Ein guter Schluss ziert bekanntlich alles. Den deutschen Damen ist solch ein guter Abschluss bei der 16. Weltmeisterschaft nicht gelungen. Im Spiel um Platz fünf unterlagen sie am Donnerstagnachmittag in Amsterdam gegen Indien mit 1:3 (0:0). Innerhalb von vier Spielminuten kassierten die Danas in der zweiten Hälfte drei Treffer, das späte Anschlusstor durch Lynn Krings half nichts mehr.
Beide Mannschaften taten sich im ersten Viertel schwer, gefährliche Offensivszenen zu erarbeiten. Indien war durch eine Rechtsflanke, bei der Weidemann im letzten Moment Schlimmeres vor der eingelaufenen gegnerischen Stürmerin verhindern konnte (5.) fast näher an einem Führungstreffer dran als Deutschland, wo es durch Strauss (7.) und Hachenberg (10.) erste nennenswerte Kreisszenen gab. Zwei Sekunden von Ablauf der ersten Viertelstunde erzwang Jette Fleschütz, die lange auffälligste deutsche Spielerin, dann die erste Strafecke. Indiens Versuch, das Ganze per Videobeweis rückgängig zu machen, führte zum Verlust der Einspruchsmöglichkeit für den Rest des Spiels. Schlimme Auswirkungen hatte dies letztlich keine. Deutschland machte aus der ersten Ecke (Micheel-Schuss; geblockt) wenigstens die zweite, die dann bei Hereingabe und Notabspiel völlig gefahrlos im Sande verlief.
Das Gleiche passierte den DHB-Damen in der 19. Minute, als Hachenberg die vierte Ecke herausholte, sie aber durch eine komplett misslungene Hereingabe (Bundestrainerin Schopman beklagte hinterher die Probleme ihrer Spielerinnen, mit dem zum Untergrund in Wavre wohl etwas unterschiedlichen Platzbedingungen im Wagener-Stadion klarzukommen) wieder herschenkte. Durch Wanner gelang dann ein erster brauchbarer Abschluss Richtung Tor, wenngleich der Ball doch weit über die Latte in den Fangzaun zischte (21.). Bald danach war Starck doppelt gegen Deepika und Lalresiami gefordert, parierte deren gefährliche Schüsse aber glänzend (22.). Das war es an nennenswerten Abschlüssen bis zur Halbzeit, was auf deutscher Seite auch viel daran lag, dass nach eroberten Bällen in der indischen Hälfte (und da gab es reichlich) in der Anschlusshandlung oft Ruhe und Genauigkeit fehlten.
In den ersten zwölf Minuten des dritten Viertels wurden die deutschen Offensivbemühungen zwingender, entschlossener. Indien kam phasenweise überhaupt nicht mehr aus seiner Hälfte heraus. Krings spielte nach langem Schlenzanspiel von Weidemann die Zwei-gegen-Eins-Überzahl zusammen mit Strauss nicht sauber genug aus, in dieser Szene war viel mehr drin (34.), auch bei einer Hundekurve von Davidsmeyer bis an die Grundlinie in Tornähe (36.). Nach feiner Vorbereitung von Zhong hatte Micheel mit der Rückhand eine gute Abschlusschance, die im letzten Moment zur langen Ecke geblockt wurde (40.). Dann hatte von der Heyde zusammen mit Zhong Pech, dass sie eine gute Fleschütz-Flanke in der Mitte nicht Richtung Kasten blocken konnte (42.). Angesichts der drückenden optischen Überlegenheit war diese deutsche Kreis-Ausbeute eigentlich immer noch zu wenig.

Indiens Ishika bejubelt zusammen mit Kapitänin Salima Tete (Nr. 30) ihr 1:0 gegen Deutschland. Lisa Nolte (links) und im Bild leider abgeschnitten Torhüterin Nathalie Kubalski können nichts mehr machen. Foto: Worldsportpics
Die bittere Bestrafung folgt in der 43. Minute. Indien hatte auf Höhe der Mittellinie den Ball und sah, dass sich in der deutschen Abwehrmitte plötzlich eine große Lücke auftat. Mit einem Steckpass wurde Ishika auf Reise geschickt. Keine deutsche Spielerin konnte mehr das nötige Tempo entwickeln, um das Eins-gegen-Eins der indischen Angreiferin mit Torhüterin Kubalski zu unterbinden. Ishika blieb bleib Abschluss cool und überwand die wie in allen bisherigen WM-Spielen zur Pause eingewechselte deutsche Keeperin mit einem hohen Rückhandschrubber zum 0:1.
