27.08.2026 - Der erwartete Einzug der niederländischen Damen ins WM-Endspiel wird am Donnerstag von einer zweifelhaften Szene begleitet. Bei ihrer 0:1-Niederlage sehen sich die belgischen Damen eines vermeintlichen Ausgleichstreffers vier Minuten vor Schluss durch einen Videobeweis beraubt. Auch Argentinien schafft es durch ein 1:0 über Australien ins Finale. Derweil verlieren Deutschlands Damen ihr Spiel um Platz 5 gegen Indien.
Chile muss das Damenturnier als Rankingletzter abschließen. Im Spiel um Platz 15 gegen Neuseeland in Amsterdam kann Manuela Urroz mit zwei Treffern im dritten Viertel (37./45.) die Südamerikanerinnen mit 2:1 in Führung bringen. Aber das reicht nicht zum Sieg. Kaitlin Cotter (E, 10.), Riana Pho (E, 50.) und Katie Doar (57.) bringen die Sache für Neuseeland noch zum ersten Spielgewinn bei dieser WM. Platz 15 ist im Vergleich zu Rang 5 vor vier Jahren allerdings eine deutliche Verschlechterung für die „Kiwis“. Chile, das in der Vorrunde immerhin ein 4:4 gegen Halbfinalist Australien erkämpfte, schließt sieglos als 16. nur unwesentlich schwächer ab als bei seiner WM-Premiere 2022 als Nummer 13.
Platz 13 erkämpft sich in Wavre das Team aus Irland mit einem 1:0-Sieg über Südafrika. Michelle Carey erzielt bereits nach 14 Minuten das Tor des Tages. Im Endklassement landet der irische Überraschungsvizeweltmeister von 2018 diesmal zwei Positionen schwächer als vor vier Jahren. Für Südafrika ist Platz 14 ein Rang besser als 2022.
Einen glücklichen 2:1 (1:0)-Sieg im Spiel um Platz 11 landet in Amsterdam Japan gegen Schottland. Miyu Suzuki (7m, 11.) und Akari Nakagomi (50.) bringen die Asiatinnen 2:0 in Front, ehe die Schottinnen durch Elli Mackenzie (E, 58.) noch verkürzen, aber aus ihrer drückenden Überlegenheit (7:1 Ecken, 14:4 Torschüsse, 29:4 Kreiseintritte) zu wenig machen. Schottland landet wie bei seiner letzten WM-Teilnahme vor 24 Jahren erneut auf Rang 12. Auch Japan wiederholt als Elfter sein Resultat von vor vier Jahren.
Nach dem Verpassen der Zwischenrunde macht England aus seiner Enttäuschung das Bestmögliche und kommt nach zwei Siegen in der Platzierungsrunde schließlich auch im Spiel um Rang 9 noch zu einem Erfolg. In Wavre wird die USA mit 3:1 (2:1) geschlagen. Elizabeth Neal (E, 11.), Lily Owsley (E, 25.) und Tessa Howard (E, 51.) nutzen drei Standards, auch der zwischenzeitliche Ausgleich der US-Damen durch Ryleigh Heck (E, 20.) entsteht per Ecke. Für die Britinnen geht es im Vergleich zu 2022 (Platz 8) ein bisschen nach unten, die Amerikanerinnen verbessern sich als Zehnter um vier Plätze.
Ein kurioses Ende nimmt das Spiel um Platz 7 zwischen China und Spanien. Nachdem es in Wawre nach Toren von Marta Segu zur spanischen Führung (15.) und dem chinesischen Ausgleich durch Anhui Yu (30.) bis zum Schlusspfiff 1:1-Unentschieden steht, muss ein Shoot-out über Sieg und Platzierungen entscheiden. Sämtliche zehn Schützinnen scheitern an den Torfrauen Liu (China) und Perez (Spanien). Im ersten Paar des Stechens kann Lucia Jimenez für Spanien einen Siebenmeter herausholen und diesen dann auch selber zur 1:0-Entscheidung versenken. Spanien wird wie vor vier Jahren Siebter, Olympiafinalist China verbesserte sich trotz der Niederlage um eine Position gegenüber 2022.
Im Spiel um Platz 5 schockt Indien die deutsche Mannschaft in Amsterdam mit drei schnellen Toren in der zweiten Halbzeit. Über das 1:3 der Danas gibt es einen eigenen Spielbericht.

