28.08.2026 - Am Halbfinaltag der Herren muss Gastgeber Niederlande seine Titelträume aufgeben. Gegen Spanien unterliegt der Olympiasieger wegen eines bestens aufgelegten José Basterra, aber auch durch eine Undiszipliniertheit des holländischen Stürmers Duco Telgenkamp. Derweil setzt Deutschland an diesem Freitag seine tolle Serie gewonnener Halbfinalspiele fort.
Malaysia muss das unliebsame Schlusslicht in der Herren-Konkurrenz dieser 16. WM in Empfang nehmen. Im Platzierungsspiel um Rang 15 ringen in Wavre die Asiaten dem Team aus Wales zwar ein 2:2 (0:1)-Unentschieden ab, verlieren aber das Shoot-out mit 1:2. Faizal Saari (41.) und Akhimullah Anuar (52.) hatten die 1:0-Pausenführung der Europäer (Benjamin Francis/29.) in ein 2:1 für Malaysia gedreht. Liam Barker (53.) sorgte mit seinem Ausgleich für die Notwendigkeit von Penaltys. Mit seinem 15. Platz landet Wales vier Plätze hinter dem Abschneiden bei seiner WM-Premiere 2023, für Malaysia geht es vergleichsweise um drei Positionen runter.
Auf dem gleichen Rang wie 2023, nämlich auf Platz 13, endet für Frankreich die WM. Im Platzierungsspiel ringen die Franzosen in Amsterdam das Team aus Japan mit 3:1 (1:1) nieder. Nach Toren von Matteo Desgouillons (17.) und Jan Watanabe (7m, 22.) scheint es auch hier auf ein Shoot-out hinauszulaufen, ehe Frankreich noch zwei Treffer von Timothee Clément und Victor Charlet (E; beide 59.) gelingt. Japan verbessert sich trotz der Niederlage um eine Position gegenüber 2023 (15.).
Ein torreicher Schlagabtausch wird in Amsterdam das Spiel um Platz 11 zwischen Pakistan und Südafrika. Der Afrikameister kann Führungen von 2:0 und später 4:3 nicht in einen Sieg umwandeln, aber auch der Rekordweltmeister hat beim 3:2 mal die Nase vorn. Doch nach Toren von Afraz (21.), Muhammad Ammad (E, 22.), Rana Waheed (E, 32.) und Muhammad Hammadudin (60.) für Pakistan sowie Trevor de Lora (E, 8.), Dayaan Cassiem (18.) und Mustaphaa Cassiem (E, 40./7m 55.) steht es am Ende 4:4-Unentschieden. Im Shoot-out sichert sich Pakistan mit 4:3 die höhere Platzierung, die eine minimale Verbesserung gegenüber Rang 12 von vor acht Jahren (2023 war Pakistan nicht dabei) bedeutet. Für Südafrika geht es im Vergleich zur WM 2023 (11.) um einen Rang nach unten.
Souverän gewinnt in Wavre Neuseeland das Spiel um Platz 9. Irland wird 6:3 (4:0) geschlagen. Kane Russell eröffnet mit zwei Eckentoren (3./14.), dem folgen George Baker (21.), Sam Lane (E, 36./46.) und Finn Ward (58.) für Neuseeland, das sich trotz des Sieges um zwei Positionen gegenüber 2023 verschlechtert. Die Iren treffen erst ab dem Stand von 0:4 durch Gregory Williams (R, 37.), Lee Cole (7m, 38.) und Jeremy Duncan (E, 60.). Trotz der Niederlage ist Platz 10 für Irland eine Verbesserung gegenüber 2018 (14.).
Das Spiel um Platz 5 in Amsterdam gewinnt Australien mit einem 2:0 (1:0) über England. Mit zwei Strafecken sichern Blake Govers (30.) und Ky Willott (48.) den Ozeaniern den Sieg. Im Vergleich zu 2023 ist es für beide Nationen eine kleine Verschlechterung ihrer Schlussplatzierung. Australien war zuletzt Vierter, England Fünfter.

