Zum 16. Mal lässt der Weltverband FIH Weltmeisterschaften im Feldhockey für Damen und Herren ausspielen. Zweimal gingen bisher die Word-Cup-Events für beide Geschlechter zur gleichen Zeit am gleichen Ort über die Bühne: In Utrecht 1998 und in Den Haag 2014. Und auch bei der jetzt kommenden dritten Auflage einer Doppel-WM sind die Niederlande mit Amsterdam wieder als Ausrichter im Spiel. Doch diesmal kommt noch ein weiterer Gastgeber dazu: Belgien als Co-Ausrichter mit seinem neuen Hockeyzentrum Wavre.
32 Mannschaften aus 20 Nationen bewerben sich bei dieser Doppel-WM in zwei Nationen um die beiden Siegertrophäen. Genau 100 Spiele, exakt zur Hälfte auf beide Ausrichter verteilt, stehen zwischen 15. und 30. August auf dem Programm, ehe in Amsterdam bei den Damen und in Wavre bei den Herren die beiden Weltmeister 2026 gekürt werden.
Teilnehmer und Publikum müssen sich auf ein neues Turnierformat einstellen. Gleich wie bei den beiden WM-Auflagen 2018 und 2022 ist lediglich, dass die pro Konkurrenz 16 Mannschaften in vier Vierer-Vorrundengruppen eingeteilt sind. Danach geht es anders weiter als zuletzt, wo sich die Drittplatzierten der Gruppe noch über ein Crossover-Match gegen einen Tabellenzweiten für das Viertelfinale qualifizieren konnten und die Gruppensieger direkt in die K.O.-Runde der besten Acht eingezogen waren. Diesmal sind die Dritt- und Viertplatzierten einer Gruppe raus aus dem Titelrennen und bestreiten anschließend lediglich noch Platzierungsspiele um die Plätze 9 bis 16. Die Gruppen-Ersten und -Zweiten ziehen in die Zwischenrunde ein und treffen dort auf die beiden Besten einer anderen Gruppe. Das Resultat vom Vorrundenduell gegen den anderen Qualifikanten der eigenen Gruppe wird „mitgenommen“. Am Ende der zwei Zwischenrundengruppen bestreiten die Erst- und Zweitplatzierten überkreuz das Halbfinale und die Sieger hieraus dann das WM-Endspiel. Bis zum Titel sind es pro Team maximal sieben Spiele.
Da die Zuordnung der Gruppen für die Zwischenrunde bereits erfolgt ist, kann sich jeder schon einmal ausrechnen, auf welche Gegner man in der zweiten Turnierphase treffen würde.
Wir spielen das für die beiden deutschen Mannschaften, die sämtliche Vor- und Zwischenrundenspiele im belgischen Wavre bestreiten werden, einmal durch. Die DHB-Damen treffen in Gruppe B auf Schottland, Argentinien und USA (in dieser Reihenfolge). Sollte die Mannschaft von Bundestrainerin Janneke Schopman den ersten oder zweiten Tabellenplatz belegen, würde sie in der Zwischenrundengruppe F auf die beiden Gruppenbesten der Gruppe C (Belgien, Spanien, Neuseeland und Irland) treffen.
Bei den Herren hat es WM-Titelverteidiger Deutschland zunächst in Gruppe B mit Malaysia, Belgien und Frankreich (in dieser Reihenfolge) zu tun. Landet das Team von Bundestrainer André Henning auf einem der ersten beiden Plätze, ginge es in der Zwischenrundengruppe F gegen die beiden Besten der Gruppe C (Australien, Spanien, Irland, Südafrika) weiter.
Frühestens in einem Halbfinale könnten die deutschen Mannschaften in Amsterdam spielen.
In offizieller Mission sind neben den beiden Teams bei der WM aus Deutschland noch Sonja Schwede und Christian Deckenbrock (beide Technical Officer) und Udo Rolle (Medical Officer) in der Turnierorganisation tätig. Ben Göntgen ist der einzige Deutsche unter 26 WM-Schiedsrichtern.

