Im Sommer veränderte Nicolas Proske seinen Wirkungsort vom TSV Mannheim Hockey zum UHC Hamburg. Auf Hallenhockey bezogen war das auch ein Wechsel von der defensiveren Ausrichtung der Süd-Liga hin zu einer offensiver eingestellten Nord-Liga. Der 29-jährige Stürmer, der als ausgesprochener Hallenspezialist gilt und mit dem deutschen Hallenteam im Februar 2025 Weltmeister wurde, beschreibt im Interview mit DHZ-Mitarbeiter Julius Hayner den Unterschied mit all seinen Vor- und Nachteilen. Den Wunsch, im Januar zum deutschen Kader für die Hallen-EM in seiner Heimatregion Heidelberg zu gehören, verbirgt Proske dabei nicht.
Herr Proske, die ersten beiden Wochenenden der Hallensaison sind absolviert. Haben Sie sich schon an die neue Liga, die Nord-Gruppe, gewöhnt?
NICOLAS PROSKE: Ja, aber es ist auf jeden Fall ein deutlicher Unterschied zur Süd-Liga. Die wird oft scherzhaft als „Brettleger-Liga“ bezeichnet, obwohl es eigentlich nicht der Fall ist. Man merkt aber schon, dass die Mannschaften hier im Norden sehr viel Wert auf die Offensive legen. Natürlich auch auf die Defensive, aber hier geht offensiv schon richtig die Post ab. Jedes Spiel ist sehr intensiv, verlangt einem alles ab. Das habe ich bisher auch in jedem Spiel gemerkt. Egal ob gegen Hannover, in Flottbek oder bei Alster. Hier muss man in jedem Spiel wirklich ans absolute Limit gehen.
Liegt Ihnen als Stürmer die offensivere Spielauslegung der Nord-Gruppe denn?
Das ist mir ehrlicherweise relativ egal. Ich habe im Süden schon gerne gegen die typischen Raumdeckungen gespielt, da man etwas mehr Handlungsspielraum hat und selbst viel mehr entscheiden kann. Gegen die überwiegenden Manndeckungen hier sieht es anders aus. Man muss schneller reagieren, hat weniger Zeit am Ball, die Laufwege sind intensiver und kraftraubender. Es ist auf jeden Fall anders, aber mir gefällt es.
Das zurückliegende Wochenende hatte für den UHC Licht und Schatten. Gegen Flottbek habt Ihr, auch dank ihres Treffers zum 7:7-Endstand, eine größere Enttäuschung noch verhindert und Euch dann für den kleinen Ausrutscher im Derby bei Alster rehabilitiert. Wie zufrieden seid Ihr mit der Ausbeute vom Wochenende?
Wir können in dem Sinne nicht ganz zufrieden sein, als dass das Spiel am Freitag überhaupt nicht das widergespiegelt hat, was wir eigentlich auf die Platte bringen wollen. Wir haben viel zu einfache Gegentore zugelassen und selbst den gegnerischen Torwart zum Helden geschossen. Es läuft gerade noch nicht ganz so rund wie in der Vorbereitung. Da waren wir schon ein paar Schritte weiter. Aber die Saison ist lang, und man sieht, dass sich alle noch etwas schwer tun, dass jeder gegen jeden schnell Probleme bekommen kann. Durch die Alster-Niederlage am Samstag, war das Spiel gegen die natürlich enorm wichtig, da wir mit einem Sieg schon eine Lücke schaffen konnten. Die Jungs haben schon vorher gesagt, dass das Derby in der Alster-Halle schon das stimmungsvollste Spiel der Saison ist. Für mich in etwa vergleichbar mit den Mannheimer Derbys. Der Sieg tat also besonders gut, auch mit Blick auf die nächste Aufgabe, wenn wir den HTHC vor der Brust haben. Allgemein ist jeder Punkt gegen einen direkten Konkurrenten in dieser Gruppe besonders wichtig. Somit war es ein äußerst versöhnlicher Abschluss des Wochenendes.

