DEUTSCHE
HOCKEY ZEITUNG

Mit Hockey erhalten Sie wertvolle Tipps und Informationen rund um den Hockeysport.

Katrin Kauschke: „Wir sind im Damenbereich noch nicht gut genug aufgestellt, um dort alles Potenzial freizusetzen“

11.09.2026 
Als Vizepräsidentin Leistungssport im Deutschen Hockey-Bund ist Katrin Kauschke zusammen mit DHB-Sportvorstand Martin Schultze verantwortlich natürlich auch für die deutschen Nationalmannschaften. Im Gespräch mit DHZ-Redakteur Uli Meyer blickt Kauschke (54) auf die gerade abgeschlossene Weltmeisterschaft zurück, die für den DHB mit der erfolgreichen Titelverteidigung bei den Herren viel Freude, aber mit Rang 6 und einer Trainerentlassung bei den Damen auch Sorgen brachte.

Frau Kauschke, fangen wir mal mit den Herren an. Hätten Sie denn das vor dem Turnier für möglich gehalten, dass da ein Weltmeistertitel für Deutschland rausspringt? Hätten Sie womöglich irgendwo ein paar Euro auf einen deutschen WM-Sieg getippt?

KATRIN KAUSCHKE: Da ich nie wette, hätte ich auch in diesem Fall nicht getippt. Für möglich gehalten habe ich einen Titel schon, für wahrscheinlich aber nicht unbedingt. Es gibt bei den Herren eine relativ hohe Leistungsdichte an der Spitze. 
Da sind viele Mannschaften auf einem ähnlichen Niveau. Und deswegen entscheiden es am Ende halt wirklich Kleinigkeiten, wer das Turnier gewinnt und Weltmeister wird. 
Dass sich dann wie bereits 2023 letztlich doch wieder alles zu 100 Prozent für uns in diesem Turnier zusammenfügt, das hätte ich wie gesagt erhofft, es aber nicht als wahrscheinlichsten Ausgang angesehen.

 

Gab es denn auf dem Weg zum Titel für Sie den einen Moment, wo man dann eben gespürt hat, dass das alles irgendwie gut ausgehen kann?

Auf jeden Fall das Belgien-Spiel. Den Gastgeber und aktuellen Pro-League-Sieger im eigenen Stadion zu schlagen, das hat Stärke demonstriert, nach innen wie nach außen. Und natürlich auch das Australien-Spiel. Nach dem kleinen Dämpfer in der Zwischenrunde gegen Spanien dann so aufzuspielen, war unglaublich. Vor allem die Leistung der ganzen jüngeren Spieler in so einem wichtigen Spiel hat mich beeindruckt. Natürlich haben auch die Älteren super gespielt, aber dass die Jüngeren schon so stabil auftreten, das fand ich echt bemerkenswert.

 

Was sagen eigentlich so die internationalen Kolleginnen und Kollegen zum erneuten deutschen Triumph? Für was werden denn die deutschen Hockeyherren bewundert oder zumindest respektiert?

Sie meinen, was die Kollegen so widerspiegeln? Ich glaube, am ehesten ist es dieses Selbstbewusstsein, dass am Ende immer Deutschland gewinnt. Das war schon in den vergangenen Jahren so. Auf dem Boden eines Selbstverständnisses ist da etwas gewachsen und steht einfach im Raum: Am Ende gewinnt immer Deutschland! Ich sage nicht, dass es so ist, aber das hört man von außen am häufigsten. Jene Personen, die auch ein bisschen mehr in der Leistungssportmaterie drin sind, heben auch die starke Defensivleistung als Grund für unseren Erfolg hervor. 


 

Die sportlichen Aussichten für die Mannschaft, die jetzt die drittjüngste im Altersdurchschnitt des WM-Turniers 2026 war, sind wahrscheinlich äußerst rosig, wenn man auch sieht, dass vielleicht der ein oder andere U21-Weltmeister bald mal an den A-Kader anklopft und den internen Konkurrenzkampf am Laufen hält.

Ja, die Mannschaft hat eine unglaubliche Perspektive. Wir haben auch noch riesige Talente dahinter in der Pipeline. Solange uns der Führungsstab, der Staff des Teams, so erhalten bleibt, sieht unsere Zukunft da meines Erachtens wirklich gut aus. Klar hätte man gerne das Finale von Paris 2024 auch gewonnen, aber so bleibt natürlich noch der Ansporn, dass man auch mal olympisches Gold gewinnen möchte.
Natürlich stecken da immer große Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten dahinter, so dass man solch einen sportlichen Erfolg nie planen kann. Aber als Ziel bleibt es eben möglich.

