei der zweiten schlug Micheel in die Schienen der liegenden Torhüterin Murphy.
Schon beim ersten nennenswerten irischen Vorstoß ins deutsche Viertel bekam man eine Ecke verhängt, da Stoffelsma keinen Abstand hielt. Sonntag hielt den Schlag. Zwei Minuten später waren noch größere Abwehrkünste der deutschen Torhüterin gefragt. Als Emily Kealy von halbrechts in eine erstaunlich offene Abschlussposition gekommen war, wollte Johanna Hachenberg helfend eingreifen. Der Versuch misslang komplett, es wurde ein plumpes Stockfoul, das locker die Aufnahme in jedes Regelschulungsbuch für die Kategorie „klarer Siebenmeter“ geschafft hätte. Hannah McLoughlin hatte die große Chance, nach kulminiert 129 Turnierminuten den ersten EM-Treffer für Irland zu erzielen. Ihr Schlenzball auf die Handschuhseite von Julia Sonntag war nicht übermäßig platziert, trotzdem musste die deutsche Torhüterin erstmal zur Stelle sein und auch auf die richtige Ecke spekulieren.

Lilly Stoffelsma (rechts) im Laufduell mit der Irin Niam hCarey. Das Spiel endete 0:0-Unentschieden, was im Endeffekt nur der Deutschzen Mannschaft in Form des Halbfinalplatzes etwas nutzet. Foto: Worldsportpics
Sonntags Rettung des 0:0 hätte der deutschen Mannschaft eigentlich einen Push geben müssen. Doch man fand nicht zurück ins Spiel der ersten fünf, sechs Minuten. Der Ball wollte nicht richtig durch die Reihen laufen, Abstimmungsprobleme untereinander wurden offensichtlich, ein bissiger Gegner tat das Übrige. Irland spürte, dass es beim favorisierten Gegner nicht mehr gut lief und setzte nach vorne selber immer mal ein paar Nadelstiche. So kam die „Green Army“ nach 14 Minuten zu einer Doppelecke. Einmal Sonntag und einmal der Oberarm von Selin Oruz standen einem Erfolg im Weg. Eine Fleschütz-Rückhand ans Außennetz (17.) und eine von Strauss vor dem Kasten knapp verpasste Davidsmeyer-Flanke (21.) blieben bis zur Pause die einzigen deutschen Szenen mit Torgefahr.
Die mit dicker Oberschenkelbandage versehene Sonja Zimmermann, die zur Entlastung des mit der verletzten Felicia Wiedermann ohnehin dezimierten Kaders immer wieder mit Spielminuten bedacht wurde, kassiert gleich nach Wiederbeginn grün, was Irland in Überzahl zu einem Abschluss von Mullen brachte, deren Rückhandball allerdings klar am Kasten von Nathalie Kubalski (planmäßig zur Halbzeit für Sonntag ins Spiel gekommen) vorbeisegelte. Das galt gleichermaßen für die Rückhand von Carey. Irland war in dieser Phase näher dem 1:0 als Deutschland. Das wendete sich beginnend mit der Chance von Schwabe, die aus guter Position den Ball aber nicht voll traf, und dem von Irland ebenfalls abgewehrtem Fleschütz-Nachschuss (35.). Schwabe beendete das dritte Viertel mit einem weiteren erfolglosen Abschluss (45.).
Zu Beginn des Schlussviertels erzwang Micheel die dritte und letzte deutsche Ecke, bei der das Stecherzuspiel von Zimmermann die gedachte Abnehmerin Landshut knapp verfehlte (47.). Torgefahr auf der anderen Seite drohte durch Powers strammen Schuss (Kubalski sicher/52.) und die vierte Ecke (abgelaufen/53.). Vier Minuten vor Ende zog Irlands Coach KcKinnan den letzten Strohhalm und opferte Torhüterin Murphy für eine elfte Feldspielerin. Es gab tatsächlich noch eine fünfte und letzte Ecke. Kubalski musste alles ranhalten, um sowohl Schuss als auch Nachschuss unschädlich zu machen (59.). Es blieb beim 0:0, Irland schoss in allen drei Gruppenspielen tatsächlich kein einziges Tor. Zum Glück für die deutsche Mannschaft, die sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckerte und ihre Trainerin am Spielfeldrang zu manchem Tobsuchtsanfall trieb.