Nicolas Proske (rechts; mit Teamkamerad Fabio Reinhard) gibt offen zu, dass er viel lieber in der Halle als auf dem Feld Hockey spielt. Foto: Tischler
Wie schätzen Sie allgemein ihre Chancen in dieser Saison in der starken Nord-Gruppe, aber auch gruppenübergreifend mit Blick auf die gesamte Saison ein?
So weit zu denken, macht aus unserer Perspektive noch nicht allzu viel Sinn, da die Nord-Gruppe erst einmal schwer genug ist. Wir tun gut daran, von Spiel zu Spiel, von Punkt zu Punkt zu denken. Natürlich wollen wir ins Viertelfinale. Niemand tritt die Saison an, um einfach mal mitzuschwimmen. Mit der Einstellung kommt man nicht weit. Aber jetzt liegt der Fokus voll bei uns. Wir haben gute Chancen, uns für das Viertelfinale zu qualifizieren, die wollen wir nutzen. Wenn man dann im Viertelfinale ist, kann man weiter planen. Aber auch da werden in jedem Fall starke Teams aus dem Westen auf uns warten. Wir sind gut besetzt, wären natürlich noch stärker, wenn wir unsere Jungs aus dem A-Kader und der U21 dabei hätten, aber das gilt ja für andere Mannschaften genauso. Unsere Mannschaft ist sehr gut und ausgewogen. Wir haben natürlich viele Jungs, die offensiv gerne viel Alarm machen. Wenn es dabei nicht immer ganz so läuft wie erhofft, müssen wir aber aufpassen, dass wir die Defensive nicht vernachlässigen. Das ist ein schmaler Grat. Wir sind also gut beraten, bei aller offensiven Qualität trotzdem immer unsere Hausaufgaben in der Abwehr zu erledigen.
Ich verleite Sie jetzt aber doch einmal, ganz weit zu denken, vielleicht sogar ein bisschen zu träumen: Ein Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen den Ex-Verein TSV Mannheim, die in der Halle auch immer zum Favoritenkreis zählen, läge durchaus im Bereich des Möglichen. Wäre das für Sie ein Traumfinale?
Ehrlicherweise versuche ich das schon so gut wie möglich auszublenden. Das wäre wahrscheinlich ein großer Traum und der Worst Case gleichzeitig. Es würde bedeuten, dass ich wieder im Deutschen Finale stehe, nachdem ich bereits zwei verloren habe. Dann noch gegen den alten Verein. Das wäre ziemlich viel auf einmal. Da wäre es dann die Frage, wem ich es mehr gönnen würde: Mir oder meinem Verein, der sonst das dritte Finale verlieren würde? Wahrscheinlich dann eher mir (lacht). Ein Teil von mir würde es sich also schon wünschen, dass es so kommt, auf der anderen Seite muss es auch nicht unbedingt sein.
Sie sind in Deutschland bekannt als absolut begnadeter Hallen-Spezialist. Freut Sie das, wenn man das über sie sagt, oder haben Sie das Gefühl, dass Sie dann eher nur darauf reduziert werden?
Damit habe ich überhaupt gar kein Problem, im Gegenteil, ich würde mich dagegen niemals wehren. So ein Attribut nimmt man doch gerne mit. Ich sage selbst scherzhaft, dass ich die restlichen Monate nur Hockey spiele, damit ich auch in der Halle wieder spielen kann. Es macht mir in der Halle auch einfach deutlich mehr Spaß. Ich kann gar nicht beschreiben, warum, beziehungsweise woran das liegt. Das war schon zu Jugendzeiten so. Ich hätte sogar nichts dagegen, wenn die Leute sagen würden, dass ich kein guter Feldhockeyspieler bin. Wenn ich auf dem Platz bin, versuche ich einfach immer mein Bestes zu geben. In der Halle klappt das oftmals ein bisschen besser.
Ihr Hallen-Talent hat Sie auch in die Hallen-Nationalmannschaft gebracht und im Frühjahr zum Weltmeister gemacht. Im nächsten Monat steht das nächste große Hallen-Turnier vor der Tür: die Europameisterschaft im eigenen Land. Ein Turnier, das Sie auf jeden Fall im Auge haben?
