Der Spielplan wollte es so: Gleich im ersten Spiel der neuen Hallensaison traf der Erstliga-Aufsteiger DSD Düsseldorf auf den vermeintlichen Hauptkonkurrenten um den Klassenerhalt der West-Gruppe, Blau-Weiß Köln. Die DSD-Gastgeber verloren die richtungsweisende Partie in eigener Halle mit 6:7 und stehen nun gleich ein wenig mit dem Rücken zur Wand. Wie Tobias Bergmann (42), der sein DSD-Team bereits in der zehnten Hallensaison führt, mit der Situation umgeht, hat er im Gespräch mit DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner dargelegt.
Herr Bergmann, den Auftakt in die Hallensaison haben Sie sich vor heimischem Publikum am Sonntag sicherlich anders vorgestellt, richtig?
TOBIAS BERGMANN: Ehrlicherweise hatte ich im Voraus keine richtige Vorstellung von dem Spiel. Unsere Vorbereitung war spielerisch absolut in Ordnung, aber wir konnten auch noch kein Spiel richtig gewinnen bisher. Blau-Weiß ist zwar auf dem Feld ein Regionalligist, hat aber in der Halle eine sehr Erstliga-erfahrene Mannschaft. Wir wussten, dass es kein Spaziergang wird, haben uns natürlich trotzdem mehr ausgerechnet. Mit einem Sieg am Sonntag hätte ich jetzt sicherlich ein schöneres Gefühl und die Mannschaft das bessere Momentum, aber es ist anders gekommen - und das auch nicht unverdient. Blau-Weiß war in den entscheidenden Phasen abgezockter. Wir müssen noch mehr tun, um nicht nur mitzuspielen, sondern die Spiele auch zu gewinnen.
Hätten Sie sich zum Auftakt vielleicht einen anderen Gegner gewünscht, als direkt zuhause gegen den vermeintlichen Konkurrenten um den Klassenerhalt zu spielen?
Das war für uns im Voraus kein großes Thema. Aber klar: Mit der Niederlage hat man schon direkt einen anderen Stress. Grundsätzlich wäre ein Auftakt, bei dem die Erwartungshaltung nicht direkt so hoch ist, vielleicht angenehmer gewesen. Es ist jetzt auch nicht so, dass wir gegen Blau-Weiß der Favorit waren. Wie gesagt, die haben eine echt gute Hallenmannschaft. Aber auf dem Papier ist der nun vermeintlich schlagbarste Gegner zuhause schon weg.
Die Zielsetzung für die Hallensaison ist aber klar?
Das haben wir auch erst kurzfristig vor dem Saisonstart geklärt. Jeder weiß, dass die Vorbereitung in die Hallensaison sehr kurz ist. Beim Start sind meistens noch nicht alle da, fit oder haben die ganze Energie nach der Feldsaison. Es wird meiner Meinung nach sowieso immer schwieriger, den richtigen Fokus für die Halle zu finden. In den Spielen ist es immer da. Gerade bei einem Verein wie dem DSD, wo vielleicht noch ein wenig mehr Erstliga-Euphorie herrscht. Da sind schon die richtigen Emotionen im Spiel. Deswegen hat es aber noch keinen Sinn gemacht, sich frühzeitig mit irgendwelchen Zielen zu beschäftigen. Das Ziel ist jetzt klar: Wir wollen den Klassenerhalt schaffen. Jetzt liegen wir vielleicht schon ein Break zurück, aber wir wollen den Klassenerhalt auch nicht mit drei Punkten holen. Dann müssen wir jetzt in den anderen Spielen punkten, und das traue ich der Mannschaft auch zu.
Februar 2025: Der DSD Düsseldorf feiert den Aufstieg seiner Damen und Herren in die 1. Bundesliga Halle. Mitten drin: Tobias Bergmann (vorne im schwarzen Pullover). Foto: Breithaupt
Wie schätzen Sie denn die Konkurrenz in diesem Jahr? Die Kaderstärken der Gegner variieren ja zunehmend von Saison zu Saison durch die Abstellungen an den A-Kader oder wie in diesem Jahr auch zur U21-Weltmeisterschaft.
Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass uns jede Mannschaft schlagen kann, aber auch jeder Gegner schlagbar ist. Aber die Quoten auf einen Sieg gegen uns sind wahrscheinlich ein bisschen besser als andersherum. Wir müssen in der Hinrunde jetzt punkten, weil die anderen Kader vielleicht noch nicht so komplett sind. Bei Köln und Mülheim werden sicherlich noch ein paar Jungs nach der U21-WM dazu stoßen, mal sehen, wer bei Krefeld am Ende noch einsteigt. Da fehlen mit Niklas Wellen und Co. auch einige Jungs, die in der Vorsaison noch im Deutschen Finale standen. Ich bin wirklich der Überzeugung, dass wir gegen jeden Gegner etwas holen können, und gehe in kein Spiel mit der reinen Absicht der Schadenbegrenzung.
Sehen Sie denn selbst einen immer größer werdenden Unterschied der Wertigkeit der Hallen- und Feldsaison? Welchen Wert hat die Hallensaison ganz konkret für Sie und Ihre Mannschaft?