 

Katrin Kauschke vor dem WM-Endspiel zusammen mit FIH-Präsident Tayyab Ikram (vorne in schwarz) bei der Ehrung von Hannes Müller, der im Finale sein 100. A-Länderspiel bestritt und sich sportlich mit dem 1:0-Sieg über Spanien selber belohnte, natürlich sehr zur Freude der DHB-Vizepräsidentin. Foto: Kaste

 

Mit dem Stichwort Olympia können wir jetzt den Bogen zur weiblichen Seite schlagen. Die Begründung von DHB-Sportvorstand Martin Schultze für die Trennung von Bundestrainerin Janneke Schopman war unter anderem ja, dass wenn man personell so weitermachen würde, schon die Qualifikation unsicher wäre.

Das klingt wie aus einer Angstposition heraus, so würde ich nicht an das Thema herangehen wollen. Wir machen Leistungssport, Martin als Sportvorstand und ich als Vizepräsidentin Leistungssport sind verantwortlich für den Leistungssport im DHB. 
Und deswegen wollen wir Bedingungen schaffen, dass die größtmögliche Leistung gezeigt wird und größtmögliche Erfolge errungen werden. Und da haben wir den Eindruck gehabt, dass wir da im Damenbereich noch nicht gut genug aufgestellt sind, um dort alles Potenzial freizusetzen. Und das heißt nicht, dass ich die Arbeit dort an sich kritisiere. Ich finde, Janneke hat als Trainerin gute Arbeit geleistet und hat sicherlich auch zu einer Entwicklung des Teams beigetragen. Wenn man diesen Weg betrachtet, so denken wir, müsste aber jetzt noch etwas anderes dazukommen, um wirklich dann dieses Potenzial, was ohne Zweifel da ist, auch komplett abzurufen.

 

Bevor wir auf die Personalentscheidung genauer kommen, wie haben Sie denn den Danas-Auftritt bei der WM gesehen? Was war gut und woran hat es im Endeffekt dann gelegen, dass man das selbstgesetzte Ziel der Halbfinalteilnahme verpasst hat?

Ich finde schon, dass die Mannschaft eine gute Spielanlage hatte, dass sich die einzelnen Spielerinnen natürlich auch reingehängt haben. 
Positiv war auch, dass sie gut miteinander klargekommen sind und in einigen Spielen wirklich eine gute Leistung gezeigt haben. Trotzdem hatte man dann in den entscheidenden Spielen den Eindruck, dass da wieder irgendwo so eine Blockade ist. Und diese Blockade gilt es zu lösen, weil man am Ende die entscheidenden Spiele gewinnen muss, um erfolgreich zu sein. 


 

Ist das der Hauptunterschied zur männlichen Seite, wo unter größtem Druck teilweise die besten Leistungen herausgekommen sind? So etwas, was die Honamas gegen Australien abgerissen haben, gelingt auf weiblicher Seite nicht annährend?

Genau richtig. Man muss nicht in jedem einzelnen Vorrundenspiel glänzen. Aber in dem Moment, in dem du etwas entscheiden kannst, musst du deine beste Leistung bringen. Es wäre jedenfalls hilfreich, wenn es so wäre. Das macht letztlich den Top-Leistungssportler auch aus, dass er eben auch unter großem Druck super performt.  


 

Musste denn das DHB-Präsidium vom Sportdirektor überzeugt werden, diese Trennung von Janneke Schopman vorzunehmen, oder geschah das alles im Einklang?

Das ist nicht adhoc entstanden und war keine Entscheidung eines einzelnen. Eine leichte Unzufriedenheit hatten wir ja schon vorher und haben das aber auch in Feedback-Gesprächen mit der Trainerin schon seit dem Frühjahr besprochen. Und wir haben mit ihr zusammen versucht, eine weitere Entwicklung anzustoßen, oder ihr den Impuls für eine Veränderung zu geben. 
Ich denke, dass wir wirklich versucht haben, sie da zu unterstützen. Das war unter anderem auch der Grund, warum Martin Schultze in den letzten Monaten dann noch häufiger als üblich bei Danas-Maßnahmen dabei war. Und ich war ja dann auch im Juni mit bei den Pro-League-Spieltagen in London, weil wir eben gemeinsam versuchen wollten, sie da auch bestmöglich zu unterstützen. 
Das hat aber am Ende bei der WM - und das ist ja die Drucksituation schlechthin - für uns eben noch nicht diesen Effekt gezeigt, dass wir denken, dass wir da jetzt noch lange so weitermachen können. Wir fanden einfach, dass da letztlich noch was fehlt zu einer optimalen Führung einer Mannschaft.