Definitiv. Vor allem, weil es auch direkt neben meiner Heimat stattfindet. Heidelberg ist nur ein Steinwurf von Mannheim entfernt. Das ganze Turnier wirft schon seinen Schatten voraus. In der neuen Halle mit 5000 Zuschauern, der Finaltag ist schon ausverkauft. Das ist etwas, das würde ich mir nur ungern entgehen lassen. Ich warte die Nominierung also ab und wünsche mir, dass ich dabei bin. Ich hoffe, dass ich bei der Weltmeisterschaft einen guten Eindruck bei den Bundestrainern hinterlassen habe. Aber es liegt ganz bei ihnen. Ich würde mich natürlich unheimlich freuen. Das wäre nochmal etwas ganz Besonderes, weil meine ganze Familie dann auch dabei wäre.

Nicolas Proske läuft seit Spätsommer 2025 im Trikot des UHC Hamburg auf. Foto: UHC
Seit dem Sommer gehen Sie - nicht nur in der Halle, sondern auch auf dem Feld - für den UHC Hamburg erfolgreich auf Torejagd. Ein Wechsel, der durchaus überraschend kam, hatte man Sie schon fast auf ewig beim TSV Mannheim verortet. Wie kam es zu diesem Wechsel?
Ich kann mir vorstellen, dass der Schritt von außen überraschend kam. Aber ich bin mittlerweile 29 Jahre alt und muss auch an meine eigene Zukunft denken. Es war klar, dass falls ich den TSV jemals verlasse, es weder rein sportliche oder finanzielle Gründe, sondern einen beruflichen Hintergrund haben wird. Ich bin in den letzten Zügen meines Master-Studiums in Sport-Businessmanagement und dementsprechend auf der Suche nach einem Job in der Branche. Da ist die Auswahl in der Region, wenn man nicht bei den Adler Mannheim oder den Rhein-Neckar-Löwen unterkommt, relativ dünn. Deswegen habe ich mich schon frühzeitig mit Alternativen beschäftigt, falls das nicht klappt. Und da kommt einem in der Sport-Branche ziemlich schnell Hamburg in den Kopf. Ich kannte dann die UHC-Jungs von der Hallen-WM, hatte auch mit Paul Kaufmann, Niklas Garst und Co. zusätzlich viele Freunde bereits in Hamburg, sodass man dann mal vorsichtig die Gespräche aufgenommen hat, ob es da auch berufliche Perspektiven für mich gibt. Das war dann beim UHC der Fall, die mir einen Job bei „Hyrox“ vermittelt haben, wo ich seit August nun arbeite. Ich fühle mich sehr wohl mit der Entscheidung. Das Team ist super, und für mich lässt es sich gut vergleichen mit dem TSV, da es auch sehr familiär und geschlossen ist. Es brauchte Einiges, um mich vom TSV wegzubekommen. Beim UHC ist es genau das familiäre Umfeld, mit dem ich mich schnell anfreunden konnte. Ich fühle mich sehr wohl und würde die Entscheidung immer wieder genauso treffen.
Blicken wir zum Abschluss noch auf das kommende Wochenende. Der UHC empfangt zuhause den Harvestehuder THC. Würden Sie es schon als Endspiel um Platz eins betiteln? Zumindest hätte der HTHC bei einem Sieg schon fünf Punkte Vorsprung auf Euch.
Auf keinen Fall. Der HTHC muss auch noch zweimal gegen Alster, in Hannover und danach noch einmal gegen uns spielen. Das ist noch nicht das Finale um den ersten Platz, dafür gibt es noch genug Spiele. So weit würde ich also nicht gehen. Wir wollen aber definitiv gewinnen. Wenn man im Norden Erster werden will, sollte man zusehen, dass man seine Heimspiele gewinnt und gucken, wie viele Punkte man in den gegnerischen Hallen klauen kann. Den Grundstein sollte man aber zuhause legen. Das wollen wir am Samstag umsetzen.
Vielen Dank für das Gespräch!