17. Juli 2022 in Terrassa/Spanien: Die niederländischen Damen haben unter Führung des deutschen Interimstrainers Jamilon Mülders (hinten; Zweiter von links) zum dritten Mal in Folge und insgesamt zum neunten Mal die Weltmeisterschaft gewonnen. Die deutschen Damen verpassten als Vierter knapp eine Medaille. Foto: Worldsportpics
Historie: Nur Deutschland und die Niederlande immer dabei
Nur Deutschland und die Niederlande haben bislang an allen 30 Weltmeisterschaftsturnieren der Damen und Herren teilgenommen. Bei den Damen, die 1974 ihre erste FIH-WM durchgeführt haben (zusätzlich gab es noch 1971, 1975 und 1979 WM-Turniere des eigenständigen und 1983 aufgelösten Damenweltverbandes IFWHA), waren in 15 World-Cup-Events insgesamt 29 Nationen am Start. Nur Argentinien, Deutschland und Niederlande konnten sich immer qualifizieren. Bei den Herren nahmen seit der WM-Premiere 1971 zusammen 27 Nationen an den Weltmeisterschaften teil, lediglich Deutschland, Indien, Niederlande und Spanien schafften zu allen 15 WM-Events die sportliche Qualifikation.
In die Siegerliste konnten sich bislang nur vier Nationen bei den Damen und sechs bei den Herren einschreiben. Die Niederlande sind bei den Damen mit neun WM-Titeln die mit Abstand erfolgreichste Nation. Je zwei Mal konnten Argentinien, Australien und Deutschland (1976, 1981) triumphieren.
Bei den Herren ist Pakistan mit vier Titeln (zuletzt 1994) immer noch Rekordsieger. Doch nun könnte eine der aktuell führenden Nationen aufschließen: Australien, Niederlande und Deutschland (2002, 2006, 2023) haben je drei Mal gewonnen, dazu kommen Indien und Belgien mit je einem Titel.

29. Januar 2023 in Bhubaneswar/Indien: FIH-Präsident Tayyab Ikram überreicht dem deutschen Spielführer Mats Grambusch den Weltmeister-Pokal für die deutschen Herren. Wer darf am 30. August 2026 die imposante Siegertrophäe in die Höhe strecken? Foto: Worldsportpics
Einschätzungen der beiden Bundestrainer
„Für uns ist es am wichtigsten, dass wir unser eigenes Spiel spielen, und dann ist es egal, ob wir gegen Schottland, USA oder Argentinien spielen. Unsere eigene Stärke muss sein, geduldig zu bleiben und zu wissen, dass wir die Qualitäten, die Fähigkeiten und auch die Physis haben, um solche Gegner zu schlagen. In den letzten zwei Jahren waren wir, wie auch bei der EM, manchmal sehr gut, hatten aber auch unsere Schwächephasen. Das Ziel ist, auf einer Skala von 1 bis 10 konstant nicht unter 6 zu performen. Eine 5 oder eine 4 sollte nicht auftauchen. Wenn das eintritt, sind wir ein sehr schwerer Gegner für alle.“
Damen-Bundestrainerin Janneke Schopman über das Herangehen
„Bei der WM kommen sechs, sieben, acht Teams zusammen, wo jeder jeden schlagen kann. Fokussieren wir uns also am besten auf die Dinge, die wir beeinflussen können. Wir haben in den dicken Spielen und unter dem größten Druck extrem stabil gehandelt. Wir sind mutig aufgetreten und haben gleichzeitig herausragend verteidigt, bestenfalls ziemlich gute Ecken-Quoten. Wir haben Momente kreiert, die Menschen begeistern und mitreißen, bestenfalls auch uns selbst.“
Herren-Bundestrainer André Henning über seine Idealvorstellung eines Turnierverlaufs