Sehen auf jeden Fall. Die Musik spielt schon ganz klar auf dem Feld. Trotzdem gibt es keinen Feld-Erstligisten, der in der Halle nicht in der 1. Bundesliga spielt. Da sollte man also schon dazugehören. Zu den Top 6 im Westen zu gehören, ist ein erstrebenswertes Ziel für uns. Den Anspruch sollten wir auch haben. Wir sind jetzt traditionell nicht so eine richtige Hallentruppe, aber man kann aus einer Hallensaison auch richtig Schwung für die Rückrunde auf dem Feld mitnehmen. Nach dem Aufstieg im Frühjahr in die 1. Bundesliga in der Halle haben wir auch viele Spiele gewonnen. Wenn man jetzt ein paar Spiele nur verliert, ist die Stimmung auch nicht so toll. Das ist kein Geheimnis. Eine gute Hallensaison ist also aus unterschiedlichen Gründen wichtig für uns.
In der 2. Bundesliga auf dem Feld sind Sie als Spitzenreiter in die Winterpause gegangen. Soll es in diesem Jahr nun endlich mit dem Aufstieg ins Oberhaus klappen? War das mit Blick auf die Konkurrenz auch vor der Saison als klares Ziel definiert?
Wir haben es überhaupt nicht von der Konkurrenz abhängig gemacht, da diese für uns nur schwer einzuschätzen war. Wir haben auch nicht gesagt: „Komm, jetzt machen wir es unbedingt in dieser Saison“. Nach der vergangenen Saison wurden einige unserer Jungs von unterschiedlichsten Erstligisten angesprochen. In den Gesprächen war uns dann schon bewusst, dass wir es ernsthaft versuchen müssen, hochzugehen, da viele Spieler aus dem Kader einfach zu gut für die zweite Liga sind. Die Mannschaft selbst hat ihr Ziel nur für die Hinrunde formuliert und das auch erreicht: Oben um den Aufstieg mitspielen. Da sind wir jetzt in einer sehr guten Position. Die Jungs haben in der Hinrunde auch sehr viel investiert und nochmal ein Stück professioneller trainiert. Alles natürlich im Rahmen der Möglichkeiten und im richtigen Verhältnis. Das Bewusstsein war aber sehr gut. Wenn wir die Entscheidung nochmal so treffen, so viel zu investieren, haben wir gute Chancen aufzusteigen.
In ihrer Heimatstadt Düsseldorf erhielten Sie jüngst die Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ für Ihre Erfolge mit den DSD-Herren, dessen Trainer Sie nun schon seit einem Jahrzehnt sind. Hat ein anderer Verein auch schon ihre Qualitäten erkannt und versucht, Sie abzuwerben? Käme das für Sie überhaupt in Frage?
Gute Frage. Klar gibt es im Hockeysport immer mal wieder Kontakte zu anderen Vereinen. Ich bin dem DSD aber emotional sehr verbunden und mit meiner Familie mit vier Kindern kommt ein Wohnortwechsel nur für Hockey auch nicht infrage. Ich könnte mir aktuell auch nicht vorstellen, zu einem Verein zu gehen oder zu irgendeiner Anlage zu fahren, wo ich keine Trainer habe, mit denen ich gerne zusammenarbeite oder wo mir komplett die Bindung zu fehlt. Das sage ich Stand jetzt. Die letzten zehn Jahre mit dem DSD waren sehr intensiv, man kennt jeden in diesem Verein. Es zieht mich nirgendwo anders hin. Ich weiß auch nicht, ob mich eine Deutsche Meisterschaft irgendwo anders mehr erfüllen würde, als mit dem DSD erfolgreich und stabil zu arbeiten.

Tobias Bergmann ist im zehnten Jahr Trainer der Herrenmannschaft des DSD Düsseldorf. Jüngst wurde er in Düsseldorf sportartübergreifend zum "Trainer des Jahres" gewählt. Foto: DSD
Der Deutsche Hockey-Bund ist allerdings schon auf ihr Trainer-Talent aufmerksam geworden. Dort sind sie als Co-Trainer der U16-Junioren-Nationalmannschaft aktiv. Ist das etwas, wo Sie sich auch langfristig sehen und dann auch weitere Schritte machen wollen?
Die Arbeit mit der U16 macht mir unfassbar Spaß. Tobi Jordan, der der U16-Bundestrainer ist, war mein Co-Trainer beim DSD. So kam das Engagement zustande. Ich finde es in erster Linie super spannend, diese großen Talente, aber auch pubertären Menschen, auf dem Weg in den Leistungssport zu helfen. Da eine Leitplanke für die Jungs zu sein, ihnen zu helfen, auch mit Zweifeln und Problemen umzugehen, die bei so einem Lehrgang oder Turnier auf sie zukommen, macht mir viel Spaß. Wo das hingeht für mich, weiß ich nicht. Der zusätzliche Aufwand ist mit meiner Familie schon grenzwertig. Diesen Job beim DHB macht man auch nicht, um seinen Lebensstandard zu erhöhen, sondern aus Leidenschaft. Ich werde in dieser Konstellation auch ins nächste Jahr gehen. Wo es dann für mich hingeht, weiß ich nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob ich in der U18 oder U21 noch mehr Spaß daran hätte.
Zurück in die Halle. Dort wartet am nächsten Wochenende ein schwieriges Programm auf Euch. Samstag zuhause gegen Krefeld, Sonntag in Mülheim. Wie geht der DSD die Woche und die beiden Spiele an?
Ganz normal wie jede Woche. Wir haben in der Vorbereitung gerade erst gegen Krefeld gespielt. Die Jungs wissen, wie man Spiele gewinnt. Das haben sie im letzten Jahr gezeigt. Aber auch da schauen wir, wo unsere Chancen liegen. Das Mülheim-Spiel gegen Gladbach habe ich mir schon angeschaut. Das war schon eine sehr stabile Leistung, bei den ganzen Leuten, die da fehlen. Ich traue uns in den beiden Spielen aber alles zu.
Vielen Dank für das Gespräch!







