Der siebte Turnierspieltag erbringt das Traumfinale der Herren. Olympiasieger Niederlande setzt sich gegen Frankreich durch, Weltmeister Deutschland schaltet im zweiten Vorschlussrundenspiel Spanien aus. Und auch Polen kann sich freuen.
Das Duell der beiden Tabellenschlusslichter zwischen Österreich und Polen bleibt lange torlos, ehe Robert Pawlak mit seinem 1:0 (52.) das Spiel entscheidet und den Polen die ersten drei Punkte beschert. Damit ist auch eine Vorentscheidung um die Vergabe der Plätze sieben und acht gefallen.

Polens Jakub Chumenczuk (links) und Österreichs Nikolas Wellen (rechts) im Duell. Polen gewinnt die Partie 1:0 und holt seine ersten Punkte.
Ein Aufeinandertreffen zweier Enttäuschten ist die Partie Belgien gegen England. Mit anderen Ambitionen nach Mönchengladbach gereist, müssen sich die Medaillengewinner von 2023 nun in der Platzierungsrunde herumschlagen. Belgien geht durch ein Traumtor von Thibeau Stockbroeckx (6.) in Führung, der eine argentinische Rückhand aus halblinker Position in den Winkel des verdutzten Keepers Mazarelo knallt. Dass Tom Boon das Toreschießen liebt, ist allseits bekannt. Nach 15 Minuten lenkt der belgische Torschützenkönig der jüngsten Pro League-Saison den Ball raffiniert unter die Latte ab, dummerweise des eigenen Kastens. Das 1:1 wird Englands Sam Ward gutgeschrieben, der den Ball von der Grundlinie in die Mitte gepasst hatte, ehe Boon unfreiwillig vollstreckte. Aber Tom Boon kann auch anders: So schießt er noch eine belgische Ecke (48.) ins englische Gehäuse, die den 2:1-Sieg – und damit sehr wahrscheinlich schon Platz fünf – für sein Team sichert.
Ihrer klaren Favoritenstellung werden die Niederländer im ersten Halbfinale gegen Frankreich in den ersten Minuten vollauf gerecht. Nach einer Eckenserie schlenzt Jip Janssen Versuch Nummer drei knöchelhoch in den Kasten von Corentin Saunier. Schon nach drei Minuten ist es die Führung. Die Franzosen kommen im ersten Viertel kaum mal vernünftig über die Mittellinie. Zweimal gelingt es dann gut, der Außenseiter lässt die sogar aussichtsreichen Szenen aber fahrlässig liegen – auch ein Zeichen für die Unerfahrenheit und Nervosität der Franzosen in solchen K.o.-Spielen. Ihr einziges EM-Halbfinale liegt ewige 55 Jahre her.
Wenigstens schafft es das Team von John-John Dohmen, bis zur Halbzeit weitere Gegentreffer zu vermeiden. Der starke Saunier rettet mit vollem Einsatz gegen van Dam und Brinkman (19.). Fünf Minuten vor der Pause kommt Frankreich zur ersten Ecke, die probierte Stechervariante wird von der Oranje-Abwehr gut gelesen. Kurz danach liegt kurz sogar ein Siebenmeter für Frankreich in der Luft, doch die von der belgischen Schiedsrichterin Magali Sergeant und ihrem deutschen Kollegen Ben Göntgen per Video überprüfte Szene lässt kein Foulspiel von Torwart Visser an Clement zum Vorschein kommen.
Die zwei Hälfte ist keine 30 Sekunden alt, da legen die Holländer nach. Eine Weiterleitung von van Dam befördert Kapitän Thierry Brinkman volley auf Brusthöhe ins Netz – 2:0 (31.). Dass die Partie nicht in die Langeweile abdriftet, liegt daran, dass Frankreich seine dritte Ecke zu nutzen weiß. Eine schön ausgespielte Variante sticht Kapitän Francois Goyet zum 1:2 (37.) ins holländische Netz. Und es bleibt spannend, weil der Titelverteidiger durch Janssen einen Siebenmeter, nach Foul von Delemazure an van Dam, flach am französischen Kasten vorbeischießt (45.).

Frankreichs Lucas Montegot (links) versucht alles, kann den Niederländer Derck de Bilder (rechts) nicht stoppen. Favorit Niederlande siegt im ersten Halbfinale mit 3:1 über Frankreich. Foto: Wolrdsportpics
Die Franzosen haben inzwischen so viel Sand ins holländische Getriebe einstreuen können, dass beim Favoriten kaum noch flüssiges Kombinationsspiel zu sehen ist und sogar der einige Fehler auftauchen, die man bei den Holländern nicht gewohnt ist. Fünf Minuten vor Ende erkämpft sich Frankreich noch eine fünfte Ecke, bei der der Charlet-Schlenzer abgelaufen wird. Statt 2:2 steht es kurz danach 3:1 (57.). Janssen macht mit einem erfolgreichen Eckenschuss seinen Penalty-Fauxpas wett. Das ist natürlich die Entscheidung, auch wenn sich die Franzosen teuer verkauft haben.
Die Niederlande baut ihre EM-Serie gegen Frankreich auf 10:0 Siege aus und zieht zum 15. Mal in ein EM-Endspiel ein. Ein neuntes Mal wird der Gegner dabei Deutschland sein, denn der Erzrivale setzt sich im zweiten Halbfinale mit 4:1 gegen Spanien durch (siehe Extraspielbericht)







