29.08.2026 - Die Heimparty gecrasht und die Überraschung geschafft: Argentiniens Damen sind die neuen Weltmeister. Im Finale der 16. WM in Amsterdam schlagen die Südamerikanerinnen am Samstag den Titelverteidiger Niederlande nach 1:1-Unentschieden mit 3:1 im Shoot-out. Für Argentinien ist es der dritte WM-Titel nach 2002 und 2010. Niederlande muss sich nach zuletzt drei Titeln in Folge erstmals seit zwölf Jahren wieder bei einer WM geschlagen geben.
Das Finale vor 10.000 Zuschauern im vollbesetzten Wagener-Stadion entwickelt sich von Beginn an zu einer hart umkämpften Partie auf höchstem athletischen Niveau. Argentinien hat den etwas besseren Start, macht ordentlich Druck auf die niederländische Abwehr. Doch die leistet sich keinen Fehler. Die beste Chance im ersten Viertel hat aber das Oranje-Team, als ein von Argentiniens verstoppter Schlenzpass durchrutscht und Pien Dicke plötzlich alleine vor Torhüterin Cristina Cosentino, die aber routiniert die Bahn zumacht (13.). Im zweiten Viertel kommt der Favorit besser in Fahrt, stark angetrieben von Welthockeyspielerin Xan de Waard, die im letzten Spiel ihrer Karriere noch einmal ihre ganze Klasse zeigt. 40 Sekunden vor der Halbzeitpause erzwingen die Niederländerinnen ihre erste Ecke, die Yibbi Jansen knöchelhoch ins Schlägerecke von Cosentino einschlenzt. Mit dem 1:0 geht es bei leichtem Regen in die Kabinen.

Der Ball auf dem Weg in den argentinischen Kasten. Die niederländische Eckenschützin Yibbi Jansen (nicht im Bild) hat die erste holländische Strafecke des Finals auf den Weg gebracht. Die argentinische Abwehr um Torfrau Cristina Cosentino streckt sich vergebens - 1:0. Foto: Worldsportpics
Gleich nach Wiederbeginn holen die Hausherrinnen ihre zweite Ecke, wieder ist Raposo das Unglückskind. Doch diesmal ohne zählbare Folgen, Cosentino bekommt den mittigen Jansen-Schlenzer mit Glück und Können entschärft (31.). In der Folge verlagert sich das Eckengeschehen auf die andere Seite, wo sich Argentinien im dritten Viertel vier Ecken erkämpft. Richtig gefährlich wird aber nur die zweite, bei der Veenendaal den Gorzelany-Schlenzer aus dem Eck fischt. Bei gleich drei Hereingaben stimmt beim Team von Fernando Ferrara das Timing überhaupt nicht.
Chancen aus dem offenen Spiel heraus sind auf beiden Seiten Seltenheit. Zu gut die Abwehrreihen, die keine freien Schusspositionen mehr zulassen. Also konzentriert sich alles auf die Ecken. Die Niederlande bekommt nach 50 Minuten noch eine dritte Standardgelegenheit. Weil Jansen gerade auf der Bank ist, übernimmt Matla, deren Schlenzer Cosentino pariert. Dann holen sich die physisch überhaupt nicht einknickenden Südamerikanerinnen auf der anderen Seite weitere drei Ecken. Der insgesamt siebte Versuch führt schließlich zum Erfolg. Gorzelanys Schlenzer wird von Fokke so unglücklich für Maria Granatto vorgelegt, so dass die kleine Sturmführerin wenig Mühe hat, den Abpraller im Kasten unterzubringen – 1:1 (54.).
Argentinien hat sich den Ausgleich redlich verdient, wie 9:3 Torschüsse, 12:10 Kreiseintritte und 7:3 Ecken auch statistisch unterstreichen. Bis zum Schlusspfiff kann keine Seite mehr den entscheidenden Punch landen, und so muss das Shoot-out (mit dem deutschen Schiedsrichter Ben Göntgen als dritter Unparteiischer neben den guten Spielschiedsrichterinnen Amber Church und Sarah Wilson) über den WM-Titel entscheiden. Mit Pien Sanders und Felice Albers scheitern gleich die ersten beiden holländischen Schützinnen, während Victoria Granatto und Brisa Bruggesser zum 0:2 verwandeln. Hoffnung kommt für den Titelverteidiger zurück, als Marijn Veen verkürzt und Zoe Diaz‘ Treffer wegen runder Seite nicht zählt. Aber diese Hoffnung ist auch schnell wieder vorbei, weil Freeke Moes vergibt. Sofia Cairo hat den ersten Matchball und nutzt ihn auch eiskalt zum 3:1-Endstand. Bereits die letzten drei Shoot-outs (in der Pro League) gingen zugunsten von Argentinien aus, das im Beisein seiner Legende Luciana Aymar den Titel euphorisch und mit der ganz eigenen südamerikanischen Leidenschaft feiert. Im fünften Damen-WM-Finalduell beider Nationen hat Argentinien zum dritten Mal die Niederlande besiegt.

Freude bei den belgischen Damen, die nach einem 1:0-Sieg über Australien im "kleinen Finale" die erste WM-Bronzemedaille nach 1978 erlangen. Foto: Worldsportpics
Bei der Siegerehrung, bei der auch der langjährige deutsche IOC-Präsident Thomas Bach Medaille überreicht, jubeln neben den Argentinierinnen vor allem die Belgierinnen. Sie haben sie vor dem Endspiel im Spiel um Platz 3 mit 1:0 gegen Australien durchgesetzt und dürfen die Bronzemedaille entgegennehmen. Ohne ihre Stürmerin Justine Rasir, die vom Weltverband FIH für ihre nach der umstrittenen 0:1-Halbfinalniederlage gegen die Niederlande öffentlich geäußerten Vorwürfe gegenüber den Schiedsrichterinnen („wie viel Geld habt ihr bekommen?“) für ein Spiel gesperrt wurde, müssen die Belgierinnen viel Widerstand überwinden. Doch nach 20 Minuten verwandelt Charlotte Englebert mit einem beherzten Schlag die erste von drei belgischen Ecken zur Führung. Australien bemüht sich in der Folge zwar, rennt aber bis zum Schlusspfiff vergeblich dem 0:1 hinterher. 5:4 Torschüsse, 16:13 Kreiseintritte und 3:2 Ecken zeugen von einer ausgeglichenen Partie. Vor vier Jahren hatte es den Ozeanerinnen noch zu WM-Bronze gereicht. Für Belgien hingegen ist es nach Platz 6 2022 der erstmalige Sprung in die Medaillenränge seit Platz 3 der WM 1978.
Und es gibt bei der Siegerehrung weiteren Anlass zur Freude für Belgien: Charlotte Englebert wird zur besten WM-Spielerin ausgezeichnet. Weitere individuelle Preise gehen an die Australierin Jocelyn Bartram als beste Torhüterin, Zoe Diaz (Argentinien) als beste Nachwuchsspielerin und Yibbi Jansen (Niederlande) als mit acht Treffern beste WM-Torschützin.