 

In der offiziellen DHB-Pressemitteilung wurden ja keinerlei Gründe für die Trennung genannt. Man konnte denken, dass einfach Platz 6 für die Ansprüche des Verbandes zu wenig war.

Es war einhellige Meinung – und der schließe ich mich an – dass es bei dieser Frauen-WM vielleicht noch nie so leicht war, eine Medaille zu gewinnen. Das Niveau insgesamt war schwankend und nicht auf Topniveau. Die Holländerinnen sind - und das ist trotz der WM-Finalniederlage auch immer noch so - mit ein bisschen Abstand vorne. Aber dieser Abstand ist bei diesem Turnier erstmals kleiner gewesen. Noch kleiner als in Paris bei Olympia 2024, wo China im Finale es auch schon fast geschafft hatte, am Thron zu rütteln. Jetzt ist Argentinien Weltmeister geworden, und wenn man sich das Spiel Deutschland gegen Argentinien angeguckt hat, dann ist es nicht so gewesen, dass wir da hätten verlieren müssen. Wir hätten mindestens unentschieden spielen oder auch gewinnen können.

 

Dem setze ich jetzt mal entgegen, dass die Mannschaft von Argentinien aus dem Gruppenspiel mit der vom Finale relativ wenig zu tun hatte. 
Sprich die haben haben einfach eine starke Entwicklung im Turnier hingelegt.

Ja, stimmt. Das spricht für die Leistungskultur der argentinischen Mannschaft, dass sie sich bis zum Höhepunkt auch entsprechend gesteigert hat. Aber zu dem Zeitpunkt im Turnier, als wir gegen sie gespielt haben, waren sie nicht besser als wir, höchstens entschlossener. 


 

Inwieweit in diesem Prozess, der jetzt eben nicht so adhoc war, ist denn die Mannschaft oder zumindest einige Führungsspielerinnen eingebunden gewesen? Oder hat man sie bewusst außen vorgelassen?

Natürlich hatte Martin Schultze Gespräche geführt, um ein bisschen herauszuhorchen, wie so die Stimmung ist. Das kann man nicht immer nur beobachten, da muss man auch mal ein paar Gespräche führen. 
Das ist sicherlich geschehen. Wie schon erwähnt waren wir gemeinsam in London. Ich habe dort in der Besprechung mit der Mannschaft gesagt: Wir gehören hier zum erweiterten Team. Wenn es irgendetwas gibt, was ihr denkt, was nötig ist, wenn ihr irgendwie unzufrieden seid, kommt zu uns, redet mit uns. Ich finde, das ist schon ein Angebot, auf das man auf jeden Fall zurückgreifen kann. 
Was wir natürlich nicht gemacht haben, irgendwie zu sagen: Eure Trainerin wackelt jetzt. Das, finde ich, ist auch nichts, was man als Präsidium oder als Sportdirektor dann der Mannschaft mitteilt. Das würde nur die Position der Trainerin schwächen.

 

Lange 28 Jahre ist es her, als eine deutsche Damen-Nationalmannschaft bei einer Feld-Weltmeisterschaft letztmals eine Medaille gewinnen konnte – und DHZ-Interviewpartnerin Katrin Kauschke war mittendrin. Als Kapitänin führte Kauschke (auf dem Teambild in der hinteren Reihe, Vierte von links, kaum zu erkennen) die deutschen Damen in die WM 1998. Mit dem 3:2-Sieg im Spiel um Platz 3 gegen Argentinien erkämpfte sich die DHB-Auswahl von Bundestrainer Berti Rauth in Utrecht/Niederlande die Bronzemedaille. Foto: DHZ-Archiv/Reinhardt

 

Was kam denn als Reaktion aus Mannschaftskreisen? Waren die Spielerinnen jetzt völlig perplex oder irgendwo einverstanden?