Ein Wirkungstreffer, denn gleich in der Folgeminute hatte Indien erneut viel Platz, um den Ball in den Kreis zu bringen, die Folge war die erste Ecke für die Asiatinnen. Den Schlag von Navneet Kaur konnte Läuferin Wanner noch schmerzhaft und mit Folge der zweiten Ecke aufhalten, beim folgenden zweiten Eckenschlag passte für Indien dann alles. An den Schienen der liegenden Kubalski vorbei schlug der Ball an der oberen Brettkante im deutschen Kasten ein – 0:2 (44.).
Die letzte Viertelpause trug offenbar nicht dazu bei, das durch den Doppelschlag natürlich hart getroffene deutsche Team wieder sattelfest zu machen. Schon in der zweiten Minute des Schlussviertels lag der Ball ein drittes Mal im deutschen Kasten. Wieder hatte Indien reichlich Platz vor und im gegnerischen Kreis. Am Ende störte keine deutsche Spielerin Navneet Kaur dabei, wie sie vor Kubalski ganz abgeklärt die Torhüterin zum 0:3 (47.) überlupfte.
Die Danas versuchten Schock und Wut in Angriffspower umzuwandeln, was in den letzten zehn Minuten auch ganz ordentlich gelang. Vor allem Lynn Krings setzte sich ein paar Mal zwingend durch. Dass sie 70 Sekunden vor Schluss dann im Nachschuss an einen parierten Strauss-Abschluss den Nachfasser zum 1:3 (59.) n den Kasten hämmerte, war ihr persönlich verdienter Lohn. Und zehn Sekunden vor Schluss prallte ein Nolte-Stecher nach der sechsten deutschen Strafecke an den Pfosten. Pech. Doch die Niederlage hätte auch ein 2:3 nicht mehr verhindern können.
Ihre statistischen Vorteile (6:2 Ecken, 12:9 Schüsse, 25:14 Kreiseintritte) konnte die deutsche Mannschaft diesmal nicht gewinnbringend nutzen. „Wir waren erschöpft“, gestand Kapitänin Linnea Weidemann im TV-Interview ein.
Indien feierte dagegen seinen erst dritten Länderspielsieg (im 22. Duell mit Deutschland) und mit Platz fünf die beste WM-Platzierung seit dem vierten Rang 1974.
Für die DHB-Damen ist Platz sechs eine Veränderung um zwei Plätze nach unten zum WM-Abschneiden 2022 (Vierter).
Emma Davidsmeyer (in weiß) und die indische Doppeltorschützin Navneet Kaur. Foto: Worldsportpics
Stimmen
Bundestrainerin Janneke Schopman: „Wir hatten Schwierigkeiten mit dem Platz zu Anfang, im dritten Viertel dominieren wir eigentlich, und dann sind es Details, die entscheiden. Nach dem ersten Gegentor war die Luft raus, die Mannschaft hat es weiterhin versucht, aber es hat heute nicht gereicht. Ich bin weiterhin überzeugt davon, dass die Mannschaft eine große Zukunft vor sich hat, und was es braucht, um solche Spiele wie dieses und auch das gegen Argentinien zu gewinnen, ist auch Erfahrung, und das kommt denke ich auch mit der Zeit.“
Lena Micheel: „Wir sind natürlich enttäuscht, wir hatten das Ziel, uns heute einen letzten Sieg und den Platz 5 zu sichern. Wenn wir unsere Chancen, auch aus den Ecken, besser nutzen, wird es auch ein anderes Spiel. In der ersten Halbzeit war es ein schwieriger Start. Dass die Inderinnen die Skills haben, das Momentum auf ihre Seite zu ziehen, wussten wir auch im Vorhinein schon.“