Belgiens Helene Brasseur (links) im Duell mit der Niederländerin Pien Sanders (rechts). Das Halbfinaleduell der beiden WM-Ausrichter erlebt eine dramatische Schlussphase. Foto: Worldsportpics
Die wichtigsten beiden Partien des Tages sind natürlich die Halbfinalduelle. Die beiden gemeinsamen WM-Ausrichter Niederlande und Belgien treffen in Amsterdam aufeinander. Von Beginn an erweist sich Außenseiter Belgien als harte Nuss für den Titelverteidiger, der kaum mal zu Torchancen kommt. Doch kurz vor der Halbzeit müssen die Belgierinnen einen Ballverlust weit in der gegnerischen Hälfte bitter bezahlen. Im folgenden Konter gelingt Joosje Burg ein starker Seitenwechsel, Luna Fokke spielt direkt weiter in den Kreis zu Frederique Matla, die mit ihrer Direktabnahme ins kurze Eck Torhüterin Piccard auf dem falschen Fuß erwischt – 1:0 (28.). Trotz des Rückstandes glaubt Belgien weiter an seine Chance, erst recht, als sechs Minuten vor Ende die Holländerin Pien Dicke nach körperlichem Foul mit gelb auf die Strafbank muss.
Gut vier Minuten vor der Schlusssirene dann die Szene, über die sicherlich noch lange nach der WM diskutiert wird. Auf der rechten Angriffsseite packt die Belgierin Lisa Moors ein freches Solo aus, umkurvt auf dem Weg in den holländischen Kreis gleich mehrere Gegnerinnen. Schließlich legt sie den Ball für Mitspielerin Famke van Heel auf, die das Spielgerät mit der Rückhand aus wenigen Metern Torentfernung halbhoch in den Kasten jagt. Schiedsrichterin Aleisha Neumann zeigt zur Spielfeldmitte, als die niederländischen Spielerinnen den Videobeweis anfordern. Nachgeprüft werden soll offenbar, ob beim Torschuss die runde Seite im Spiel war. Einen solchen Regelverstoß kann Videoumpire Ayanna McClean nicht feststellen, will aber beim Betrachten der TV-Bilder eine Behinderung der holländischen Verteidigerin Lisa Post durch Angreiferin Justine Rasir erkannt haben. Es kommt tatsächlich zur Aberkennung des vermeintlichen Ausgleichstreffers. Viele fachkundige Beobachter melden sogleich ihre Zweifel an der Korrektheit dieses Vorgehens an.
Auch wenn Belgien die letzten drei Minuten ohne Torhüterin und somit mit zwei Feldspielerinnen mehr anrennt, schaffen sie das 1:1 nicht mehr. Bei 6:5 Torschüssen, 4:2 Ecken und 8:12 Kreiseintritten hätte Belgien wirklich mehr als eine 0:1-Niederlage verdient gehabt. Entsprechend groß ist nach Schlusspfiff der Zorn auf die Offiziellen.

Julieta Jankunas (rechts) bejubelt ihren erfolgreichen Eckensteher, der letztlich den 1:0-Halbfinalsieg von Argentinien über Australien bringt. Foto: Worldsportpics
1:0 endet in Wavre auch das zweite Halbfinale, in dem sich Argentinien und Australien gegenüberstehen. Auch hier tut sich der Favorit schwer. Die Südamerikanerinnen können lange keine Torchancen herausspielen. Australien gefällt sich in der Rolle des Außenseiters und kann seinen Schusskreis lange sauber verteidigen. Nach vorne bringen die Schützlinge von Rhett Halkett allerdings auch nicht allzu viel zustande. Nachdem Argentinien mit einem Pfostenschuss bei der Ecke von Valentina Raposo (19.) Pech hat, geht es torlos bis in die letzte Viertelpause. Das Team von Fernando Ferrara erhöht den Druck und kommt dann in der 47. Minute zu einer Eckenserie. Die schließlich ausgeguckte Stechervariante über Torschützin Julieta Jankunas passt – 1:0.
Australien muss seine Offensivbemühungen steigern, hat dabei aber bis auf zwei gehaltene Ecken erst einmal wenig Durchschlagskraft. Doch 17 Sekunden vor Ende ist der Ball dann plötzlich im Kasten von Torhüterin Cosentino. Die englische Schiedsrichterin Harrison gibt den Treffer, doch im Video wird klar, dass Australiens Grace Stewart den Ball im Fallen doch nicht berührt hat. Und nach einem weiteren erfolgreicher VAR-Eingriff für Argentinien ist schließlich Schluss.