Ich hatte den Eindruck, die Entscheidung an sich ist eigentlich nicht das, was dann die Stimmung hochgewühlt hat, sondern eher der Zeitpunkt. Das hat manche sehr verärgert. Aber auch dafür hatten wir unsere Gründe, und wir haben uns das natürlich auch nicht leicht gemacht. Wir hatten vorher alle Möglichkeiten durchgespielt, wie man das am besten macht. Von „Wir machen es, wenn das Turnier abgeschlossen ist“ bis: „Wir machen es vorher, um Janneke die Chance zu geben, das auch noch vis-a-vis mit der Mannschaft zu besprechen“. In enger Abstimmung mit weiteren bei der WM anwesenden Präsidiumsmitgliedern sind wir dann zu dem Entschluss gekommen, dass es so doch am ehrlichsten ist, wie wir es dann gemacht haben. Dass das erst mal ein Schock ist und manche das total doof finden, kann ich nachvollziehen.

 

Was muss ein neuer Bundestrainer oder neue Bundestrainerin mitbringen? Sucht man jetzt einen „André Henning 2.0“ für die weibliche Seite?

Ich glaube, dass man das ja auch nicht eins zu eins übertragen kann. Das eine sind die Honamas, das andere sind die Danas. Und ob jetzt das eine beim anderen genauso gut funktioniert, das ist ja alles hypothetisch. Ich finde, dass es eine Kultur des Miteinanders und eine Leistungskultur gibt. Das ist nicht immer kongruent, aber kann sich sehr gut ergänzen. Und das muss in der richtigen Relation stehen. 
André schafft es, das bei den Honamas zu 100 Prozent in die richtige Relation zu bringen. Und das ist eben im weiblichen Bereich noch nicht gelungen. Das wäre unser Ziel, die Person zu finden, die das auch im weiblichen Bereich hinkriegt, dass die richtige Relation zwischen der Kultur des Miteinanders und der Leistungskultur entsteht, und die dazu natürlich noch diese ganzen hockey-spezifischen Dinge mitbringt und die Mannschaft dann bestens einstellen kann.

 

Haben Sie oder insgesamt die DHB-Führung Hoffnung, dass die deutschen Damen in nicht allzu ferner Zukunft wieder mal auf einen WM-Podiumsplatz zurückkehren können?

Wie ich eingangs schon sagte, waren sie diesmal gar nicht so weit davon entfernt. Aber das letzte bisschen hat halt gefehlt. Wenn man sich da wieder annähert und einen Tick mehr Leistungskultur reinbringt, dann ist das durchaus möglich. 
Und zwar schon beim nächsten Turnier. Vom grundsätzlichen Potenzial ist genug vorhanden. Ich glaube, dass wir ein ähnliches Potenzial besitzen wie derzeit andere Mitbewerber in der erweiterten Weltspitze. 


 

Lassen Sie uns abschließend noch auf Ihre Rolle innerhalb der FIH zu sprechen kommen. FIH-Präsident Tayyab Ikram hat bei der Siegerehrung in Wavre Worte benutzt, die ein bisschen an Olympia erinnerten. Er sprach vom „Best World Cup ever“. Kann man aus Sicht des Weltverbandes diese Doppel-WM in zwei Nationen und mit Damen und Herren gemeinsam zurecht als die beste Weltmeisterschaft bisher oder zumindest großen Erfolg verbuchen?

Als Erfolg auf jeden Fall. Die Aussage „beste aller Zeiten“ finde ich immer ein wenig schwierig. Man muss auch immer definieren, nach welchen Kriterien man das beurteilt. Also ist es der finanzielle Return für die Veranstalter? Ist es das Zuschauerinteresse? Ist es, wie die Organisation war? 
Ist es, wie sich die Athletinnen und Athleten gefühlt haben? Oder wie die Zuschauer zufrieden waren? Oder wie Hockey-WM in den Medien verbreitet wurden? Das sind alles Punkte, die da mit einfließen müssen. Und je nachdem, wie man die gewichtet, kommt man zu dann zur Auffassung, dass es jetzt das erfolgreichste oder das allerbeste Turnier war. Vor allem in den Sozialen Medien hat die WM 2026 Rekordmarken erreicht. Und auch was Zuschauerinteresse in den beiden schönen WM-Arenen betrifft, war es schon echt gut.

