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Tag 10: Deutschland scheitert dramatisch, König Felipe drückt vergeblich die Daumen

05.08.2024 - Am Viertelfinaltag der Damen erleben Australien und Deutschland eine Neuauflage von Tokio-Erlebnissen, die sie sich bestimmt gerne erspart hätten. Neben deren Bezwinger China und Argentinien ziehen an diesem Montag auch Titelverteidiger Niederlande und Belgien ins Halbfinale ein. Spanien hilft auch königlicher Beistand nicht.

Tokio reloaded - Australiens Damen erleben das gleiche Schicksal wie vor drei Jahren in Japan. Nach Gewinn der Vorrundengruppe scheitern sie im Viertelfinale am asiatischen Viertplatzierten der anderen Gruppe. Der Unterschied zum 0:1 gegen Indien in Tokio 2021 ist ein stärkerer Gegner. China geht zwar nach zehn Minuten in Rückstand, als Alice Arnott die erste australische Ecke verwandelt, doch die Antwort folgt prompt: Ning Ma trifft ebenso per Standard (11.), und noch vor der Halbzeitpause hat Wen Dan mit dem 1:2 (20.) das Resultat gänzlich gedreht. Im dritten Viertel erhöht das immer selbstbewusster aufspielende China durch einen Eckennachschuss von Jiaqi Zhong (35.) gar auf 3:1. Das Aufbäumen der Australierinnen mündet zwar in einen Sturmlauf mit vielen Strafecken, aber nur eine davon sitzt durch Tatum Stewart (45.) zum 2:3-Endstand. Ihre statistischen Vorteile (16:11 Torschüsse, 9:7 Ecken, 20:15 Kreiseintritte) helfen den Australierinnen wenig. Im Chefcoach-Duell der beiden ehemaligen Teamkolleginnen Alyson Annan und Katrina Powell (gemeinsam holten die Offensivspielerinnen 1996 und 2000 olympisches Gold mit Australien) geht Neu-Chinesin Annan als Siegerin hervor.

Die Vormittagssession wird vom Shootout-Drama zwischen Deutschland und Argentinien abgeschlossen (siehe Extrabericht). Wie in Tokio, nur diesmal ganz anders, scheitern die deutschen Damen an den Südamerikanerinnen im ersten K.O.-Spiel.

Szene aus dem Halbfinale zwischen Belgien (in weiß) und Spanien (in rot). Die Belgierinnen setzen sich mit 2:0 durch und stehen erstmals in einem olympischen Halbfinale. Foto: DHZ

 

Die Abendsession ist dann eine kleines EM-Turnier mit ausschließlich europäischer Beteiligung. Titelverteidiger Niederlande und Großbritannien machen den Anfang. In der Neuauflage des Endspiels von Rio 2016 (der letzten größeren Niederlage der Holländerinnen) setzt der Favorit ganz schnell ein Zeichen. Bereits nach 30 Sekunden knallt Kapitänin Xan de Waard den Ball zum 1:0 ins britische Gehäuse. Aber ein früher Wirkungstreffer ist das nicht. Die Britinnen setzen sich gegen Oranje besser in Szene, als ihnen das mancher zugetraut hat. Der Lohn ist der Ausgleich, den Hannah French per Eckennachschuss nach 20 Minuten erzielt. Doch eine komplette Wende lassen die Holländerinnen nicht zu. Unmittelbar vor Pause schiebt Luna Fokke im Nachschuss eine Ecke zum 2:1 ein. In der zweiten Hälfte sieht sich Großbritannien einer kaum noch etwas zulassenden holländischen Mannschaft gegenüber, die durch Fokke zum 3:1 (46.) den Sack zumacht. 18:5 Schüsse, 5:2 Ecken und 31:11 Kreiseintritte verdeutlichen die Überlegenheit des zu erwartenden Siegers. Und doch kann GB mit erhobenem Haupt gehen. Sie haben sich an diesem Tag gut und teuer verkauft. Aber um Holland zu schlagen, braucht es mehr.

Im Beisein ihres Königs Felipe versuchen die spanischen Damen, den Lauf der Belgierinnen zu stoppen. Bei leichten belgischen Feldvorteilen braucht es in der ersten Halbzeit auch ein paar Mal das Eingreifen der Torhüterin Clara Perez, um die Null zu halten. Besonders spektakulär ist ihre Parade gegen den Knaller von Ballenghien (10.). Nach drei torlosen Vierteln bricht Belgien nach 46 Minuten den Bann. Nach einem Rechtsangriff kann Delpine-Daphne Marien zum 1:0 verwandeln. Und schon drei Minuten später legt Charlotte Englebert nach, als sie eine optimal funktionierende Eckenvariante über die Hereingeberin zum 2:0 verwandelt. Der Vorsprung kommt nicht ansatzweise in Gefahr, da kann der spanische König auf der Tribüne noch so viel die Daumen drücken. Bei 9:6 Schüssen, 2:4 Ecken und 20:10 Kreiseintritten ist Belgiens Halbfinaleinzug auch absolut verdient.  

Niederlande gegen Argentinien und China gegen Belgien lauten somit die Halbfinalpartien am Mittwoch.