Mit einem hochverdienten 4:1 (2:0)-Sieg über Spanien beendeten die deutschen Damen am Montag die Zwischenrunde F als Tabellendritter und werden nun am Donnerstag (15 Uhr) in Amsterdam das Spiel um Platz 5 gegen Indien bestreiten.
Das Spiel begann mit quasi vertauschten Rollen. Die Mannschaft, die im ersten Viertel richtig auf die Tube drückte, bissig und zweikampfstark war, das waren nicht die Spanierinnen. Für die Wahrung einer Halbfinalchance hätten die Ibererinnen auf Torejagd gehen müssen. Doch es waren die deutschen Damen (ohne die im Belgien-Spiel verletzten Wiedermann und Heusgen, dafür mit Kurz und Strauss im Kader), die sich die Enttäuschung über das feststehende Aus aller Medaillenträume aus den Beinen lief und den deutlich besseren Start erwischten. Dank einer hellwachen Einstellung und mutigem Pressing kamen sie zu vielen schnellen Ballgewinnen schon an der spanischen Viertellinie.
Die verdiente Führung (nach immerhin schon drei deutschen Ecken in den ersten drei Minuten) gab es dann aber nach einem Konter. Spanien war ausnahmsweise mal in die Offensive gekommen, und nach deutschem Ballgewinn am eigenen Kreis ergab sich viel Platz im Gegenzug für die im Mittelfeld angespielte Lynn Krings. Die Stürmerin lief schnurstraks in den Kreis und schrubbte den Ball im Fall vorbei an Torhüterin Perez ins lange Eck – 1:0 (5.).

Lynn Krings bei ihrem 1:0-Treffer gegen Spanien. Foto: Worldsportpics
Deutschland blieb bei seiner Linie und hätte wieder durch Krings schnell nachlegen können. Ihren freien Nachschuss nach Zimmermann-Abschluss parierte Perez mit einem Reflex vor der Linie (8.). Keine Chance hatte die Torsteherin dann gegen Sara Strauss, die nach schöner Vorarbeit von Zhong und Micheel zum 2:0 (14.) einschob. Zur ersten Viertelpause standen erstaunliche 10:4 Kreiseintritte und 8:2 Torschüsse in der Statistik.
Ganz so schwungvoll ging es im zweiten Viertel nicht mehr weiter, aber auch ohne eine Vielzahl weiterer Torchancen hatte Deutschland die Partie weiter gut unter Kontrolle. Die erste spanische Ecke (von Starck sicher pariert/29.) war eine Ausnahme, im Gegenzug verpasste Krings das 3:0 nur knapp.
In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel auf beiden Seiten zerfahrener, wozu auch die beiden Schiedsrichterinnen mit einer Vielzahl an unverständlichen Pfiffen (gegen beide Seiten; mehrheitlich „litt“ aber Deutschland) ein ordentliches Maß an Schuld trugen. Dazu zählte auch der Siebenmeterpfiff in der 41. Minute, als Weidemann (die ein paar Minuten zuvor kurz davor war, ihr erstes Länderspieltor zu erzielen) die Spanierin Petchame nach Ansicht von Schiedsrichterin Venter strafwürdig foulte. Xantal Gine verwandelte gegen die zur Pause wie bereits in jedem Spiel zuvor eingewechselte Kubalski zum 1:2 (41.).
Keine 20 Spielsekunden später hatte Deutschland seinen Zwei-Tore-Vorsprung zurück. Über rechts ging es mit Krings und Nolte ganz schnell. Als der Flankenball abgefälscht vor die Füße von Jette Fleschütz fiel, drückte die Jubilarin aus wenigen Metern Torentfernung zum 3:1 (42.) ein. Vor der Partie hatte Fleschütz für ihr 100. Länderspiel Blumen von DHB-Präsident Henning Fastrich erhalten. Mit ihrem dritten Turniertor und ihrem 26. Treffer insgesamt belohnte sich die Stürmerin gleich noch selber.
Und es hätten in der Phase, in der Spaniens Abwehr zeitweise in einer Art Selbstauflösung zu befinden schien, durchaus noch mehr sein können. Immerhin reichte es vor der letzten Viertelpause noch zum 4:1, als Hachenberg und Fleschütz für Torschützin Johanna Hachenberg auflegte (42.).
Deutschland schien auch im Schlussviertel weiter Hunger und Kraft auf noch mehr Tore zu haben. Fleschütz, Micheel, Nolte und von der Heyde waren nah dran am 5:1, während von Spanien bis auf eine Doppelecke (47.) und eine Feldchance (58.) offensiv nichts mehr zu bieten hatte. Am Ende standen 16:7 Torschüsse und 29:14 Kreiseintritte sowie 3:3 Ecken im Protokoll, die die Verdientheit des deutschen Sieges belegten.
100 Länderspiele von Jette Fleschütz und der 4:1-Sieg über Belgien dürfen gefeiert werden. Foto: Worldsportpics
Stimmen
Janneke Schopman: "Das Spiel gegen Belgien hat uns ein paar Dinge aufgezeigt. Wir haben noch nicht die Erfahrung, gegen so einen Gegner und so eine Kulisse zu bestehen. Wir müssen uns vielleicht auch von dem Gedanken lösen, immer alles perfekt zu machen. Gerade in diesen Spielen gegen Top-Teams. Wir müssen bei uns bleiben. Heute ist uns das sehr gut gelungen. Wir haben das Ballbesitz-Hockey der Spanierinnen nicht zugelassen, sondern selber die Initiative ergriffen und nach vorne gespielt."
Jette Fleschütz: "Ich bin einfach nur froh, dass wir heute gewonnen haben. An mein Jubiläumsspiel habe ich dabei eigentlich nicht gedacht. Nach der Niederlage gegen Belgien haben wir uns gemeinsam wieder herausgezogen. Das war wichtig."
Linnea Weidemann: Ich bin einfach stolz auf die Mannschaft, dass wir hier das jetzt so abgerissen haben, weil die letzten zwei Tage nicht ganz so einfach für uns waren. ich glaube, dass es unserer jungen Truppe noch hilft, wenn wir keinen oder nicht so viel Druck haben. Die Spanierinnen hatten heute extremen Leistungsdruck Sie wussten, dass die wirklich viele Tore schießen musste, und den Stecker haben wir ihnen direkt am Anfang gezogen“