 

... mit den üblichen Dingen, die man wahrscheinlich überall bei Hockey-Großturnieren feststellen wird. Sprich wenn die heimischen Mannschaften mal nicht spielen, ist über den Spieltag hinweg schon eine gewisse Leere auf den Tribünen zu sehen.

Das wird man wahrscheinlich auch nie wegbekommen. Aber gähnend leer, wie man es ja leider auch schon ein paar Mal hatte, war es nie.  

 

Ist denn dieses Modell einer Doppelweltmeisterschaft, also Damen und Herren zusammen, etwas, was die FIH für die Zukunft grundsätzlich anstrebt?  Es war ja jetzt erst das dritte Mal bei 16 WM-Auflagen, dass es zu einem gemeinsamen Event kam.

Es hängt von den jeweiligen Bewerbungen ab. Ich persönliche finde es toll, wenn Damen und Herren gemeinsam ihre Weltmeister ermitteln. Wenn man das als Weltverband möchte, wird wahrscheinlich nicht viel anderes übrig bleiben, als es auf zwei Nationen zu verteilen. Wer kann denn schon in einem einzigen Land zwei Hockeystadien in dieser Größenordnung in einigermaßen erreichbarer Entfernung bieten? Ich fand es jedenfalls toll, wie sich Hockey bei dieser Veranstaltung in Amsterdam und Wavre präsentiert hat, mit Damen und Herren und den Specials nah beieinander, dazu auch die Masters mit ihren verschiedenen World Cups in vielen Altersklassen.

 

Gibt es schon eine erste Einschätzung, ein Feedback zu diesem neuen Wettkampfmodus, der erstmals bei dieser WM gespielt wurde? Hat er sich aus FIH-Sicht bewährt?

Es ist zumindest im Executive Board während der Veranstaltung nicht thematisiert worden. Ich persönlich finde den neuen Modus gar nicht schlecht. Ich hatte eher Probleme, mich mit einem Viertelfinale anzufreunden. Da triffst du als Gruppenerster auf den Vierten der anderen Gruppe, der dann mit einem einzigen guten Spiel seine Probleme oder Anlaufschwierigkeiten aus der Vorrunde vergessen machen kann. Und der Erste landet dann letztlich unter „ferner liefen“, was er meines Erachtens nicht verdient hat. Deswegen finde ich den Modus mit der Zwischenrunde gar nicht so verkehrt.

 

Kritisiert wurde unter anderem die etwas komplizierte Verständlichkeit.

Ich denke, die Leute sind schlau genug, um das dann spätestens beim nächsten Mal ohne Probleme zu verstehen. Beim Handball machen sie es ja auch so, und der Modus ist dort fest etabliert.

 

Sie gehören jetzt seit knapp zwei Jahren dem FIH Executive Board an. Haben Sie mittlerweile alle geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze schon irgendwie durchdrungen und wissen, wie so ein Apparat funktioniert?

Ich würde nicht sagen, dass ich bereits alles durchdrungen habe, aber einiges habe ich da inzwischen schon ganz gut verstanden.  

 

FIH-Präsident Tayyab Ikram stand während der WM gewissermaßen omnipräsent im Vordergrund. Kaum ein Spiel, wo er nicht vorher oder in der Halbzeitpause auf dem Spielfeld in eine Ehrung vornahm. Ist der Welthockeyverband aktuell schon so ein bisschen eine One-Man-Show? Und ist er intern jemand, der die anderen aus seiner Führungsetage, also auch gerade das Executive Board, gut mitnimmt?

Kulturelle Unterschiede zeigen sich natürlich auch in solchen internationalen Verbänden. Was ich sagen kann: Wenn Tayyab Ikram auf allen Hochzeiten tanzt, dann tut er das zum Besten des Hockeys, und natürlich ist er als FIH Präsident sichtbar. Das Executive Board nimmt eine Aufsichtsrat-ähnliche Rolle ein. Anträge aus operativer Führung, Panels und Kommissionen werden dort eingebracht, bestätigt oder auch mal abgelehnt. Diskussionen werden knapp gehalten, und das Gremium selbst arbeitet an strategischen Themen, soweit es der Zeitrahmen zulässt.

 

Jetzt im Oktober ist nächste FIH-Kongress. Steht für Sie in Doha eine Wiederwahl an?

Ich wurde vor zwei Jahren für eine Amtszeit von vier Jahren ins Executive Board gewählt, das geht bis Herbst 2028.

 

Vielen Dank für das Gespräch!