Bezeichnend die Sekunden nach der Schlusssirene: Kein Jubel auf deutscher Seite, höchstens Erleichterung. Für ausgiebige Freudenausbrüche war die Ernüchterung über eine spielerisch ganz, ganz dürftige Darbietung wohl zu groß.

Trotz spielerischer Mängel im eigenen Ballbesitz klappte die Abwehrarbeit vom Spiel gegen Irland wenigstens gut. Links Amelie Wortmann, rechts Linnea Weidemann. Hier versuchen sie die Irin Katie Mullan (Mitte) zu stoppen. Foto: Worldsportpics
Stimmen
Julia Sonntag: Beim Siebenmeter habe ich nur spekuliert und dann auch ein wenig Glück damit gehabt. Das war natürlich wichtig, nicht in Rückstand zu geraten. Nach vorne waren wir heute sicherlich nicht so stabil und mutig. Irland hat hinten alles zugemacht, deshalb haben wir uns schwergetan. Es fehlten die Torgefahr und natürlich die Tore. Am Ende hat der Wille entschieden, dass es beim 0:0 bleibt. Gegen Belgien wird es ein ganz anderes Spiel. Wenn wir wieder mehr unser Hockey spielen, mehr Mut zeigen und all unsere Erfahrungen aus einer Gruppenphase mit allen Höhen und Tiefen zusammenpacken, dann wir es ein gutes Halbfinale. Das Belgiens-Spiel vor zwei Jahren ist gar kein Thema bei uns, da werden sich die wenigsten erinnern. Und es sind auch andere Voraussetzungen.
Sonja Zimmermann: Mein Oberschenkel ist noch nicht wieder fit. Hundert Prozent sprinten geht nicht. Ich versuche viele Meter zu machen. Es war ein krasser Fight, alle haben die Knochen gegen ein erfahrenes irisches Team hingehalten. Letztlich zählt das Ergebnis, dass wir im Halbfinale sind. Dafür muss man auch mal dreckig spielen. Es war bestimmt nicht ganz der Matchplan, den wir heute auf die Bühne gebracht haben. Die Connection untereinander hat gefehlt. Oftmals standen wir nicht da, wo wir hätten sein sollen. Und zum Teil ist es noch ein bisschen naiv, wie wir spielen. Da fehlt die Abgezocktheit. Aber es ist noch viel Potenzial drin. Belgien ist eine sehr starke Nation geworden. Da müssen wir im Halbfinale auf jeden Fall unsere Topleistung herausholen, wenn wir was erreichen wollen.
Janneke Schopman (Bundestrainerin): Wir sind immer noch ein unerfahrenes Team, das hat man heute gemerkt. Ich denke, wir haben gut angefangen, aber kein Tor gemacht. Dann wird man langsam nervös. Der Gegner kommt dann erstmals durch und wird auch sicher, bekommt sogar noch einen Siebenmeter. Wir wussten danach nicht, was wir machen sollen. Weiter angreifen, oder doch lieber verteidigen? Wir hatten keine echte Struktur heute in unserem Spiel. Wir wollten einfach keine Fehler machen und bloß diesen einen Punkt holen. Das ist ein normaler Lernprozess eines jungen Teams. Es hat ganz viel mit Erfahrung zu tun.
Die Verteidigung, gerade in den Eins-gegen-eins-Situationen war gut, am Ball waren wir heute aber nicht so gut. Irland ist nach Niederlande das fitteste Team bei dieser EM. Das kostet sehr viel Kraft, dagegen zu spielen. Deshalb war es auch wichtig, dass Sonja Zimmermann wieder ins Team zurückkam, damit wir nicht mit nur 14 Feldspielerinnen die 60 Minuten bestreiten mussten. Mit einer Spielerin weniger ist schwierig, mit zwei weniger ist es noch schwieriger. Ich hoffe, dass sie auch im Halbfinale spielen kann. Wir brauchen alle Spielerinnen. Gegen Belgien benötigen wir natürlich auch eine bessere Leistung als heute.







