30.09.2025
So oft passiert es ja nicht, dass der Fußballsport mit seinem Regelwerk unserem Hockey voraus ist. Also dass im Fußball in einem konkreten Spielsachverhalt eine bessere, weil praxisnahere und vor allem der Situation gegenüber gerechtere Lösung in den Statuten verankert ist, als das in unserem Sport der Fall ist. Konkret geht es um die Sache, die man umgangssprachlich als „Schiedsrichter ist Luft“ zu umschreiben versucht. Und da gab es bekanntlich erst vor kurzem ein im wahrsten Sinne des Wortes treffendes Beispiel für die Reformbedürftigkeit der Hockeyregeln.
In einem Spiel der 1.Bundesliga Damen hatte eine Angreiferin von halblinks im Schusskreis eine argentinische Rückhand abgefeuert. Der hart geschlagene Ball prallte vom Torpfosten schräg nach rechts ins Spielfeld zurück und traf den dort postierten Schiedsrichter mit voller Wucht im Gesicht. Den vom Unparteiischen wiederum Richtung Tor zurückkommenden Ball drückte eine andere Spielerin der angreifenden Mannschaft mit ihrem Schläger intuitiv über die Linie, ehe im nächsten Moment alle Umstehenden und weiteren Beteiligten das Ausmaß dieser Unglücksszene einigermaßen erfasst hatten und dem am Boden liegenden Schiedsrichter zur Hilfe kamen.
Als nach langer Unterbrechung und Versorgung des Verletzten dann die Klärung anstand, wie das Spiel fortgesetzt wird, blieb dem zweiten Schiri samt dem ersatzweise eingesprungenen Kollegen nur die Feststellung, dass es mit Mittellinienanspiel weitergehen muss, weil ein reguläres Tor erzielt worden war. Im Paragraf 11.8 des Hockeyregelwerks heißt es unmissverständlich: „Trifft der Ball auf dem Spielfeld einen Schiedsrichter, ... wird das Spiel nicht unterbrochen.“

Jean-Pierre Rieger, der unverhoft zu seinem Bundesliga-Debüt gekommene Nachwuchsschiedsrichter, sprang im Spiel der 1.Bundesliga Damen zwischen Club Raffelberg und UHC Hamburg für den verletzten Niclas Fischer ein. Fischer war von einem vom Torpfosten ins Spielfeld zurückprallenden Ball im Gesicht getroffen worden. Aus der Unglücksszene entsprang sogar ein reguläres Tor - was auch für den verunfallten Schiedsrichter eine Änderung der Hockeyregeln überfällig macht. Tatsächlich könnte der Fußball als Vorbild für solche Situationen dienen. Foto: Sternberger
Das Video von der Szene ging in Hockeykreisen viral – und so schlimm der Vorfall war, er könnte zumindest einen guten Effekt haben: Die Regelhüter unseres Sports nämlich davon zu überzeugen, dass das Spiel nach einer unabsichtlichen Ballberührung des Schiedsrichters sofort anzuhalten ist und eventuell vor dem Pfiff schon stattgefundene Spielaktionen einkassiert werden müssen. Der Fußball, der jahrelang ebenfalls die „Schiri ist Luft“-Handhabung in seinen Statuten hatte, änderte seine Regeln ab der Saison 2019/20. Es gibt jetzt Schiedsrichterball.
„Die Regeländerung ist meiner Meinung nach einfach überfällig“, sagt Niclas Fischer. Der getroffene Schiedsrichter, dessen Operation seiner gebrochenen Nase und Augenhöhle nach eigenem Bekunden gut verlaufen ist, sieht bei dem Vorfall nicht nur sein eigenes Malheur und sagt: „Wie ungünstig ist das für die Mannschaft, die aufhört zu spielen, weil ich getroffen wurde, und dann auch noch ein Gegentor kassiert.“
Mehr Analysen und Geschichten in der neuen Ausgabe der Hockey-Zeitung. Zum Download der aktuellen Ausgabe geht es hier.

Mit der Hockey-Zeitung halten wir alle Hockeyfreunde auf dem Laufenden. Hier geht es zur aktuellen E-Paper-Ausgabe der DHZ. In unserer News-Rubrik und natürlich auf unseren Social Media Kanälen auf Facebook und Instagram gibt es ebenfalls aktuelle Nachrichten und jede Menge Diskussionsstoff von unserem Redaktionsleiter Uli Meyer und weiteren Mitarbeitern.







