DEUTSCHE
HOCKEY ZEITUNG

Mit Hockey erhalten Sie wertvolle Tipps und Informationen rund um den Hockeysport.

Deutschland beendet schwarze Spanien-Serie und holt WM-Ticket

Jede Serie ist dazu da, auch mal beendet zu werden. Nach sieben deutschen Niederlagen in Serie gegen Spanien war das EM-Halbfinale 2025 ein absolut passender Zeitpunkt, hatte er doch zwei wunderbare Effekte zugleich: Die Honamas zogen durch einen 4:1-Sieg ins Endspiel ein und qualifizierten sich zudem für die Weltmeisterschaft 2026.

Knapp 8000 Zuschauern im gut gefüllten, aber nicht ganz ausverkauften Hockeypark bekamen am Donnerstagabend ein Spiel serviert, das man vom ganzen Ablauf her deutlich anders erwartet hatte. „Viel Geduld“ und „Kontersicherung gegen tief stehende Spanier“, wie es im Vorfeld aus dem deutschen Lager verlautete, waren das ganze Spiel über gar kein Thema.

Spanien agierte quasi die kompletten 60 Minuten so offensiv und das Geschehen mit viel Ballbesitz bestimmend, wie man es das in Spielen gegen Deutschland überhaupt nicht gewohnt war. Vielleicht hatte es auch mit der Entwicklung des Spielstands zu tun, der Spanien früh in einen solchen Aktionsmodus trieb. Denn tatsächlich schon nach 34 Spielsekunden lag Deutschland in Führung. Nach einer ersten zwingenden Aktion über rechts gelangte der Ball in die Mitte, wo Bruno Font den einschussbereiten Johannes Große nur noch mit einem klaren Stockfoul stoppen konnte. Den fälligen Siebenmeter setzte Gonzalo Peillat ansatzlos links oben unter die Latte – 1:0 (1.).

Justus Weigand (in weiß) holt in dieser Szene die erste deutsche Strafecke des Halbfinals gegen Spanien heraus, die dann in der zweiten Wiederholung durch Mats Grambusch im Nachschuss zum 2:0 verwertet wird. Am Ende heißt es 4:1 für Deutschland. Foto: Worldsportpics

 

Spanien krempelte nach diesem Fehlstart die Ärmel hoch und drängte den Gegner zeitweise minutenlang in die eigene Hälfte zurück. Das deutsche Team wurde in den stärksten dieser spanischen Druckphasen (zwischen der 3. und 9. Minute und gefühlt übers gesamte zweite Viertel hinweg) in zahlreiche Verlegenheiten gestürzt. Es brannte öfters im Schusskreis von Jean Danneberg. Der Keeper wehrte nicht nur Cunhills erste Ecke (5.) und Miralles dritte Ecke (27.) reaktionsschnell ab, sondern war auch im Zweikampf mit dem frei vor ihm auftauchenden Reyne (18.) erfolgreich. Einige Schüsse von Iglesias, Reyne und Lacalle verfehlten den deutschen Kasten mehr oder weniger knapp.

Und Deutschland? Kam bis zu Pause nur handverlesen gefährlich in die gegnerische Endzone, im dritten Viertel gab es sogar gar keinen einzigen Gefahr ausstrahlenden Ball im spanischen Kreis.

Und trotz dieser für Honamas-Verhältnisse eher mageren Offensivbilanz stand es nach elf Minuten 2:0. Weigand hatte nach Große-Solo und über den Videobeweis die erste deutsche Ecke herausgeholt. Zweimal konnte Spanien auf Kosten einer Folgeecke die Peillat-Schüsse abblocken. Bei der dritten stand dann Mats Grambusch zum Nachschuss goldrichtig und beförderte den Ball von halbrechts in die Maschen.

Mehr als verdient für die Spanier war, dass ihnen noch vor der Halbzeitpause der Anschlusstreffer gelang. Bei ihrer vierten Ecke fanden sie über eine Ablegervariante den Schlüssel. José Basterra wuchtete den Ball halbhoch zum 1:2 (27.) in die deutschen Maschen.

Die Mannschaft von Max Caldas hatte auch nach Wiederbeginn gleich wieder längere Ballbesitzphasen, doch auffällig war, dass daraus längst nicht mehr so viel Gefahr für Deutschland entstand wie in der ersten Halbzeit. Die DHB-Auswahl hatte sich in der Pause besser auf den spanischen Vorwärtsgang eingestellt, konnte taktisch und mannschaftlich schon viel unterbinden, und wenn der Ball dann doch mal in den Kreis kam, waren die deutschen Verteidiger sehr erfolgreich in den Zweikämpfen. Tom Grambusch, Lukas Windfeder, Gonzalo Peillat, Moritz Ludwig und Teo Hinrichs durfte man das mit all ihrer langjährigen Erfahrung auch zutrauen, doch auch ein Turnierneuling wie Benedikt Schwarzhaupt zeigte sich abgeklärt wie ein alter Hase und beeindruckte zudem in der Spieleröffnung mit ungeahnter individueller Qualität.

Nach einem beidseits chancenlosen dritten Viertel steuerte das Spiel auf die Crunchtime zu. Nach 48 Minuten holte sich das nun auch offensiv wieder präsentere deutsche Team seine inzwischen fünfte Ecke (die vierte war von Calzado noch in der ersten Hälfte gegen Peillat pariert worden). Diesmal packten die Honamas eine Variante aus. Von Tom Grambusch wurde der zentral einlaufende Thies Prinz gesucht und gefunden. Der von Prinz abgefälschte Ball zischte halbhoch zum 3:1 in die Maschen.  