Indiens Kapitän Harmanpreet Singh verwandelt gegen Belgien zwei Strafecken, scheitert aber bei seinem Shoot-out. Foto: Worldsportpic
Dass Gastgeber Belgien in Wavre das Spiel um Rang 7 bestreiten muss, hätte im Vorfeld dieser WM wohl niemand erwartet. So aber muss der Finalteilnehmer der jüngsten beiden WM-Auflagen (2018: Erster; 2023: Zweiter) aus dieser kleinen Schmach das Beste machen, was gegen Indien mehr schlecht als recht gelingt. Abhishek (6.) bringt die Asiaten in Führung, Roman Duvekot (12.) und Hugo Labouchere (E, 23.) drehen das Resultat zur belgischen 2:1-Pausenführung, die Harmanpreet Singh (E, 31.) wieder ausgleicht. Auch das 3:2 (47.) durch Arthur de Sloever reicht Belgien noch nicht zum Sieg, weil Indiens Kapitän Harmanpreet 20 Sekunden vor Ende wieder per Ecke zum 3:3-Endstand ausgleicht. Im Shoot-out setzt sich Belgien schließlich mit 4:3 durch. Für Indien ist es trotz der Niederlage eine minimale Verbesserung gegenüber 2023 (Platz 9).
Viele Hockeyfans auf der Tribüne in Wavre haben während des Spiels den Livestream einer anderen, viel wichtigeren Partie auf ihren Mobilgeräten eingeschaltet, nämlich das zeitlich fast parallel in Amsterdam laufende erste Halbfinale zwischen Niederlande und Spanien. Lange passiert in diesem Duell erstaunlich wenig, die Defensivreihen haben alles im Griff. Dann schaffen es die Holländer mal, über links durchzukombinieren. Über Brinkman und Telgenkamp kommt der Ball zu Koen Bijen, der geschickt über Torwart Calzado hinweg zum 1:0 (22.) einlenkt. Damit geht es in die Pause und in eine zweite Halbzeit, die umso spannender und torreicher werden sollte. Nach 41 Minuten gleicht Spanien aus, als der harte Schrubber von Kapitän Miralles die Oranje-Deckung durchstößt und vor dem Kasten von José Basterra minimal abgefälscht wird. Von den Holländern kommt lange offensiv gar nichts mehr, bis in der 49. Minute Duco Telgenkamp eine gute Nachschussposition bekommt. In letzter Sekunde bekommt Gispert noch seinen Schläger dazwischen und lenkt den Ball dadurch weit über die Latte. Seine Rettungsaktion feiert der Spanier mit einem frechen Lachen direkt ins Gesicht des Schützen, der sich daraufhin zu einer Frustaktion hinreißen lässt und Gispert umstößt. Nach Studium der Bilder und Empfehlung des VAR schicken die guten Schiedsrichter Göntgen und Newman den Holländer mit Gelb für zehn Minuten auf die Strafbank.

Duco Telgenkamp (in oranje) verliert im Halbfinale gegen Spanien die Nerven, lässt sich zu einer Unsportlichkeit hinreißen und kassiert dafür eine Zehn-Minuten-Strafe. In Unterzahl kassieren seinen niederländischen Landsleute drei Gegentreffer zum 1:4. Am Ende verliert das Oranje-Team mit 3:4. Foto: Worldsportpics
Die holländische Unterzahl ist keine Minute alt, da rappelt es auch schon in der Kiste. Ein Flankenschlag von rechts in den Kreis passiert gleich vier Niederländer, am langen Pfosten bedankt sich Basterra mit seinem zweiten Treffer – 1:2 (50.). Und es kommt noch dicker für Oranje: Die erste spanische Ecke jagt Pepe Cunhill kompromisslos ins kurze Eck – 1:3 (51.). Weil sich in Unterzahl schlecht Offensivdruck aufziehen lässt, kann Holland kaum was entgegensetzen, und die Einzelaktionen verpuffen. Bei einem spanischen Konter holt Verteidiger Blok den einschussbereiten Alvarez von den Beinen - klare Sache für Ben Göntgen: Siebenmeter. Basterra verwandelt eiskalt zum 1:4 (55.).
Alles entschieden? Von wegen! Im Mute der Verzweiflung erzwingen die Holländer ihre zweite Ecke, die Jip Janssen zum 2:4 (57.) verwandelt. Trainer Delmee holt Torwart Meijer vom Feld, und 80 Sekunden vor Ende darf auch endlich Telgenkamp wieder mitmischen. 61 Sekunden vor Schluss bringen sich die Holländer mit der Verwandlung einer schönen Eckenvariante durch Joep de Mol zum 3:4 noch einmal in Reichweite. Doch mehr lassen die Spanier nicht zu. Zum dritten Mal nach 1971 und 1998 stehen sie wieder in einem WM-Finale. Gewonnen haben sie noch keines.
Und dort wird Spanien am Sonntag (16:30 Uhr in Wavre) auf Deutschland treffen. Der Titelverteidiger schlägt im zweiten Halbfinale Argentinien mit 2:1 (siehe eigener Bericht).







