Wäre die Sache mit dem Werbebanner nicht gewesen, hätten die Verantwortlichen der Hockeyliga über das „Volvo E.R.B. Final4 2026“ von einer rundum gelungenen Veranstaltung sprechen können. Immerhin war es mit knapp 4000 verkauften Zuschauertickets für Samstag und 4112 am Sonntag „der zweitbeste Wert in den letzten vier Jahren“, wie Geschäftsführer Manuel Wilhelm den Vergleich zum Publikumszuspruch bei den drei zuvor in der Süwag Energie Arena in Frankfurt abgehaltenen Finalturnieren um die Deutsche Hallenmeisterschaft zog und die angestrebte Zielmarke erreicht sah.
Angenehm war die Szene aus dem ersten Damen-Halbfinale für niemanden. Als Selin Oruz auf dem in der Spielfeldmitte aufgeklebten Werbebanner eines Eventsponsors wegrutschte und angeschlagen am Boden liegenblieb, schreckte nicht nur die Düsseldorfer Kapitänin auf, sondern auch Mitspielerinnen, Zuschauer und natürlich die Verantwortlichen der Hockeyliga. Der kreisrunde Aufkleber hatte sich bei der Aktion zum Teil vom Hallenboden abgelöst. Es wurden auch gar keine Versuche vorgenommen, die Werbebotschaft wieder herzustellen. Ruckzuck war der Rest des einige Quadratmeter großen Aufklebers vom sportlichen Turnierleiter Daniel Gass abgelöst und neben dem Spielfeld deponiert worden – als Restmüll. Hockeyliga-Präsident Dirk Wellen sprach später von einem „kleinen Aufreger zu Beginn“, schließlich wäre es ja glimpflich ausgegangen: „Wir sind froh, dass Selin weiterspielen konnte, am Ende dann mit ihrem Team sogar Meister wurde und zur Spielerin des Turniers gewählt worden ist“, so Wellen.
Der Aufkleber sei professionell hergestellt und von Fachpersonal aufgebracht worden, daher könne man sich auch keinen Fehler vorwerfen. „Solche Dinge passieren leider, das passiert auch in anderen Sportarten. Es ist immer der Spagat zwischen der Vermarktung der Sportart, die notwendig ist, dass man solche Events auf die Beine stellen kann, und dem, was vielleicht die Kerninteressen der Sportlerinnen und Sportler sind. Wir werden das analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen“, merkte Manuel Wilhelm an.

Mit dick bandagiertem Oberschenkel, aber immerhin bis zum Ende einsatzfähig trotz ihres Unfalls im Halbfinale, konnte Düsseldorfs Kapitänin Selin Oruz am Ende den Meisterwimpel für ihr DHC-Team in Empfang nehmen. Foto: F.Ebeling
Die Diskussion, ob die Hockeyliga nach vier DM-Events in Frankfurt einen Standortwechsel für das Hallen-Event ins Auge fassen sollte (wie er eigentlich schon für 2026 mit Hannover ernsthaft im Gespräch war, ehe das Vorhaben aus technischen Gründen wieder abgeblasen werden musste), sehen die beiden Hockeyliga-Verantwortlichen zwiespältig. „Wir haben viele Alternativen geprüft. Das ist von außen auch immer ein bisschen leichter beschrieben als in der Realität, weil viele der Alternativen, die da diskutiert werden, existieren in der Realität nicht, weil die Hallen dann für die Termine, die wir suchen, nicht verfügbar sind oder nicht passend. Wir haben jetzt eine Liste von möglichen Kandidaten fürs nächste Jahr. Da werden wir in den nächsten Wochen ganz entspannt eine Entscheidung treffen“, sagt Wilhem zum Prozess. Fügt aber sogleich an: „Frankfurt sollte man nicht abschreiben, weil das einfach ein toller Standort ist. Und wenn es dann nochmal in Frankfurt stattfinden sollte, wäre das mit Sicherheit keine negative Entscheidung.“ Auch Wellen spricht von einem „wunderbaren Halle“, die logistisch für alle Regionen in Deutschland gut erreichbar wäre. „Von daher ist das für diese Entwicklungsphase der Liga idealer Standort“, so der Ligapräsident.
Auch ein sportliches Fazit durfte nicht fehlen. „Meine Analysen als Hockey-Quereinsteiger sind natürlich deutlich oberflächlich, aber was mich wirklich beeindruckt, ist, wie eng die Teams zusammen sind. Also hier war, glaube ich, bis auf das eine Spiel Köln gegen BHC alle Spiele wirklich super eng und sind erst in der Schlussphase entschieden worden. Und ich wage zu behaupten, dass selbst von den Viertelfinalisten viele, die da ausgeschieden sind, heute wahrscheinlich ein paar im Finale hätten stehen können. Das finde ich sehr beeindruckend, weil es wirklich zeigt, dass die Vereine in der Breite eine super Arbeit machen. Ich habe auch viele Leute hier mitgebracht oder kennengelernt, die auch nicht aus dem Hockey kommen und die einfach Spaß haben, diese spektakuläre Variante des Hockeys zu sehen. Selbst wenn längere Zeit mal kein Tor fällt, ist es trotzdem toll anzugucken“, so Manuel Wilhelm.

Die Damen-Halbfinalpartie zwischen RotWeiss Köln (am Ball Sophie Prumbaum) und Berliner HC (links Elissa Mewes) war das einzige der sechs Endrundenspiele, wo es nicht bis zur letzten Sekunde spannend war. Foto: Woldsportpics
„Es fehlen ja sozusagen die 50 besten Spielerinnen und Spieler in Deutschland, weil die mit den Nationalteams unterwegs sind. Und die, die jetzt hier waren, die haben total abgeliefert“, hob Dirk Wellen das hohe sportliche Niveau des Final-Four 2026 hervor.
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