Spanien fand offensiv kein Durchkommen mehr und hatte auch kein Glück beim Video-Schiedsrichter. Die Stockberührung von Schwarzhaupt gegen den dribbelnden Basterra unmittelbar vor dem deutschen Kasten hätte nach Meinung der Iberer einen Siebenmeterpfiff verdient gehabt (55.). Doch Schiedsrichterin Keogh und auch der VAR sahen es anders. Praktisch im Gegenzug dann die endgültige Entscheidung. Prinz und der in der zweiten Halbzeit auflebende Struthoff hatten die sechste deutsche Ecke erzwungen. Gonzalo Peillat überwand Luis Calzado mit einem flachen Ball ins Schlägereck – 4:1 (56.). Die Fans konnten schon früh „Oh wie ist das schön“ anstimmen. Das Traumfinale war perfekt.

 

Doppeltorschütze Gonzalo Peillat (links), Tom Grambusch (Mitte) und Thies Prinz (rechts) bejubelt das gerade von Prinz per Eckensteher erzielte 3:1 im Halbfinale gegen Spanien. Foto: Worldsportpics

 

Stimmen

 

Tom Grambusch: Ich habe nach dem Schlusspfiff viele glückliche Gesichter auf der Tribüne gesehen, ich bin selber auch glücklich und freue mich wahnsinnig auf das Finale am Samstag vor ausverkauftem Haus. So einen Bilderbuchstart wie heute wünscht man sich natürlich. Wir haben es nach dem 2:0 dann nicht geschafft, den Druck aufrecht zu erhalten. Spanien hat gedrückt, hat ein sehr gutes Spiel gemacht in der ersten Halbzeit. Nichtsdestotrotz haben wir gut rausverteidigt und am Ende auch recht verdient gewonnen. Mit harter Arbeit wie heute können wir auch die Niederländer im Finale schlagen. Sie haben Respekt vor uns, wir vor ihnen. Da treffen sich der Weltranglistenerste und -zweite, das wird ein 50:50-Spiel.

 

Mats Grambusch: Vor zwei Jahren standen wir hier und waren unglücklich und selbstkritsch nach dem verlorenen Halbfinale gegen England. Jetzt bin ich strahlend glücklich und happy, dass wir das heute am Ende dominant, zwischenzeitlich gar nicht dominant, und erwachsen gespielt haben und dann sehr verdient ins Finale eingezogen sind. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich in den letzten drei Jahren meiner Karriere sowohl WM- als auch Olympia- und nun noch EM-Finale spielen darf.  

Auch die Holländer waren in den letzten Jahren wahnsinnig stabil: Olympiasieger, WM-Dritter, EM-Sieger 2021 und 2023. Offensiv gut, defensiv gut, mental stark, Ecke offensiv gut, Ecke defensiv gut – alles, was man im Tophockey braucht, haben sie. Aber ich bin stolz und glücklich sagen zu können, dass Deutschland genau die gleichen Qualitäten hat und ich schwer davon ausgehe, dass wir mit dem Heimvorteil das Ding am Samstag holen. Zweimal hintereinander verlieren wir gegen Holland kein K.o.-Spiel. Ein verlorenes Olympia-Finale kann man mit einem gewonnenen EM-Endspiel nicht ausgleichen, dafür ist Olympia einfach größer als eine EM. Aber ein bisschen Wiedergutmachung wäre vielleicht dabei.

In meinem letzten Länderspiel ein EM-Finale in meiner Heimatstadt gegen die Holländer zu spielen, gegen die es mir immer auch am meisten Spaß gemacht hat, weil es immer unser größter Konkurrent war, das ist ein Traum.

 

André Henning (Bundestrainer): Ich bin extrem begeistert und stolz auf meine Jungs. Diese Negativserie und das Thema Angstgegner Spanien hatten wir im Vorfeld natürlich auch wahrgenommen. Und deswegen war es so wichtig, dass wir heute mit so viel Überzeugung reingehen. Wie die Jungs das am Anfang mit ganz viel Qualität, ganz viel Biss und Wille gemacht haben, war fantastisch. Und dann fand ich natürlich unglaublich stark, dass wir es geschafft haben, in der Phase, wo wir richtig gewackelt haben, also überwiegend zweites Viertel und zum Teil schon bisschen früher, die Probleme innerhalb eines Spiels auch gelöst zu bekommen. Man muss ja zugeben, dass wir phasenweise ganz schön auseinandergenommen worden sind. In der zweiten Halbzeit hat Spanien kaum noch interessante Chancen gehabt. Wir haben sie dann super im Griff gehabt, sind selber dann wieder viel besser geworden. Wir haben Ausstrahlung und Qualität gezeigt, zum Ende hin wieder offensiv super Chancen eingeleitet, tolle Tore geschossen. Der Eckenablauf hat auch gepasst - also alles, was wir brauchten, war da. Das ist gerade eine Wettkampfstabilität auf dem Platz, die sich gewaschen hat. Es war schon eine große Herausforderung, denn alle haben gesehen, wie stark Spanien ist.

Jetzt haben wir das absolutes Traumfinale, da freuen wir uns mega darauf. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit allen deutschen Fans die Hütte weiter anzünden können. Es kann sein, dass das jeder von uns nur einmal im Leben bekommt, von daher werden wir am Samstag alles dafür auf dem Platz lassen.

Das Thema WM-Qualifikation war heute gar nicht in unserem Kopf.